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Arbeitsmarkt: Brain Drain & Brain Gain in Afrika

Die als „Brain Drain“ be­zeich­ne­te Abwanderung qua­li­fi­zier­ter Arbeitskräfte stellt ei­ne Herausforderung an den Arbeitsmarkt je­des be­trof­fe­nen Landes dar. Entwicklungsländer wie Südafrika trifft ei­ne sol­che Entwicklung aber no­ch we­sent­li­ch här­ter: Die oh­ne­hin ra­ren Leistungsträger wer­den durch die ho­hen Gehälter und den an­ge­neh­men und si­che­ren Lebensstil von Industrieländern an­ge­zo­gen und feh­len letzt­li­ch in der ei­ge­nen Volkswirtschaft.

Auf der der an­de­ren Seite be­deu­tet der Zuzug von un­aus­ge­bil­de­ten Arbeitskräften aus den no­ch schlech­ter ent­wi­ckel­ten und po­li­ti­sch un­si­che­re­ren Staaten wie Zimbabwe oder Malawi ei­ne wei­te­re Verschärfung der Situation.

Doch es gibt auch das ge­gen­tei­li­ge Phänomen zu be­ob­ach­ten: Die Filmbranche soll hier als Beispiel für ei­nen Wirtschaftszweig die­nen, der gut aus­ge­bil­de­tes Personal im Lande hält und aus­län­di­sches (Human-)Kapital an­zieht.

Zu klä­ren ist im Folgenden, wie si­ch das Phänomen des Brain Drain und Brain Drain dar­stellt, wie es si­ch aus­wirkt und wie die Perspektive für Gesamtafrika ist.Brain Drain

Obgleich der Begriff „Brain Drain“ vor al­lem in der ak­tu­el­len Diskussion um die Abwanderung eu­ro­päi­scher Wissenschaftler in die USA Bekanntheit er­lang­te, wur­de das durch ihn be­schrie­be­ne Phänomen zu­vor­der­st un­ter­ent­wi­ckel­ten Volkswirtschaften zu­ge­schrie­ben. Diese lei­den, da sie „ […] durch den Verlust aus­ge­bil­de­ter Fach- und Führungskräfte an hoch­ent­wi­ckel­te Industrieländer ei­ner we­sent­li­chen Entwicklungsgrundlage be­raubt wer­den, da der Aufbau wis­sen­schaftl. Und tech­no­log. Kapazitäten zur in­dus­tri­el­len Entwicklung durch den Mangel an ge­eig­ne­tem Personal er­schwert wird.“ (Brockhaus, 1987)

“Economic theo­ry has em­pha­si­zed that dif­fen­ces in the edu­ca­tio­nal le­vels of the po­pu­la­ti­on are an im­port­ant part of the an­s­wer [Frage: Warum gibt es rei­che und ar­me Länder?] and that im­pro­ved schoo­ling op­por­tu­nities should rai­se in­co­mes in de­ve­lo­ping coun­tries. Yet, whi­le the­re is litt­le doubt that high­ly edu­ca­ted workers in many de­ve­lo­ping coun­tries are sc­ar­ce, it is al­so true that many sci­en­tists, en­gi­neers, phy­si­ci­ans, and other pro­fes­sio­nals work in Canada, the United States and Western Europe. This pheno­me­n­on, of­ten re­fer­red to as the “brain drain”, was noti­ced as ear­ly as the 1960s and has be­en a con­ten­tious is­sue in the North-South de­ba­te ever sin­ce.” (Carrington / Detragiache, 1999)

