Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Jonathan Safran-Foer – „Alles ist erleuchtet“

Steffen Voß

Die Geschichte ist kurz erzählt: Der Ich-Erzähler, der den Namen des Autors trägt, reist in die Ukraine um eine alte Frau zu finden, die 1943 seinen jüdischen Großvater vor den Nazi gerettet hat. Er bekommt einen einheimischen Übersetzer samt Familie an die Seite gestellt und bleibt am Ende erfolglos. Soweit so einfach. Doch der Roman des 25-jährigen Jonathan Safran-Foer (Spricht sich wie das englische „four“) ist weitaus interessanter als es die Story vermuten lässt.Alles ist erleuchtet“ („Everything is Illuminated„) basiert auf einer wahren Begebenheit: Jonathan Safran-Foer ist tatsächlich aus diesem Grund in die Ukraine gefahren, war aber so erfolglos, dass er sich frei fühlte, eine komplett eigene Geschichte zu erfinden.

Und so verfasst er zum einen die fiktive Chronik des Ortes, aus dem seine Familie stammt und lässt zum anderen seinen Übersetzer in durch den exzessiven Gebrauch eines Thesaurus nur verschlimmbesserten Englisch die Geschichte seiner Suche erzählen.

Die Chronik ist eine wüste Vermischung aller jüdischen Klischee, mit einer überzogenen Dramatik, wie sie nur durch die wörtliche Überlieferung entstanden sein kann.

Währenddessen erzählt der Übersetzer Alex seine Geschichte so, wie es ihm am besten passt. Ein fiktiver Briefwechsel zwischen Autor und Übersetzer zeigt vermeitlich ein Werk im Entstehen. Alex schreibt Safran-Foer, was er vom neusten Abschnitt der Chronik hält, antwortet auf dessen Anregungen und legt einen neuen Teil seiner Erzählung bei.

Alex ist zu Anfang ein Typ, der sich selbst im besten Licht darstellt und im Laufe der Zeit der Arbeit an seinem Buch immer nachdenklicher wird. Während sich der eigentlich Protagonist total zurückhält und seine Aufgabe an seinen Assistenten übergibt.

Safran-Foer spielt mit den Erzählebenen, wie ich es bisher noch nicht gelesen habe und nutzt eine große Kellen feinen Humor und verschiedenste Textsorten und Typographien, um ein Gesamtbild zu erzeugen. Das Lesen hat mir großen Spaß bereitet, auch wenn ich befürchte, dass Alex‘ Englisch keinen guten Einfluss auf mich hatte.

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