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LeiderWikis sind tot

Dienstag, 20. Dezember 2011

Thilo hat es in seinem Kom­men­tar gerade ange­spro­chen: Wikis sind eine tolle, ein­fach Mög­lich­keit unab­hän­gig zusam­men­zu­ar­bei­ten. Ich per­sön­lich liebe es, mit Wikis zu arbei­ten. Kein mir bekann­tes CMS macht es so leicht umfang­rei­chen und kom­plexe Text-​Inhalte zu ver­öf­fent­li­chen wie es jedes noch so schlichte Wiki kann. Trotz­dem befürchte ich, dass das Thema Wiki durch ist.

Thilo spricht in sei­nem Kom­men­tar den Erfolg von Wiki­pe­dia an. Ich erin­nere mich aber an einen Kom­men­tar von ihm auf einem Web­Mon­tag, der sinn­ge­mäß lau­tete: „Media­wiki ist kein Wiki, son­dern eine Soft­ware, um Wiki­pe­dia zu betrei­ben.“ Meine Erfah­run­gen mit Media­wiki unter­stüt­zen diese Mei­nung. Media­wiki ist inzwi­schen ein fes­tes Team, das mit einer Soft­ware arbei­tet, die es ermög­licht, Ände­rungs­vor­schläge zur Prü­fung einzureichen.

Seit Jah­ren lau­fen Leute wie Thilo, Tim und ich durch die Welt und erzäh­len den Leu­ten, wie toll Wikis sind. Alleine: Es klappt nicht ein­mal für die „Szene“. Einer der häu­figs­ten Kri­tik­punkte beim Bar­Camp war das Wiki und die Anmel­dung dar­über, die „nie­mand ver­stan­den hat“. Dabei muss man sich da nur ein­tra­gen und aus­tra­gen, wenn man doch keine Zeit mehr hat. Mir fällt auch kaum ein Wiki­pro­jekt neben Wiki­pe­dia ein, an dem mehr als ein paar Leute arbei­ten — auch an Gut­ten­plag hat nur eine Hand voll Leute gearbeitet.

Wiki sind kein Brei­ten­thema gewor­den — selbst als Google ent­spre­chende Ver­su­che gestar­tet hat. Und ich sehe auch nicht, dass das noch mal pas­sie­ren wird. Das hat nichts mit der Tech­nik zu tun. Die meis­ten Men­schen schrei­ben ein­fach nicht gerne. Des­we­gen beschäf­ti­gen sie sich nicht mit der Tech­nik und des­we­gen wirkt die Tech­nik abschre­ckend, wenn es darum geht auch nur den eige­nen Namen oder ein Pseud­onym in eine Teil­neh­mer­liste zu schrei­ben. Bohr­ma­schi­nen sind auch sehr prak­ti­sche, eigent­lich unkom­pli­zierte Werk­zeuge. Wer sie aber nicht so oft benutzt, scheut sich, sie über­haupt zu benut­zen.

Schade ist das trotz­dem, weil Thilo natür­lich recht hat: Wikis sind noch eine ein­fach ein­zu­rich­ten­den Mög­lich­kei­ten, unkom­pli­ziert am Inter­net teil­zu­neh­men, ohne sich in die Arme eines Kon­zerns zu bege­ben.

Foto: Brat­scher /​pho​to​case​.com

Kommentare

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    Kai

    20. Dez 2011

    Ich hatte das Thema „Wiki“ zuletzt mit einem gro­ßen Unter­neh­men, wel­ches das zu inter­nen Zwe­cken nut­zen wollte bzw. es auch recht uner­folg­reich tut.

    Ich glaube, es schei­tert vor­nehm­lich daran, dass es zu „ner­dig“ ist. Selbst große, kom­mer­zi­elle Wiki­sys­teme sind wenig anspre­chend, weder optisch, noch in der Bedie­nung. Alles immer sehr nüch­tern und so nüch­terne Daten­ver­ar­bei­tung ist irgend­wie nix für „nor­male“ User. Macht ja auch kei­ner seine Haus­halts­pla­nung mit Excel oder Access.
    Und bei grö­ße­ren Wikis wirds auch noch kom­pli­ziert, wenn man dann mit­ein­an­der dis­ku­tie­ren muss usw…das hat dann ja schon was von „Poli­tik“, und Poli­tik ist auch zu mei­den.