Südafrika ist auf dem afri­ka­ni­schen Kontinent ein Spezialfall, denn „im­mer­hin ist das BIP [Bruttoinlandsprodukt] Südafrikas trotz al­ler […] Schwächen sei­ner Volkswirtschaft ein­ein­halb­mal so groß wie dass der 18 PTA [„Preferential Trade Area for Eastern and Southern Africa“] Staaten.“ (von der Ropp, 1993) Die folg­li­che Gefahr ei­ner wirt­schaft­li­chen Domianz ist auch Grund da­für, dass Südafrika we­der Mitglied der PTA war, no­ch der seit Dezember 1994 exis­tie­ren­den Nachfolge Vereinigung mit dem Namen „Common Market for Eastern and Southern Africa“ (COMESA) ist. (nach von der Ropp, 1993)

Im afri­ka­ni­schen Vergleich groß, stellt si­ch die Wirtschaft Südafrikas im in­ter­na­tio­na­len Vergleich als nicht grö­ßer als Polen und Thailand her­aus. Die Löhne lie­gen un­ge­fähr auf dem Niveau von Argentinien. (nach Roche, 2001) Und ge­n­au hier liegt die Quelle des „Brain Drains“ – Die aka­de­mi­sche Ausbildung der Südafrikaner hat in­ter­na­tio­nal ei­nen gu­ten Ruf (nach Mayer, 2001) und die Löhne im ei­ge­nen Land sind schlecht. Hinzu kom­men Push-Faktoren wie „die hor­ren­de Kriminalität im Land, Angst vor ei­ner wei­te­ren Verschlechterung des Gesundheitssystems, Sorge um die Ausbildung der Kinder und die ei­ge­nen be­ruf­li­chen Perspektiven.“ (Mayer, 2001)

Daneben und ne­ben den ho­hen Löhnen in den Industrieländern gibt es Pull-Faktoren, wie ge­ziel­te Anwerbung bei­spiels­wei­se von Ländern wie Kanada:

„In 1998, the pro­vin­ci­al go­ver­ment of Alberta, Canada de­ve­lo­ped a proac­tive stra­te­gy to deal wi­th the gro­wing shor­ta­ge of fa­mi­ly doc­tors in rural com­mu­nities of the pro­vin­ce. The government’s health mi­nis­try re­tai­ned a pri­va­te im­mi­gra­ti­on agen­cy to re­cruit South African doc­tors. The agen­cy laun­ched a re­cruit­ing dri­ve in South Africa wi­th la­vish din­ners and sli­ck pre­sen­ta­ti­ons for in­te­rested phy­si­ci­ans. A char­te­red jet flew 44 phy­si­ci­ans and their fa­mi­lies to Canada for a weekend at Lake Louise, one of Canada’s pre­mier tou­rist re­sorts. The phy­si­ci­ans then di­sper­sed to spend so­me ti­me in the com­mu­nities, whe­re they we­re fe­ted and of­fe­red con­sidera­ble fi­nan­ci­al in­duice­ment to co­me. All sub­se­quent­ly, de­cam­ped to Alberta, along wi­th ano­ther 40 who emi­gra­ted un­der the sa­me pro­gram wi­thout ta­king ad­van­ta­ge of the recruiter’s lar­gess.“ (Crush, 2002)

Der Vorteil für Länder wie Kanada liegt auf der Hand – Für den Staat ist es bil­li­ger, Ärzte in ei­nem Afrikanischen Land an­zu­wer­ben, als selbst wel­che aus­zu­bil­den:

„The esti­ma­ted cost of the trai­ning a South African doc­tor is $150,000. The Government spent a me­re $1.2 mil­lion on the re­cruit­ing sche­me, pro­vi­ding a $10.4 mil­lion net gain of me­di­cal ex­per­ti­se at South African ex­pen­se.“ (Crush, 2002)

Von Südafrikas 40 Millionen Einwohnern gel­ten nur 1,6 Millionen als gut aus­ge­bil­det (nach Mayer, 2001). Wenn man da­zu in Relation setzt, „dass si­ch al­lein in Großbritannien, den USA, Australien, Kanada und Neuseeland be­reits über 300000 Südafrikaner dau­er­haft nie­der­ge­las­sen ha­ben“ (Mayer, 2001), wird er­mess­bar, wie groß der Effekt für die süd­afri­ka­ni­sche Wirtschaft ist.

