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Bar­Camp Hamburg²Die Web-​Szene trifft sich in Hamburg

 
BarCamp Hamburg

Montag, 24. November 2008

Am Wochen­ende fand das zweite Bar­Camp in Ham­burg statt und aus ganz Deutsch­land reiste die Web-2.0 Szene an – eine ganze Menge Leute, die ich bis­her nur aus Blogs und Pod­casts kannte, Start-​Ups, Unter­neh­mer, Enthu­si­as­ten und alle mit dem Ziel, sich gegen­sei­tig ein inter­es­san­tes Wochen­ende zu gestal­ten. Ein Bar­Camp ist näm­lich eine UnKon­fe­renz und bei einer UnKon­fe­renz gibt eine keine Zuschauer – nur Teilnehmer.

Das Bar­Camp fand in den Räu­men des Haupt­spon­sors „Otto“ in Ham­burg Wands­bek statt. Hier gab es Sams­tag mor­gens erst ein­mal ein ordent­li­ches Früh­stück – ab halb 11 wur­den dann die Ses­si­ons des Tages geplant: Jeder der ein Ange­bot machen wollte, stellte seine Idee für einen Vor­trag oder eine Dis­kus­sion in 2 – 3 Sät­zen auf der Bühne des Haupt­rau­mes vor und suchte sich dann einen Raum und einen Zeit-​Slot auf dem Session-​Board. Jede Ses­sion sollte eine halbe Stunde dau­ern mit einem Puf­fer von 30 Minute, bis zum Beginn der nächs­ten Ses­sion. Und so man­che Dis­kus­sion nutzte die­sen Spiel­raum voll aus.

Screen­cas­ting

Meine erste Ses­sion drehte sich um das Thema „Screen­cas­ting“. Andreas Pilz von learn2use​.de stellte seine Erfah­run­gen mit die­sem Thema in einem der klei­ne­ren – dafür wie so oft über­füll­ten – Räume vor: Gute Pla­nung und ein ordent­li­ches Dreh­buch sind wich­tig, ein guter Spre­cher und die rich­tige Soft­ware. In die­sem Fall war seine ein­deu­tige Emp­feh­lung: Cam­ta­sia Stu­dio. Das ist wohl mit Abstand das beste Tool für Screencasts.

Andreas gab auch den Tipp, mög­lichst einen eige­nen Account auf dem Rech­ner für Screen­casts anzu­le­gen, damit wäh­rend der Auf­nahme keine Instant Mes­sen­ger auf­pop­pen oder Ver­zeich­nisse mit Urlaubs­bil­dern stören.

Sei­ner Erfah­rung nach, benö­tigt man für eine Minute pro­fes­sio­nel­lem Screen­casts etwa 5 Stun­den Arbeit – inklu­sive Kun­den­ge­sprä­che, Schnei­den, und Nachbearbeiten.

Die Zukunft des Bloggens

In einem eben­falls zu klei­nen Raum ging es dann um die Zukunft des Blog­gen – und schon hier wurde klar: Twit­ter ist mehr als nur einer der übli­chen Hypes. Obwohl es ums Blog­gen gehen sollte, kam immer wie­der das Thema Micro­blog­ging in Form von Twit­ter auf.

Das ist ver­mut­lich auch eine der wich­ti­ge­ren Erkennt­nisse des Bar­Camps: Am Micro­blog­ging kommt man nicht vor­bei: Neben den 2 Twitter-​Walls gab es meh­rere Ses­si­ons zu Micro­blog­ging im Unter­neh­men, Micro­blog­ging aus dem Unter­neh­men und neben­her twit­ter­ten alle fröh­lich. Und fast als deut­lichs­tes Zei­chen, dass Twit­ter etwas beson­de­res ist, schrei­ben viele Teil­neh­mer ihre Twitter-​Namen unauf­ge­for­dert auf die Stoff-​Tischdecken in der Lounge.

Inter­na­tio­na­li­sie­rung von Websites

Zwei Mit­ar­bei­ter von Gru­ner & Jahr stell­ten dann ihre Stra­te­gie bei der Ein­füh­rung von Web­ans­ge­bo­ten in ande­ren Län­der vor. Als Bei­spiel diente das inter­na­tio­nale Ange­bit von eltern​.de – Alle Arti­kel der deut­schen Redak­tion lie­gen in einer Daten­bank ihrer „White Label Com­mu­nity Plat­form“ zusam­men mit Abstracts in den ver­schie­de­nen Spra­chen. Erst wenn dann zum Bei­spiel die spa­ni­sche Web­site einen sol­chen Arti­kel haben will, wird er kom­plett übersetzt.

Auch tech­nisch ist der Ansatz ein zen­tra­lis­ti­scher: G+J sucht sich Pro­jekt­part­ner vor Ort und stellt ihnen den Zugang zur White Label Com­mu­nity Plat­form und eine eigene Prä­senz mit EZPublish zur Ver­fü­gung. An die­ser Prä­senz kön­nen die Län­der­grup­pen nur das Lay­out per CSS ändern. Funk­tio­nale Ände­run­gen müs­sen immer bei der Zen­trale ange­for­dert wer­den. Das ver­lang­samt den Anpas­sungs­pro­zeß, ermög­licht aber eine bes­sere Übersicht.

Inter­es­sant war die Erkennt­nis, dass Babys sich gene­rell nicht unter­schei­den. Es ging dabei um eine zen­trale Bil­der­da­ten­bank und es war schwie­rig, schwan­gere Frauen, Paare und Babys ein­deu­tig Län­dern zuzu­ord­nen. Eine Tat­sa­che, die offen­bar nicht nur das Publi­kum erstaunte, son­dern auch bei den Län­der­grup­pen einige Über­zeu­gungs­ar­beit gekos­tet hat.

