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Konvergenz & SelbstbestimmungHerausforderungen für das Internet der Zukunft

 

Mittwoch, 26. November 2008

Das World Wide Web ist in kür­zes­ter Zeit groß gewor­den, weil es ein beson­ders freies Medium ist: Es war keine Firma, die Ein­lass nur gegen End­geld oder den Erwerb lizenz­pflich­ti­ger Hard– und Soft­ware gewährte oder eine staat­li­che Stelle, die den Zugang gesetz­lich regle­men­tiert hat (Im Gegen­satz zu BTX zum Bei­spiel, wel­ches gleich beide Pro­bleme auf ein­mal hatte). Das Web ist gewach­sen bevor Kom­mer­zia­li­sie­rung und Regle­men­tie­rung grif­fen: Jeder konnte sich dank offe­ner Stan­dards für wenig Geld eine Ser­ver ans Inter­net hän­gen und los­le­gen. Was kön­nen wir für die Zukunft aus die­sem Erfolgs­mo­dell lernen?

Auf einer offe­nen Infra­struk­tur aus Web– und Mail­ser­vern, die alle frei unter­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren kön­nen, hat sich eine Viel­zahl abge­schlos­se­ner Dienste breit gemacht: In soge­nann­ten „Walled-​Gardens“ ist es Mit­glie­dern nur mög­lich mit ande­ren Mit­glie­der zu kom­mu­ni­zie­ren – und so ist es inzwi­schen so, dass man­che Men­schen gar nicht mehr per uni­ver­sell ver­füg­ba­rer Mail und nur noch per inter­ner Nach­richt im Stu­diVZ oder per ICQ–Chat zu errei­chen sind.

Jeder Anbie­ter hat sein eige­nes Sys­tem, das kaum bis keine Schnitt­stel­len zum Rest des Inter­nets bie­tet und sam­melt flei­ßig die Daten sei­ner Kun­den. Über diese Daten kön­nen die Kun­den nicht ver­fü­gen und sie nicht ein­fach auf ande­ren Web­sites wiederverwenden.

Nach und nach öffnen sich die „Walled-​Gardens“ und per API kön­nen Daten aus­ge­le­sen, wei­ter­ver­wen­det und mit ande­ren „ver-​masht“ wer­den. Zunächst hat jeder Anbie­ter seine eigene API und es gibt kei­nen Standard-​Weg Benut­zer­da­ten aus­zu­le­sen. Mit Open­So­cial ver­sucht Google seit eini­ger Zeit einen sol­chen Stan­dard zu eta­blie­ren und einige grö­ßere Anbie­ter ermög­li­chen mitt­ler­weile die Ver­wen­dung von Open­So­cial Widgets.

Kon­ver­genz & Selbstbestimmung

Das Pro­blem ist aber, dass das immer noch an dem Prin­zip des Inter­nets vor­bei geht: Eigent­lich müsste es viel ein­fa­cher sein, über die eige­nen Daten zu ver­fü­gen. Ich müsste kom­plett meine Daten dort spei­chern, wo ich es will – sei es auf einem eige­nen Ser­ver oder beim Anbie­ter mei­nes Ver­trau­ens. Und diese Daten stelle ich dann nach Art und Umfang zur Ver­fü­gung, wenn ich mich im Stu­diVZ, im Meceredes-​Forum oder in den Kom­men­ta­ren bei Spie­gel Online betei­li­gen will.

Es gibt bereits einige Dienste die­ser Art:

OpenID

OpenID ist die Spe­zi­fi­ka­tion eines zen­tra­len Logins:

  1. Der OpenID-​Provider ermög­licht es, dass ich mir dort einen Account anlege. 
  2. Die Web­site erlaubt den Login per OpenID.

Ich werde also zum Bei­spiel von upco​m​ing​.org zwecks Login an mei­nen OpenID-​Provider wei­ter­ge­lei­tet. Dort logge ich mich ein und der Pro­vi­der mel­det dann zurück, dass ich jetzt ein­ge­loggt bin. Ich kann mir also spa­ren, über­all neue Accounts mit neuen Login-​Namen und Pass­wor­ten anzu­le­gen. Wenn ich kei­nem Anbie­ter ver­traue, kann ich sogar selbst einen OpenID-​Server instal­lie­ren und mich dar­über ein­log­gen. (Nicht ver­stan­den? OpenID Accor­ding to Dave)

Laco­nica

Laco­nica wird land­läu­fig als „Twitter-​Clone“ bezeich­net. Es ist aber vor allem die Imple­men­tie­rung einer offe­nen Micorblogging-​Spezifikation. Jeder kann quasi sei­nen sei­nen eige­nen Twitter-​Clone-​Server eröff­nen und ihn mit den ande­ren Ser­vern spre­chen las­sen (oder auch nicht – zum Bei­spiel für unternehmens-​interne Kommunikation).

Jab­ber

Mit dem XMP-​Protokoll steht eine Spe­zi­fi­ka­tion zur Ver­fü­gung auf der jeder Instant Messaging-​Server und Cli­ents ent­wick­len und ins Inter­net hän­gen kann, die dann unter­ein­an­der kommunizieren.

Yahoo FireE­a­gle

Yahoo‘s FireE­a­gle Daten­bank ermög­licht das zen­trale Spei­chern mei­ner Posi­tion – also die Orte an denen ich mich befin­den. Diese Infor­ma­tio­nen kann ich ande­ren Diens­ten ver­füg­bar machen, indem ich jeweils zuteile, ob dau­er­haft oder ein­ma­lig abge­fragt wer­den darf. Dazu kann ich bestim­men, wie genau (Staat, Stadt, Straße) die Infor­ma­tion sein soll. Und wenn ich nicht mehr will, kann ich einem Dienst den Zugriff auch wieder­ ent­zie­hen.

Lei­der ist FireE­a­gle keine Spe­zi­fi­ka­tion. Es kann also im­ Gegen­satz zu OpenID nicht jeder eine FireE­a­gle Daten­bank instal­lie­ren. Und da zeigt sich auch schon ein Kenn­zei­chen zukünf­ti­ger Lösungen:

Die Pro­bleme des Inter­nets las­sen sich nur auf Protokoll-​Ebene lösen.

Es muss jedem mög­lich sein, eine eigene Soft­ware zu schrei­ben und die auf einem eige­nen Ser­ver zu betrei­ben. Nur so kann das volle Poten­tial des Inter­nets aus­ge­schöpft wer­den: Ich weiß, wel­che Daten erho­ben wer­den und ich weiß, wem ich sie zur Ver­fü­gung stelle.

auto​nomo​.us beschäf­tigt sich aus­schließ­lich mit die­sen Her­aus­for­de­run­gen, und hat mit dem „Fran­klin Street State­ment on Free­dom and Net­work Ser­vices“ eine wich­tige Leit­li­nie für zukünf­tige Ent­wick­lun­gen geschaffen.

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