Neben dem me­di­zi­ni­schen Sektor lei­den vor al­lem die Finanz- und die Informationstechnologiebranche. (nach Euromoney, 2000) „Doctors, nur­ses, en­gi­neers, teachers jour­na­lists are all see­king to sell their skills for a hig­her wa­ge and a safer life out­s­ide the vo­la­ti­le, and crime-ridden lea­der of sub-Saharan Africa.“ (Euromoney, 2000) Und selbst die Menschen, die no­ch in Südafrika ver­blie­ben sind, äus­sern si­ch un­zu­frie­den mit dem ei­ge­nen Land: „In ei­ner Umfrage der Sonntagszeitung »Sunday Times« er­klä­ren 74 Prozent der Befragten, aus­wan­dern zu wol­len. 60 Prozent da­von sind Führungs- oder Fachkräfte, 20 Prozent selbst­stän­di­ge Unternehmer.“ (Mayer, 2001)

Während der Mangel an Fachkräften un­ter Medizinern durch er­heb­li­che Mehrarbeit auf­ge­fan­gen wer­den kann, sorgt er in an­de­ren Branchen für stei­gen­de Löhne, die wie­der­um die Wettbwerbsfähigkeit Südafrikas ein­schrän­ken: „Höhere Arbeitslöhne bei ge­rin­ge­rer Produktivität aber sind Gift für die eh schon lä­dier­te Wettbewerbsfähigkeit Südafrikas.“ (Mayer, 2001) So „[…] stim­men die Rahmenbedingungen nur für tech­no­lo­gie­in­ten­si­ve, nicht aber für ar­beits­in­ten­si­ve Investitionen.“ (von der Ropp, 2003)

Für tech­no­lo­gie­in­ten­si­ve Branchen wie­der­um be­nö­tigt man qua­li­fi­zier­te Kräfte – ein Teufelskreis. Johann Burden, Personalchef bei PQ Africa schätzt die Lage ent­spre­chend ein: „Die größ­te Bedrohung ist, dass wir un­se­re Kunden nicht mehr ver­nünf­tig be­die­nen kön­nen“. (Mayer, 2001)

Parallel zur Abwanderung der Fachkräfte gibt es ei­nen Zuzug von un­qua­li­fi­zier­ten Migranten aus dem rest­li­chen Afrika, wel­cher das ma­the­ma­ti­sche Verhältnis von Qualifizierten zu Unqualifizierten ne­ga­tiv be­ein­flusst. Um aber nicht in den Verdacht ei­ner Fortführung der ras­sis­ti­schen Immigrationsbestimmungen aus der Apartheit zu kom­men, kann die Regierung bis da­to re­la­tiv we­nig an die­sem Prozess än­dern.

Ein wei­te­rer his­to­ri­sch be­ding­ter Grund für den Brain Drain führ­te zur Abwanderung vor al­lem wei­ßer Fachkräfte: „Seit dem Ende [der Apartheit] 1994 prak­ti­zier­te die Regierung Mandela im öf­fent­li­chen Dienst ei­ne Politik der ‚af­fir­ma­ti­ve ac­tion‘, d.h. ei­ne deut­li­che Bevorzugung von Opfern der Apartheit bei der Besetzung von Stellen im Staatsdienst wie auch der Beförderung von Staatsbediensteten. In der Praxis be­deu­te­te das, dass mehr oder we­ni­ger al­le füh­ren­den Staatsangestellten und vie­le der un­te­ren und mitt­le­ren Ebene, wenn auch nach Zahlung durch­aus an­ge­mes­se­ner Abfindungen, ent­las­sen und durch von der Ausbildung und von der be­ruf­li­chen Erfahrung her we­nig ge­eig­ne­te schwar­ze Südafrikaner er­setzt wur­den. Dieser po­li­ti­sch wohl nicht zu ver­mei­de­ne Einschnitt führ­te je­doch zu ei­nem dra­ma­ti­schen Rückgang der Leistungsfähigkeit von Polizei, Zollverwaltung, Einwanderungskontrolle, staat­li­chem Gesundheits- und Ausbildungswesen, der Streitkräfte usw. Außerdem ist das heu­ti­ge Südafrika no­ch kor­rup­ter als das al­te. […] Die von der Regierung des seit 1999 am­tie­ren­den Staatspräsidenten Thabo Mbeki an­ge­strab­te ‚Afrikanisierung‘ der mo­der­nen Sektoren der Volkswirtschaft, so steht zu be­fürch­ten, wird die Abwanderung von in- und aus­län­di­schen Experten und die Flucht süd­afri­ka­ni­schen Kapitals vor­an­trei­ben.“ (von der Ropp, 2003)

