Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Wie im schlechten Film

Steffen Voß

Seit Monaten wird schon drüber diskutiert und nun steht es wohl fest: Unsere tapferen Bürger in Uniform beschützen die Fußball WM. Ganze 7000 Soldaten will Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) für die Sicherung der Spiele abstellen. Das sind mehr als doppelt soviele wie in Afghanistan. Es bleibt aber die Frage, warum die deutsche Regierung während der WM unbedingt den Eindruck einer Militärdiktatur erwecken will.Das Bild aus Manhattan hat mir eigentlich gereicht: Ein „Marine“ mit MG steht am Eingang jeder U-Bahnstation und hält nach Terroristen ausschau. Sicherer fühle ich mich in der Gegenwart von Waffen irgendwie nicht. Eher im Gegenteil: Wenn ich mir vorstelle, dass die Typen, die samstags betrunken durch die Innenstädte prollen, plötzlich bewaffnet auf uns aufpassen sollen, läuft es mir eiskalt den Rücken runter.

Aber interessant ist die Überlegung, was so einer wohl macht, wenn sich tatsächlich ein böser Mensch in einer Warteschlange in die Luft sprengt. Erschiesst er den dann hinterher noch? Oder nimmt er die Einzelteile fest?

„Die Welt zu Gast bei Freunden mit Waffen und Uniformen“ – Moment gabs das nicht schonmal? Ach nein, 1936 hat man ja eher versucht dieses Eindruck nicht zu erwecken.

Links:
Jung kündigt an: 7000 Soldaten schützen WM focus.de

Kommentare

Christian Martin
Christian Martin:

Nach dem kräftigen Abbau unserer Polizeikräfte in den letzten Jahren braucht die Regierung wohl eine Stütze.

Ob da unsere Soldaten für geeignet sind wage auch ich zu bezweifeln. Ich bin schon gespannt ob die Bundeswehr spezielle Lehrgänge dafür anbieten wird.

Aber Soldaten als „Typen, die samstags betrunken durch die Innenstädte prollen“ zu bezeichnen ist wohl eine sehr gefährliche Veralgemeinerung.

Inzwischen haben wir über 80% Berufs- und Zeitsoldaten, und nur diese werden, wenn überhaupt, zum Einsatz kommen. Diese „prollenden Typen“, die Sie hier erwähnen, sind meist Wehrpflichtige, die sich (meiner Meinung nach gerecht) von unser Politik veralbert fühlen.
Diese jungen Soldaten sind meist weit weg von der Familie und haben kaum möglichkeiten ihre Freizeit vernünftig zu nutzen.

Ich glaube nicht, selbst wenn es zu dem Einsatz der Bundeswehr kommt, daß wir hier Verhältnisse wie in den USA haben werden. Es werden keine Soldaten mit Maschinengewehren auf den Strassen zu sehen sein! Allerdings werden die Bundeswehruniformen wohl doch auffallen.

C.M.

3.4.2006 um 17:25
Steffen
Steffen:

Ich habe ja nicht gesagt, dass alle betrunkenen Proll Soldaten oder alle Soldaten betrunkene Prolls sind. Die betrunkenen Prolls, die Soldaten sind, werden auch meiner Meinung nach hauptsächlich Wehrpflichtige sein.

Da ein wichtiger Teil der Berufs- und Zeitsoldaten in fernen Ländern arbeitet, werden da sicher ne Menge Wehrpflichtiger in Uniformen aufgestellt. Vielleicht findet man über Casting-Agenturen ein paar Modells dafür. 😉

3.4.2006 um 17:31
Gerhard
Gerhard:

Hmmm. In punkto „besoffene Soldaten“ empfehle ich die Erfahrungsberichte des Kollegen Bentrup (taxi-blog.de), wobei das da ja eher Briten sind, als unsereiner einsens.

Aber dieser ganze WM-Kram geht mit schon jetzt gehörig auf den Senkel. Ich hab meine Internetseiten kurzerhand zu WM-freien Zonen erklärt. Und pünktlich zum Finale werde ich im schönen Schweden weilen…

14.4.2006 um 21:26

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