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Android

SmartphonesApps-Hype = Second-Life 2010

Mittwoch, 04. August 2010

Ver­schie­dene Blog­ger beschäf­ti­gen sich zur Zeit mit der Zukunft von Apps. Apps sind diese klei­nen Pro­gramme, die man für sein Mobil­te­le­fon kau­fen kann — viele gibt es auch umsonst. Es hat sich aber vor allem rund um den App-​Store von Apple eine kleine Bran­che gebil­det, die mit rela­tiv wenig Auf­wand Geld ver­dient. Viele Beob­ach­ter geben die­ser Blase keine Chance auf dau­er­hafte Existenz.

Der App-​Store und die Alter­na­ti­ven von der Kon­kur­renz lösen zwei Problem:

  1. Kun­denaquise und Dis­tri­bu­tion wer­den kom­plett über einen zen­tra­len Punkt auf dem Tele­fon erle­digt. Wer etwas ver­kau­fen will, mel­det es hier an und war­tet auf seine Kunden.
  2. Die Abrech­nung über­nimmt Apple, kas­siert bei den Kun­den und zahlt an die Anbie­ter aus.

Da das auf die glei­che Weise auch auf dem iPad funk­tio­niert, haben diverse deut­sche Ver­le­ger das Gerät als Lösung für das Pro­blem mit ihrem Con­tent Geld zu ver­die­nen gefei­ert. Statt eine Inter­net­seite ohne kla­res Geschäfts­mo­dell zu betrei­ben, lässt man sich ein Pro­gramm schrei­ben, dass die Inhalte auf dem iPad dar­stellt und da man das Pro­gramm nur über den App-​Store bekom­men kann, muss der Kunde durch den Bezahl-​Feuerreifen hüp­fen, um an die Leckerli-​Inhalte zu kommen.

Lei­der Quatsch

Lei­der ist das nicht gerade weit­sich­tig, denn zum Einen funk­tio­nie­ren die Apps fürs iPhone höchs­tens noch auf dem iPad — anders­herum nicht und zum Ande­ren schauen poten­ti­elle Kun­den mit ande­ren End­ge­rä­ten gänz­lich in die Röhre. 

Apple hat einen Markt­an­teil im Mobil­te­le­fon­be­reich von ca. 15%*. In den 100% sind natür­lich jede Menge Tele­fone, die noch gar nicht für die mobile Inter­net­nut­zung gedacht sind — ent­spre­chend kann man den Anteil von Apple für die inter­es­sante Gruppe der Smartphone-​Nutzer höher anset­zen. Es lässt aber all die Desk­top– und Laptop-​Computer-​Besitzer völ­lig außen vor. 

Also müsste man min­des­tens noch für Android und Win­dows, viel­leicht aber auch noch für Black­berry und Mac ent­spre­chende Apps schrei­ben las­sen und ver­kau­fen. Und das alles, wäh­rend es einen Mega­trend weg vom Desk­top gibt. Mehr und mehr Dienste wer­den per Brow­ser ange­bo­ten: Mails kann man schon lange per web​.de, GMX & Co. abru­fen. Es gibt Foto­al­ben, Text­ver­ar­bei­tun­gen, Kalender-​, Pro­jekt­ma­nage­ment– und Customer-​Relationship-​Management-​Software online und Google arbei­tet an einem Betriebs­sys­tem für Net­books, das quasi nur noch aus einem Brow­ser besteht. Und dann gibt es Leute, die glau­ben, dass Pro­gramme, die nur auf einem ein­zi­gen Typ End­ge­räte läuft die Zukunft wäre.

HTML 5 ist die Zukunft 

Eine Apps ist doch nicht mehr als ein Link auf eine Inter­net­seite, die nicht aus­sieht wie eine typi­sche Inter­net­seite. Spä­tes­tens mit HTML5 wird man mit Brow­ser­tech­no­lo­gie machen kön­nen, was immer man sonst nur mit nati­ven Pro­gram­men konnte — es wird aber Geräte unab­hän­gig sein.

Second-​Life — Das vir­tu­elle Mahnmal 

Vor ein paar Jah­ren gab es einen ähnli­chen Hype: Second Life. Ich loggte mich ein und schaute es mir an. Es gab hun­derte von Arti­keln dar­über wie die­ses Sys­tem die vir­tu­elle Wirt­schaft ankur­beln würde. „Es gibt sogar eine eigene Wäh­rung!“ Dann began­nen Leute, sich als Archi­tek­ten der neuen Welt selbst­stän­dig zu machen. Und ich dachte mir, „muss ich jetzt wirk­lich statt Web­sites Häu­ser bauen?“ 

Mitt­ler­weile küm­mert sich kein Mensch mehr um Second Life und all seine Clone. Das Web ist so groß gewor­den, weil es auf freier Tech­no­lo­gie beruht, weil es jedem den Zugang ermög­licht und es ermög­licht belie­bige Dinge aus­zu­pro­bie­ren. Es ermög­licht, Inhalte auf ver­schie­denste Wei­sen auf­zu­be­rei­ten und zu ver­mi­schen. Die Konserven-​Form mag für bestimmte Ziel­grup­pen inter­es­sant sein. inno­va­tiv ist das nicht und der Druck aus dem freien Netz auf die Walled-​Garden-​Apps wird auf dauer zu groß sein.

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Bild: Jesus Bel­zunce Lizenz: CC by-​nc-​nd

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