Für die süd­afri­ka­ni­sche Regierung gibt es als Reaktion zwei Alternativen: „Die Behörden ver­su­chen, den Exodus mit Auflagen zu stop­pen – und er­rei­chen da­mit nur no­ch mehr Frust.“ (Mayer, 2001) Oder das Bleiben im Land muss at­trak­ti­ver wer­den. Das geht zum Beispiel auch, wenn man die Bevölkerung über die ne­ga­ti­ven Seiten des Lebens im Ausland auf­klärt. Denn zum Beispiel „[…] doc­tor mi­grant will find that, me­di­cal­ly spea­king, the grass is the sa­me shade of green on bo­th si­des of the fen­ce. The re­al dif­fe­ren­ce is in the qua­li­ty of life and li­ving.“ (Nevin, 2003) – Wer si­ch al­so als Arzt ei­nen ein­fa­che­ren Job er­hofft, ist in Australien nicht bes­ser auf­ge­ho­ben als in Südafrika.

Sollte der Brain Drain in den Zukunftsbranchen und der öf­fent­li­chen Versorgung wei­ter an­hal­ten, wird Südafrika vor ein Problem ge­stellt, dass es ver­mut­li­ch aus ei­ge­ner Kraft nicht zu lö­sen fä­hig ist.

Brain Gain

Trotz al­ler Widrigkeiten gibt der süd­afri­ka­ni­sche Staat für die Bildung ei­nen drei­mal grö­ße­ren Anteil vom Bruttoinlandsprodukt als China aus (nach Roche, 2001). Dass die­se Ausgaben nö­tig sind wird un­ter­stützt von der Einschätzung Klaus von der Ropps: „Das Ausbildungsniveau der über­gro­ßen schwar­zen Mehrheit war [zum Ende der Apartheit] mi­se­ra­bel, un­gleich schlech­ter als et­wa in Simbabwe.“ (von der Ropp, 2003) Die schwar­ze Bevölkerung hat ei­ni­ges auf­zu­ho­len: „Bis in die 80er Jahre hin­ein durf­te au­ßer­halb der länd­li­chen Ghettos (home­lands) ein schwar­zer Südafrikaner kei­ne hand­werk­li­che Lehre ma­chen.“ (von der Ropp, 1993)

Da in der schwar­zen Bevölkerung aber durch­aus ein no­ch nicht er­schlos­se­nes Potential für das Land liegt, gibt man si­ch seit ei­ni­ger Zeit Mühe, ta­len­tier­ten Schwarzen ein Studium zu er­mög­li­chen, auch wenn sie nicht über das Geld oder die schu­li­schen Abschlüsse ver­fü­gen. Angestrebt ist ein na­tio­na­les „Brain Gain“ – ein Anstieg des Anteils der wohl­aus­ge­bil­de­ten Bevölkerungsanteile, auch um die Effekte des „Brain-Drain“ auf­zu­fan­gen. Als Beispiel für die­ser­art Bestrebungen sei das UNIFY-Programm er­wäh­nen, das ge­dacht ist für „spe­ci­fi­cal­ly for dis­ad­van­ta­ged stu­dents from pre­vious­ly black-only edu­ca­tio­nal sys­tems.“ (Flier e.a., 2003)

