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NetzsperrenEngland will Pornografie sperren

Dienstag, 11. Oktober 2011

Tim Schlot­feldt schreibt in sei­nem Blog über Moral und Netz­neu­tra­li­tät im Zusam­men­hang mit den Plä­nen, die in Groß­bri­tan­nien bekannt wur­den: Schon seit gerau­mer Zeit dis­ku­tierte die kon­ser­va­tive Regie­rung, die Pro­vi­der dazu zu zwin­gen, por­no­gra­fi­sche Inhalte zu sper­ren und nur auf Antrag der Kun­den wei­ter­zu­lei­ten. Die vier größ­ten Pro­vi­der der Insel las­sen sich nun wohl auf diese Pläne ein, wie der Guar­dian berichtet.

Zum Einen kri­ti­siert Tim die Tat­sa­che, dass „legale Inhalte“ […] „im Mut­ter­land der Demo­kra­tie dann jetzt also stan­dard­mä­ßig erst­mal weg­ge­fil­tert“ würden.

Man darf aller­dings nicht ver­ges­sen, dass es auch in Deutsch­land recht­li­che Beschrän­kun­gen für die Ver­brei­tung von Por­no­gra­fie gibt, deren Auf­he­bung für das Inter­net das Ver­fas­sungs­ge­richt 2005 abge­lehnt hat.

Solange das so ist, müs­sen Video­the­ken abge­trennte Räume für Por­nos anbie­ten. Und wenn das so ist, klingt die Ana­lo­gie, wie sie in Groß­bri­tan­nien umge­setzt wird, auch nicht so weit her­ge­holt. Da sind wir dann wie­der bei dem Thema „Netzsperren“ — die man in die­sem Fall aller­dings selbst abschal­ten las­sen kann. Und genau, wie bei den deut­schen Netz­sper­ren, ahnt man nun auch in Eng­land, dass das ein Schuss in den Ofen wird.

Und ich denke völ­lig zu Recht stellt Tim die Frage nach der Netz­neu­tra­li­tät: Die Frei­schal­tung der Por­no­gra­fie wird sicher mit einer Ver­wal­tungs­ge­bühr belegt sein. Und ver­mut­lich muss man die Frei­schal­tung alle 12 Monate wie­der bestä­ti­gen, so dass man am Ende für Por­no­gra­fie beim Pro­vi­der extra bezahlt. Und wer auf diese Sachen dann noch schnel­ler zugrei­fen will, kann sogar noch ein­mal extra bezah­len für den prio­ri­sier­ten Zugang.

Was also tun, wenn sich Offline-​Recht nicht ohne Kol­la­te­ral­schä­den auf das Inter­net über­tra­gen lässt? Por­no­gra­fie war in Deutsch­land bis in die 1970er kom­plett ver­bo­ten… Das hat sich geän­dert, ohne dass die Gesell­schaft wesent­lich ver­roht wur­den. Und wenn man den Kin­dern heute ver­nünf­tige Alter­na­ti­ven bie­tet, sit­zen die sicher auch nicht den gan­zen Tag vorm Inter­net, um Por­nos zu gucken. Der Zugang zum elter­li­chen Rech­ner lässt sich sogar wesent­lich bes­ser regu­lie­ren, als der Offline-​Weg zur Pornosammlung.

Nur: Dem Ver­fas­sungs­ge­richt hat das offen­bar 2005 nicht gereicht. Es ist immer wie­der die glei­che Frage nach der Durch­set­zung von natio­na­lem Recht im Inter­net. Und die Frage, ob wir über­haupt noch eigene, deut­sche oder euro­päi­sche gesell­schaft­li­che Stan­dards durch­set­zen kön­nen, wenn wir wol­len, dass das Inter­net in der Art erhal­ten bleibt, wie es zur Zeit ist. Und letzt­lich: Wel­che Stan­dards hat das Inter­net eigent­lich?

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Bild: Hab ich im Inter­net abgemalt

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