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Wie im schlechten Film

Seit Monaten wird schon drü­ber dis­ku­tiert und nun steht es wohl fest: Unsere tap­fe­ren Bürger in Uniform be­schüt­zen die Fußball WM. Ganze 7000 Soldaten will Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) für die Sicherung der Spiele ab­stel­len. Das sind mehr als dop­pelt so­vie­le wie in Afghanistan. Es bleibt aber die Frage, war­um die deut­sche Regierung wäh­rend der WM un­be­dingt den Eindruck ei­ner Militärdiktatur er­we­cken will.Das Bild aus Manhattan hat mir ei­gent­li­ch ge­reicht: Ein „Marine“ mit MG steht am Eingang je­der U-Bahnstation und hält nach Terroristen aus­schau. Sicherer füh­le ich mi­ch in der Gegenwart von Waffen ir­gend­wie nicht. Eher im Gegenteil: Wenn ich mir vor­stel­le, dass die Typen, die sams­tags be­trun­ken durch die Innenstädte prol­len, plötz­li­ch be­waff­net auf uns auf­pas­sen sol­len, läuft es mir eis­kalt den Rücken run­ter.

Aber in­ter­es­sant ist die Überlegung, was so ei­ner wohl macht, wenn si­ch tat­säch­li­ch ein bö­ser Mensch in ei­ner Warteschlange in die Luft sprengt. Erschiesst er den dann hin­ter­her no­ch? Oder nimmt er die Einzelteile fest?

„Die Welt zu Gast bei Freunden mit Waffen und Uniformen“ – Moment gabs das nicht schon­mal? Ach nein, 1936 hat man ja eher ver­sucht die­ses Eindruck nicht zu er­we­cken.

Links:
Jung kün­digt an: 7000 Soldaten schüt­zen WM focus.de

Kommentare

Christian Martin

Nach dem kräf­ti­gen Abbau un­se­rer Polizeikräfte in den letz­ten Jahren braucht die Regierung wohl ei­ne Stütze.

Ob da un­se­re Soldaten für ge­eig­net sind wa­ge auch ich zu be­zwei­feln. Ich bin schon ge­spannt ob die Bundeswehr spe­zi­el­le Lehrgänge da­für an­bie­ten wird.

Aber Soldaten als „Typen, die sams­tags be­trun­ken durch die Innenstädte prol­len“ zu be­zeich­nen ist wohl ei­ne sehr ge­fähr­li­che Veralgemeinerung. 

Inzwischen ha­ben wir über 80% Berufs- und Zeitsoldaten, und nur die­se wer­den, wenn über­haupt, zum Einsatz kom­men. Diese „prol­len­den Typen“, die Sie hier er­wäh­nen, sind meist Wehrpflichtige, die si­ch (mei­ner Meinung nach ge­recht) von un­ser Politik ver­al­bert füh­len.
Diese jun­gen Soldaten sind meist weit weg von der Familie und ha­ben kaum mög­lich­kei­ten ih­re Freizeit ver­nünf­tig zu nut­zen.

Ich glau­be nicht, selbst wenn es zu dem Einsatz der Bundeswehr kommt, daß wir hier Verhältnisse wie in den USA ha­ben wer­den. Es wer­den kei­ne Soldaten mit Maschinengewehren auf den Strassen zu se­hen sein! Allerdings wer­den die Bundeswehruniformen wohl doch auf­fal­len.

C.M.

Steffen

Ich ha­be ja nicht ge­sagt, dass al­le be­trun­ke­nen Proll Soldaten oder al­le Soldaten be­trun­ke­ne Prolls sind. Die be­trun­ke­nen Prolls, die Soldaten sind, wer­den auch mei­ner Meinung nach haupt­säch­li­ch Wehrpflichtige sein. 

Da ein wich­ti­ger Teil der Berufs- und Zeitsoldaten in fer­nen Ländern ar­bei­tet, wer­den da si­cher ne Menge Wehrpflichtiger in Uniformen auf­ge­stellt. Vielleicht fin­det man über Casting-Agenturen ein paar Modells da­für. 😉

Gerhard

Hmmm. In punk­to „be­sof­fe­ne Soldaten“ emp­feh­le ich die Erfahrungsberichte des Kollegen Bentrup (taxi-blog.de), wo­bei das da ja eher Briten sind, als un­ser­ei­ner ein­sens.

Aber die­ser gan­ze WM-Kram geht mit schon jetzt ge­hö­rig auf den Senkel. Ich hab mei­ne Internetseiten kur­zer­hand zu WM-freien Zonen er­klärt. Und pünkt­li­ch zum Finale wer­de ich im schö­nen Schweden wei­len…

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