Eine gro­ße Chance für be­nach­tei­lig­te Schwarze bie­tet der „CIDA City Campus“ – Die er­s­te Universität der Welt, die nur ar­men Studenten of­fen steht. Hier kos­tet ein Studienplatz nur ein Zwanzigstel des­sen, was er in an­de­ren Entwicklungsländern und ein Hundertstel des­sen, was er in Industrieländern kos­tet. Die Hochschule küm­mert si­ch dar­um, dass die Studenten Nebenjobs be­kom­men, die ih­nen nicht nur das Studium fi­nan­zie­ren, son­dern auch Arbeitspraxis ver­mit­teln. Kosten wer­den vor al­lem durch den Einsatz mo­derns­ter Technik ein­ge­spart – nur ein Dozent un­ter­rich­tet ei­nen ge­sam­ten Jahrgang – über Fernseher wer­den die Veranstaltungen in meh­re­re Räumen über­tra­gen. Nicht nur, dass bis­her nur 8% der jun­gen Südafrikaner nach dem Abitur stu­dier­ten, wäh­rend in den USA 80% stu­die­ren, es schlos­sen von die­sen 8% nur 10% ihr Studium an ei­ner kon­ven­tio­nel­len Universität ab. Die meis­ten kön­nen si­ch die Ausbildung ir­gend­wann nicht mehr leis­ten. (nach Dieterich, 2003) Taddy Blecher, Gründer der CIDA sieht über die Grenzen Südafrikas hin­aus Chancen für sei­ne Idee: „Unser Konzept ist ein Modell, das in al­len Entwicklungsländern ver­wirk­licht wer­den kann.“ (Dieterich, 2003) Und Südafrikas Präsident Mbeki gibt po­li­ti­sche Rückendeckung: „The edu­ca­ti­on of­fe­red is de­si­gned to ma­ke stu­dents re­le­vant, tru­ly em­power­ed, in­te­gra­ted ci­ti­zens and lea­ders that are skil­led and equip­ped to build the South African eco­no­my and so­cie­ty.“ (www.cida.co.za, 2005)

Eine eben­so in­ter­es­san­te wie hoff­nungs­stif­ten­de Entwicklung zeigt si­ch in der Filmbranche: Angezogen vom sta­bi­len, schö­nen Wetter, von nied­ri­gen Lohnkosten, pro­fes­sio­nel­ler Ausstattung und Stadtteilen, die leicht als eu­ro­päi­sche oder nord­ame­ri­ka­ni­sche Stadt her­hal­ten kön­nen, wer­den nach im­mer Werbefilmen nun auch gan­ze Spielfilme in Südafrika pro­du­ziert. (nach Economist, 2004 und African Business, 2002)

Induziert durch die Arbeiten aus­län­di­scher Produzenten, grün­den si­ch ge­ra­de in und um Kapstadt Firmen, die Dienstleistungen für die­sen Bereich an­bie­ten.

So zum Beispiel die Firma „Film Event Management“, die seit 2001 ei­ne zen­tra­le Anlaufstelle für Filmschaffende in Südafrika auf­baut:

„Film Event Management was foun­ded in 2001 wi­th the vi­si­on of for­ming a cen­tral re­sour­ce from which to con­so­li­da­te the South African film mar­ket.

The com­pany stri­ves to unite film and or­ga­niza­t­io­nal en­t­i­ties and to crea­te com­bi­ned bran­ding op­por­tu­nities for South Africa through con­so­li­da­ti­on of in­for­ma­ti­on and mar­ke­ting in­itia­ti­ves.

