Steffen Voß - Technologie & Gesellschaft

Computerspiele und Gewalt

Steffen Voß

Wenige Computerspiele kommen ohne Gewalt aus. Selbst in Sim City – einem Spiel, in dem man Städte aufbauen und weiterentwickeln kann – gibt es eine Funktion um Hurrikane oder Ufos auf die Stadt loszulassen. Welchen Effekt hat nun diese gespielte Gewalt auf das Verhalten von Jugendlichen? Wenn man den Medien Glaube schenken will, macht sie die Kids zu Amokläufern. Doch so einfach ist dieser Zusammenhang nicht.Nun mag der Redakteur einer Computerspiele-Seite auch nicht gerade objektiv sein, doch Duke Ferris von „Game Revolution“ bemüht sich um die Verwendung möglichst seriöser Informationen.

Anhand von Daten des US-amerikanischen Bureau of Stastics zeigt er, dass die Jugendgewalt seit einigen Jahren stetig rückläufig ist.

Er beruft sich auf Studien, die nur einen geringen Zusammenhang zwischen gespielter Gewalt und tatsächlicher Gewalt sehen, die gleichzeitig die Frage aufwerfen, ob vielleicht nicht einfach gewalthaltige Medien gewalttätige Menschen anziehen. Zu sagen, dass Gewaltspiele junge Menschen gewalttätig macht, wäre nach der Meinung von Duke Ferris so, als würde man sagen, dass die Oper Menschen reich macht, nur weil in der Oper viele reiche Menschen sitzen.

Bei all der statistisch nachweisbar zurückgehenden Anzahl von Gewaltverbrechen stellt sich die Frage, warum das so nicht wahrgenommen wird. Ferrris führt diesen Effekt auf die Medien zurück und unterstützt die Beobachtungen, die Michael Moore in seinem Film Bowling for Columbine aufzeigt: Gewalt verkauft sich nicht nur in Computerspielen gut, sondern auch im Fernsehen. Die Sender berichten mit Vorlieben über Verfolgungsjagden, Schießerreien usw. Wer das jeden Tag sieht, muss glauben, die Welt bestünde nur noch aus Verbrechen.

[quote=Duke Ferris]The most peaceful generation of Americans in recorded history is being shoved through metal detectors, having their civil rights violated on a daily basis, are the victims of unreasonable search and seizure, and are treated with constant suspicion.[/quote]

Eine interessante These zur Erklärung des Rückganges der Gewalt vertritt der amerikanische Star-Statistiker Steven Levitt: Er sieht einen engen Zusammenhang zwischen der Legalisierung der Abtreibung und dem Rückgang der Gewalt. Weniger ungewollte Kinder bedeuten danach weniger Verbrecher.

[quote=Steven Levitt]In den USA wurde die Abtreibung allgemein 1973 legalisiert. Doch in fünf Staaten war das bereits 1970 passiert. Die Daten zeigen uns nun: Der Rückgang der Kriminalitätsrate startete in diesen fünf Staaten drei Jahre früher als in den anderen Staaten. Und es war zuerst die Armutskriminalität der Jugendlichen, die zurückging. Der Rückgang der Gewaltverbrechen begann erst einige Jahre später.[/quote]

Ferris problematisiert in seinem Fazit, dass Computerspiele sicherlich auch nicht in jedem Fall für Kinder geeignet seien, nur weil es Spiele sind. Programme wie z.B. Grand Theft Auto 3 sollten auch seiner Meinung nach nicht in die Finger von Minderjährigen kommen. Denn auch wenn kein signifikante Korrelation zwischen Spiel- und Gewaltverhalten nachweisbar ist, gibt es bessere Einflüsse für Kinder.

Links:
Steven Levitt – Freakonomics
3sat über Steven Levitt
Duke Ferris Kolumne

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