    Und wer ein­mal mit Wiki­pe­dia aktiv in Berüh­rung kam, dem ver­geht der Spaß eh recht schnell, für immer.

    Vie­leicht bräuchte man eher eine Mischung aus Wiki und Far­me­rama, quasi Wiki­rama, mit Beloh­nungs­sys­tem und allem drum und dran. :/

    ornament
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    Thilo

    20. Dez 2011

    Ich weiss nicht ob das alles so stimmt. Ich gehe davon aus, dass wir heute das zig­tau­sende an Wikis haben, als noch zum Start des Web­mon­tags. Im Ver­gleich zu Face­book ver­lie­ren sie, weil sie nicht ein­ge­baute Ver­net­zungs­fea­tures und eine Com­mu­nity bie­ten. Den­noch denke ich, dass Wikis sich durch­ge­setzt haben und über­all zu fin­den sind. Die Alter­na­tive dazu sind spe­zi­elle Pro­gramme. ich selbst nutze Wikis in Grup­pen, in denen ich aktiv bin täg­lich und es funk­tio­niert sehr gut. Ich wüsste gar nicht wel­che Alter­na­tive ich ver­wen­den sollte. Ich benutze auch mit eini­gen Leu­ten Google Docs, um gemein­sam Tabel­len­kal­ku­la­tion zu betrei­ben. Das gefällt mir auch sehr gut, ist aber eine sehr spe­zi­elle Anwen­dung. Außer­halb von mei­nen Grup­pen kenne ich Leute, die sonst noch Drop­box oder Ether­pads benut­zen. Die kom­men aber nicht ansaztz­weise an Wiki­funk­tio­na­li­tät heran oder stel­len eine sehr eigene Funk­ti­ons­pa­lette zur Ver­fü­gung. Dann braucht man aber 3 – 5 ver­schie­dene Tools (für Kalen­der, Noti­zen, Lis­ten,…) um das glei­che zu machen. Gerade das Gut­ten­plag Wiki hat für mich gezeigt, dass Wikis immer noch die beste Lösung für man­che Pro­bleme dar­stel­len. Auch wenn es jetzt nicht so viele Betei­ligte waren.

    ornament
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    Steffen Voß

    21. Dez 2011

    Natür­lich ist die Über­schrift eine kleine Pro­vo­ka­tion. Danke aber für Euer Feedback!

    Wikis schei­nen ein­fach nur nicht ganz so breit ein­setz­bar zu sein, wie ich mal dachte. Was schade ist: Es liegt zum Teil daran, dass sich Wikis nie wei­ter­ent­wi­ckelt haben. Zumin­dest die mir bekann­ten Sys­tem sind alle noch größ­ten­teils so wie vor 5 Jah­ren. In der Zwi­schen­zeit haben sich die Ansprü­che aber weiterentwickelt.

    ornament
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    Swen Wacker

    21. Dez 2011

    Die meis­ten Wikis, die ich kenne, haben so eine Ein­ga­be­box, wo man komi­sche Zei­chen ein­ge­ben muss, damit nach­her der geän­derte Text zu sehen ist. Das ist ganz anders als bei WORD.

    Im Ernst: Wikis, selbst der Platz­hirsch Media­wiki, erwar­ten von Anwen­der, dass er ein bestimm­tes Aus­zeich­nungs­markup beherrscht. Das ist ein Feh­ler an sich. Damit wird die eh kleine Gruppe der Mit­ar­beits­wil­li­gen auf die­je­ni­gen ein­ge­schränkt, die sol­che Dinge ler­nen wol­len. Bei Kon­kur­renz­pro­duk­ten wie Moin­Moin und Co kommt dann noch hinzu, dass ihr Markup abweicht. Ich muss dann immer an Dür­ren­matts Phy­si­ker und die Atom­bombe den­ken (… „brauch­bar ist eine Maschine erst dann, wenn sie von der Erkennt­nis unab­hän­gig gewor­den ist, die zu ihrer Erfin­dung führte“ …).

    Außer­dem glaube(!) ich, dass die Menge der­je­ni­gen, die an „was auch immer“ mit­ar­bei­ten wol­len, durch das Inter­net nicht grö­ßer gewor­den ist. Warum auch? Was sich geän­dert hat, ist die Ver­net­zung­mög­lich­keit und die Menge der Ange­bote, nicht die Gruppe der Enga­gier­ten. Dann ist es nur fol­ge­rich­tig, wenn Grup­pen, die Engagement/​Ehrenamt brau­chen, unter Man­gel lei­den.