We al­so play as ac­tive a ro­le as pos­si­ble in fa­ci­li­ta­ting chan­ge in our land, en­su­ring fu­ture work pro­s­pects in film for pre­vious­ly dis­ad­van­ta­ged South Africans.“ (Englisch-Brower, 2005)

„Film Event Management“ bringt den „Filmmaker’s Guide to South Africa“ her­aus, der in­ter­es­sier­ten Ausländern, die Vorzüge des Landes dar­stellt und über ei­ne Datenbank im Internet (http://www.filmmakersguide.co.za) den Kontakt zu orts­an­säs­si­gen Firmen er­mög­licht.

Gefördert wird die­se Entwicklung in der Filmbranche auch vom Staat. Dieser ver­spricht si­ch po­si­ti­ve Impulse für die Tourismusbranche, wenn in den Kino rund um die Welt die Schönheit der süd­afri­ka­ni­schen Natur und die Vielfältigkeit der Städte zu se­hen ist. So wer­den Filme aus Südafrika von den ei­ge­nen Botschaften im Ausland be­wor­ben. (nach Economist, 2004)

In ei­ner wei­te­ren Phase will die lo­ka­le Filmbranche nicht mehr nur die Kulisse für in­ter­na­tio­na­le Filme stel­len, son­dern selbst ak­tiv wer­den. So hat die „National Film & Video Foundation“ (NFVF, http://www.nfvf.co.za) Anfang Dezember 2004 ei­ne „Value Charter“ mit dem Ziel der Förderung der na­tio­na­len Filmbranche ver­öf­fent­li­ch: „Of cri­ti­cal im­port­an­ce to the de­ve­lop­ment of the film in­dus­try was the laun­ch of the Value Charter which took pla­ce on 2nd December 2004. The laun­ch was part of a much broa­der mar­ke­ting cam­pai­gn whe­re the NFVF aims to com­mu­ni­ca­te wi­th the pu­blic and go­vern­ment, high­light­ing our ro­le and pro­gram­mes that will fol­low in the ne­ar fu­ture. This is a do­cu­ment that out­lines our fu­ture plans in an ef­fort to build an eco­no­mi­cal­ly via­ble in­dus­try. The Value Charter con­ta­ins va­rious pro­gram­mes that are ai­med at po­si­tio­ning the lo­cal film in­dus­try at a glo­bal le­vel, de­ve­lo­ping lo­cal con­tent and au­di­en­ces, de­ve­lo­ping in­fra­struc­tu­re and fa­ci­li­ties, and sti­mu­la­ting de­mand for lo­cal film pro­duct.“ (http://www.nfvf.co.za, 2005)

Ein Problem auf die­sem Weg, dürf­te das schlep­pen­de Interesse der Südafrikaner am Kino wer­den: „The on­ly hin­dran­ce is a fee­ble do­me­stic mar­ket. Black South Africans, es­pe­cial­ly, are not ke­en mo­vie go­ers, per­haps be­cau­se the­re are few ci­ne­mas in the town­ships whe­re many li­ve. Even rich whi­tes are hard to ent­i­ce.“ (Economist, 2004) Ob die Branche je­doch auf Dauer nicht die sel­ben Probleme be­kommt, wie Finanzwesen, IT, Medizin usw., dass die bes­ten Leute für hö­he­re Gehälter ins Ausland ge­hen und da­mit den Erfolg der Branche zu­nich­te ma­chen könn­ten, lässt si­ch auf Basis der vor­lie­gen­den Daten nicht er­ken­nen.

Effekte für den ge­sam­ten Kontinent

Die Herausforderungen, wie sie ex­em­pla­ri­sch für Südafrika dar­ge­legt wur­den, be­stehen na­tür­li­ch auch für das rest­li­che Afrika. Die oft we­ni­gen Fachkräfte stel­len ei­nen Großteil der Emigranten in klei­ne­ren afri­ka­ni­schen Ländern (nach Carrington und Detragiache, 1999). Insgesamt ver­liert der Kontinent je­des Jahr 20.000 qua­li­fi­zier­te Arbeitskräfte (nach African Business, 2000).

