Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Informatik : Was sind die Grenzen der Digitalisierung?

Foto: Andrés Nieto Porras - CC BY-SA 2.0

Steffen Voß

Die einen warnen vor einer künstlichen Intelligenz, die zur Gefahr für den Menschen wird. Die anderen freuen sich auf eine künstliche Intelligenz, die die Menschheit auf die nächste evolutionäre Stufe hebt. Der Informatiker und Philosoph Rainer Rehak hat sich auf dem Chaos Communication Congress damit auseinandergesetzt, was die Informatik eigentlich leisten kann.

Rainer Rehak nennt seinen Vortrag „Die Göttliche Informatik“, denn „die Informatik ist scheinbar das neue Göttliche, das den Klimawandel, die Kriminalität, unser fehlendes Wissen über das Gehirn, den globalen Terror, dichter werdenden Stadtverkehr, die Energieprobleme und die Armut der Welt lösen kann;“ Wo früher Gott die Erlösung von allem Ungemach auf der Welt bringen sollte, liegt die Hoffnung vieler Menschen heute auf der Informatik. Diese Menschen nennen sich Transhumanisten. Der Science-Fiction-Autor Charles Stoss kam in seinem Vortrag auf dem 34C3 zu einem ähnliches Schluss: „Transhumanists reinvented christianity.“

Rainer Rehak macht einen Rundumschlag: Von der Informatik zur Philosophie zur Wirtschaft zur Politik und zurück. Die Informatik kann immer nur mit Modellen der Realität arbeiten und die Modelle sind immer Reduktionen der Realität. Das merkt man dann, wenn man nur versucht einen Gegenstand zu kopieren: Die Kopie einer Gutenberg-Bibel ist keine Gutenberg-Bibel – auch wenn sie täuschend echt ist und es Experten braucht, um die Unterschiede zu finden. Die Kopie hat alle Eigenschaften des Original – außer dass es original und hunderte Jahre alt ist. Das ist wiederum ein gewaltiger Unterschied. Was bedeutet es dann erst, wenn die Informatik versucht komplexe Realität zu modellieren? Wie verhält sich das eBook der Gutenberg-Bibel zum Original?

Nun gibt es Leute, die meinen, dass das geht: Die Welt sei quantifizierbar und was quantifizierbar ist, kann auch modelliert werden. Und dann fängt man eben an alle Daten zu sammeln, an die man kommen kann. Hier kommt Rainer Rehaks Exkurs zur Wirtschaft. Nach dem neoliberalen Wirtschaftsparadigma der letzten Jahrzehnte, haben Gesellschaften weltweit auf Privatisierung und der Ökonomisierung aller Lebensbereiche gesetzt. Aus dieser Wirtschaftsweise und der Idee, dass man alles digitalisieren kann, entstehen dann die großen Konzerne. Sie sammeln immer mehr Daten und so tun als könnten sie damit immer mehr Probleme lösen. Es ist eine politische Frage und keine Frage der Informatik oder der Wirtschaft, ob wir das so wollen und ob uns die Produkte dieser Informatik der Preis dafür wert ist.

Interessant fand ich den kurzen Hinweis auf Francesca Bria, die sich in Barcelona um die Digitalisierung der Stadt kümmert. In Barcelona setzt das Smart-City-Konzept konsequent auf Open-Source und Open-Data. Auch die Smart-City soll den Bürgerinnen und Bürgern nicht den Konzernen gehören. Entsprechend knallen die die Stadt nicht voller Sensoren und schauen dann mal, was sich mit den Daten so machen lässt. Die digitale Strategie von Barcelona geht von den Bürgerinnen und Bürgern und ihren Problemen aus und versucht die zu lösen – unter anderem auch digital.

Dass Vieles in dem einstündigen Vortrag von Rainer Rehak oberflächlich bleibt, ist klar. Es ist aber gut, dass Rainer Rehak diesen großen Bogen schlägt. Und wer Lust hat, kann sich in das Thema nach dem Vortrag noch weiter einarbeiten. Er gibt entsprechende Lesetipps. Angucken!

34C3 – Die göttliche Informatik

Hat's Dir gefallen? Bitte teilen:



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.