    Wikis sind nicht tot, unsere Ansprü­che waren hoch.

    ornament
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    Tim Schlotfeldt

    23. Dez 2011

    Moin, ein net­tes Thema ;-)

    Wikis sind natür­lich nicht tot, sie wach­sen und gedei­hen in bestimm­ten Orga­ni­sa­tio­nen ganz vor­züg­lich. Man darf aber nicht erwar­ten, das man so etwas wie Face­book oder Twit­ter bekommt.

    Wikis sind Werk­zeuge zum Wis­sens­man­ge­ment und weni­ger zur bei­läu­fi­gen Kom­mu­ni­ka­tion. Bei­läufge Kom­mu­ni­ka­ti­ton, dass ist das, was man so auf auf Twit­ter, Face­book & Co so treibt. Zur Orga­ni­sa­tion eines Bar­Camps gehört dage­gen auch Wis­sens­ma­nage­ment. D.h. man doku­men­tiert für sich und die ande­ren seine Erfah­run­gen, Abspra­chen und der­glei­chen. So etwas zu machen ist ziem­lich anstren­gend. Anders als bei einer bei­läu­fi­gen Kom­mu­ni­ka­tion muss ich beim Wis­sens­ma­nage­ment mein Know-​How so for­mu­lie­ren, dass es andere auch Monate spä­ter noch ver­ste­hen. Ich muss ent­schei­den, in wel­chem Kon­text ich Infor­ma­tio­nen im Wiki am sinn­volls­ten ablege und wel­che Ver­knüp­fun­gen (Bezie­hun­gen) ich anlege. Der Sinn die­ses Tuns ergibt sich einem nicht sofort son­dern erst spä­ter, wenn man merkt, wie sehr man von der Zuar­beit der ande­ren im Wiki pro­fi­tiert. Wiki ist so etwas wie Open Source auf Infor­ma­tio­nen: man teilt groß­zü­gig sein Know-​How weil man in der Summe viel mehr zurück­be­kommt als man gege­ben hat.

    Das Pro­blem mit Wiki in Orga­ni­sa­tio­nen ist nicht so sehr das User Inter­face. Ja, man muss erklä­ren, warum das nicht wie Word funk­tio­niert oder warum man keine Kom­men­tare schrei­ben kann wie bei Face­book. Das größte Pro­blem ist aber die mit dem Wiki ein­her­ge­hende Trans­pa­renz. Wenn man Wikis näm­lich ernst­haft ein­setzt, dann bedeu­tet das: jeder kippt alle seine Wis­sens­bro­cken rein. Keine Marketing-​Blahblah, kein Pro­jekt­ab­schluss­er­folgs­pro­to­koll, son­dern klare, unge­schminkte Worte und Bil­der. Das setzt natür­lich vor­aus, dass so etwas in Orga­ni­sa­tio­nen auch hono­riert wird, dass es belohnt wird, auch Feh­ler zu doku­men­tie­ren. Aber genau das ist das zweite Pro­blem mit den Wiki, denn gerade wir in Deu­sch­land sind alleine schon durch unsere Schul­so­zia­li­sa­tion eher auf Wett­be­werb denn auf Koope­ra­tion getrimmt.

    Ich erin­nere mich noch an die Aus­sage eines neuen Mit­glieds des Bar­Camp Kiel Teams, dass nicht wollte, dass seine Feh­ler im Wiki doku­men­tiert sind.

    Also, Wikis sind super Werk­zeuge zum Wis­sens­ma­nage­ment. Dass Wikis nicht funk­tio­nie­ren, liegt nach mei­ner Erfah­rung als Wiki-​Berater für Unter­neh­men vor­nehm­lich an zwei Din­gen: 1. Wis­sens­ma­nage­ment ist anstren­gen­der als ein­fa­che, beläu­fige Kom­mu­ni­ka­tion und 2. haben gerade Orga­ni­sa­tio­nen bzw. Men­schen in die­sen Orga­ni­sa­to­nen erheb­li­che Pro­bleme mit der ein­her­ge­hen­den Transparenz.

    ornament

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