Allein mehr als 21.000 Ärzte aus Nigeria sind in die USA emi­griert und ein Land wie Ghana hat in den 1980er Jahren 60% sei­ner Ärzte ins aus­land ver­lo­ren. Für je­de Fachkraft in Afrika ist ein Kollege aus­ge­wan­dert. (nach ANC Information Service, 2000)

Joseph Ngu von der UN Economic Commision er­klärt auf ei­ner Konferenz in Addis Abeba „We ha­ve to turn the net loss of skil­led pro­fes­sio­nals in­to a net gain if we are not to be even fur­ther mar­gi­na­li­sed [..] We ha­ve two choices, to do not­hing and see our­sel­ves com­ple­te­ly mar­gi­na­li­sed, or to ad­opt con­cre­te me­a­su­res to crea­te an en­vi­ron­ment which African pro­fes­sio­nals will not want to lea­ve.“ (ANC Information Service, 2000)

Vor al­lem trei­ben wirt­schaft­li­che Schwierigkeiten, po­li­ti­sche Instabilität und der schlech­te Zustand der Menschenrechte in vie­len afri­ka­ni­schen Staaten die Fachkräfte aus dem Land. Die Probleme sind folg­li­ch in vie­len afri­ka­ni­schen Ländern viel drü­cken­der als in Südafrika, wel­ches si­ch al­le Mühe gibt, den po­li­ti­schen Ausgleich zu fin­den und über ei­ne re­la­tiv star­ke Wirtschaft ver­fügt.

Fazit

Ein Land wie Südafrika, mit sei­ner rei­chen Ausstattung an na­tür­li­chen Ressourcen, ei­nem ho­hen Engagement im Bildungssektor und der po­li­ti­schen Stabilität west­li­cher Länder, hat durch­aus die Chance si­ch selbst zu hel­fen, den Brain Drain in ei­nen Brain Gain zu ver­wan­deln und die so die ei­ge­ne Wirtschaft zu stär­ken.

Problematischer ist Lage in Ländern, die von po­li­ti­schen Unruhen und na­tür­li­cher Armut ge­zeich­net sind. Freiwillig ver­lässt kaum je­mand sei­ne Heimat – er­st un­er­träg­li­che Umstände und die Verlockungen der Ferne las­sen ei­nen Afrikanischen Arzt nach Nordamerika oder Europa aus­wan­dern.

Das Problem des Brain Drain ist al­so nicht nur ein ge­samt­afri­ka­ni­sches, son­dern auch ein ge­samt­po­li­ti­sches – er­st wenn die di­ver­sen in­ter­nen Zwistigkeiten bei­ge­legt sind, ist der Weg zum wirt­schaft­li­chen Aufstieg of­fen. Afrika kann nicht auf die mo­ra­li­sche Selbstverpflichtung der Industrieländer hof­fen – ei­ne Selbstbeschränkung bei der Abwerbung von afri­k­an­si­schen Fachkräften ist nicht zu er­war­ten. Afrika muss selbst die Voraussetzungen schaf­fen, die ih­re Spezialisten auf dem Kontinent hal­ten.

Literatur

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Carrington, W.J. und Detragiache, E. – „How Extensive is the Brain Drain?“ in: Finance & Development (June/1999)

Crush, J. – „The Global Raiders: Nationalism, Globalization and the South African Brain Drain“, Journal of International Affairs“ (Fall/2002)

Dieterich, J. – “Das schwar­ze Wunder” in: brand eins (03/2004) brand eins Verlag GmbH & Co. OHG, Hamburg

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Internetquellen:

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Mbalo, E. – http://www.nfvf.co.za (26.1.2005, 16:30)

Blecher, T. – http://www.cida.co.za (1.2.2005, 17:05)

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