startseite | archiv | bilder | bookmarks | short urls | rss reader |

Foto: Some rights reserved by Elsie esq.

MusikindustrieDoofes DRM

Montag, 02. Januar 2012

In sei­nem aktuellen Blog-​Post berich­tet Tim von einem Come­dian, der eine Auf­zeich­nung sei­ner Show frei online gestellt hat, mit der Bitte um frei­wil­lige Zah­lun­gen. Nach 12 Tagen hatte er 1 Mil­lion Dol­lar ver­dient. Tims Schluss: „DRM braucht nie­mand.“ Der Schluss stimmt. Die Prä­misse nicht. Denn die Tat­sa­che, dass jemand Geld ohne DRM ver­dient, trifft das Pro­blem von DRM nicht im Kern.

DRM bestraft die Ehr­li­chen. Sie kau­fen ein Pro­dukt mit einer Dis­funk­tion — ein Ele­ment des Pro­dukts ver­hin­dert („Defec­tive by Design“), dass das Pro­dukt nicht so fle­xi­bel ist, wie die ille­gale aber freie Ver­sion. DRM–Musik und DRM–Filme erfor­dern DRM–Betriebs­sys­teme und DRM–Player. Wir sind da wie­der in der Dis­kus­sion von Cory Doc­to­row beim 28c3.

DRM kann nicht die Ant­wort auf die Frage sein, wie wir mit dem umge­hen, was Künst­ler machen. Die Frage, die das bis­he­rige Urhe­ber­recht auch nur eher schlecht als recht beant­wor­tet hat ist: Wie kön­nen wir sicher­stel­len, dass Leute von Musik, Film und Lite­ra­tur so leben kön­nen, dass sie wei­ter­hin Musik, Film oder Lite­ra­tur machen kön­nen? Das Sys­tem garan­tiert natür­lich nie­man­dem finan­zi­el­len Erfolg und es haben neben­bei noch viele andere Men­schen viel Geld ver­dient. Und man muss dazu sagen, dass gerade Musik und Film als Genre noch nicht sehr alt sind. Aber gerade für viele Musi­ker waren die Ein­nah­men aus ihren Ton­kon­ser­ven immer ein recht siche­rer Einkommensanteil.

Es gab immer mal wie­der sol­che Aktio­nen, bei denen Radio­head oder Nine Inch Nails ihre Musik frei her­ge­ge­ben und trotz­dem damit Geld ver­dient haben. Die waren aber auch schon vor­her durch die klas­si­sche Musikindustrie-​Promotion-​Mühle gegan­gen und super-​bekannt. So schreibt auch der Eco­no­mist:

Now, of course, Mr C.K. has the advan­tage of mil­li­ons of fans from his live and tele­vi­sion per­for­man­ces. He recei­ves praise from his fel­low come­di­ans and appears regu­larly on late-​night tele­vi­sion. His approach would pro­bably not work for someone appearing at open-​mic night in Duluth once a month.“

Funk­tio­niert das nur immer mal wie­der bei spe­zi­el­len Aktio­nen, die dann eine gewisse Öffent­lich­keit bekom­men, wäh­rend der Markt rund­herum noch klas­sisch funk­tio­niert? Würde genau das selbe Kon­zept auch bei einem zwei­ten Stand-​Up-​Comedian funk­tio­nie­ren? Würde es in Zukunft dazu füh­ren, dass min­des­tens genauso viele Come­di­ans ähnli­che gut oder schlecht von ihrer Arbeit leben kön­nen, wie vor dem Internet? 

Es ist schön, dass auch beim Eco­no­mist inzwi­schen ange­kom­men ist, dass DRM gefähr­li­cher Blöd­sinn ist. Die eigent­li­che Dis­kus­sion ist aber inzwi­schen wei­ter. bzw. wie Cory Doc­to­row in sei­nem 28c3-​Vortrag klar macht: Die Urhe­ber­rechts­frage ist hin­ter vie­len ande­ren The­men nach­ran­ging. Und offen­bar fin­den Künst­le­rIn­nen und Indus­trie ihren Weg auch im beste­hen­den Sys­tem — so eine große musi­ka­li­sche Viel­falt hat es jeden­falls noch nie gege­ben.

Links

Foto: Some rights reser­ved by Elsie esq.

Einen Kommentar hinzufügen





Trackback

Trackback URL für diesen Artikel

  • Twitter / Facebook
  • Twitter
  • Facebook
  • RSS
  • RSS

 

Werbefreies Blog

Steffen Voß | Steinstraße 5 | 24118 Kiel
Tel.: +49 431 88 88 683
E-Mail: kontakt@kaffeeringe.de
Skype: steffenvoss
Jabber: kaffeeringe@jabber.ccc.de
ICQ: 447639251