Ein Teil­neh­mer von Mixxt steu­erte den Tipp bei, den Län­der­grup­pen zwar nicht zu viel Frei­hei­ten zu geben, aber ihnen den Aus­tausch zu ermög­li­chen. Dazu gehörte bei Mixxt wohl auch, dass jeder Mit­ar­bei­ter zwei­mal am Tag twit­tern müsse – so wie man sich in einer nor­ma­len Firma auch min­des­tens zwei­mal am Tag begeg­nen würde: Mit­tags in der Kan­tine und zum Feierabend.

Inno­va­tion durch Urheberrecht

Auch hier war der Raum wie­der viel zu klein und ich habe nur einige Minu­ten von der Tür aus zuge­hört, wie jemand von ciiju​.de deren lega­ler Musik-​Sharing-​Community vor­stellte. Ich hatte dann aber keine Lust mehr zu ste­hen und habe mir eine Aus­zeit genommen.

Com­pu­ter Fach­bü­cher schreiben

Der Vor­trag von Cars­ten Möhrke sollte jedem, der mit dem Gedan­ken gespielt hat, ein Fach­buch zu einem Com­pu­ter­thema zu schrei­ben, in den Kaf­fee gespuckt haben: Es ist ein Höl­len­job für wenig Geld. Wenn man danach nicht jede Menge Geld extra durch höhere Consulting-​Preise und bezahlte Vor­träge in Aus­sicht hat, sollte tun­lichst die Fin­ger davon lassen.

Wer es aber den­noch tun will, sollte sich über­le­gen wel­cher Ver­lag am bes­ten passt und ein­fach mal dort anru­fen. Die Ver­lage haben offen­bar ein gutes Sys­tem, die Auto­ren zu führen.

Der Selbst­ver­lag bringt weni­ger Renom­mee und wer sich nicht selbst um den Ver­trieb küm­mert, wird damit auch noch weni­ger verdienen.

Kat­zen­con­tent

Auf viel­fa­chen Tipp, bin ich dann zur Ses­sion über Kat­zen­con­tent gegan­gen. Das war die Ses­sion der ande­ren Art. Sven Diet­rich erklärte:

Das Inter­net besteht zu 75% aus Kat­zen­bil­dern, 20% komi­schen Geschich­ten um andere damit zu beein­dru­cken, 3% Porno und 2% nütz­li­chen Informationen.“

Die fol­gen­den 30 Minu­ten waren eine grandios-​lustige Reise durch die Geschichte des Kat­zen­con­t­ents. Ich war schon auf Comedy-​Veranstaltungen, auf denen ich weni­ger gelacht habe. Schön, dass auch für so etwas Platz auf einem Bar­Camp ist – so viel Platz sogar, dass Sven den größ­ten Raum fül­len konnte.

Wikis im Einsatz

Die Ses­sion zu Wikis im Ein­satz ging ein wenig in tech­ni­schen Pro­ble­men unter. Wir haben dann ein­fach über die Vor– und Nach­teile ver­schie­de­ner Sys­teme, unsere Erfah­run­gen in bestimm­ten Ein­satz­fäl­len berich­tet und uns gegen­sei­tig Tipp gegeben.

Power­point Karaoke

Zum Abschluss des Sams­tags gabs Jever und Power­point Karaoke – Bei der Power­point Karaoke bekommt man eine zufäl­lig aus dem Inter­net her­un­ter­ge­la­dene Power­point Prä­sen­ta­tion zuge­teilt und soll dann unter Zeit­druck und idea­ler­weise Alko­hol­ein­fluß einen Impuls­vor­trag dazu hal­ten. Am bes­ten klappte das bei Malte zum Thema „Sci­ence Fic­tion Filme der 50er Jahre“ – auch wenn er nicht alle 116 Folien durch­hielt, schaffte er es die Geschichte eines typi­schen Star­tUps mit der Science-​Fiction-​Metapher zu erläutern.

Sonn­tag

Auch der Sonn­tag begann mit Früh­stück und dann mit der Vor­stel­lung der Ses­si­ons – die ins­ge­samt fast noch inter­es­san­ter waren als am Samstag.

Con­ver­sion Steigerung

Mei­nen Ein­stieg hatte ich bei „Con­ver­sion Steigerung“ – 2 Mit­ar­bei­ter vom Baur Ver­sand erklär­ten, wie sie ver­schie­dene Ver­sio­nen des Shop tes­ten und Ver­än­de­run­gen im Bestell­ver­hal­ten ana­ly­sie­ren. Ich habe dabei einige Begriffe auf­ge­schnappt, die ich in nächs­ter Zeit mal recher­chie­ren werde. (Folien, .pdf)

It‘s the People Stupid!

Der Unter­ti­tel die­ser Ver­stal­tung lau­tete: „Warum das Web für Unter­neh­men ein dunk­ler Wald ist.“ (Ein Spaß­vo­gel erwei­terte das Thema auf: „Warum das Web für Unter­neh­men ein dunk­ler­Wald mit Kat­zen ist.“) Dabei ging es im wei­tes­ten Sinne darum, dass viele Unter­neh­men noch nicht ver­stan­den haben, was das Inter­net wirk­lich ist und es nicht akzep­tie­ren kön­nen, dass dort über sie in unkon­trol­lier­ter Form öffent­lich gespro­chen wird.

Vor allem nutzt das kaum ein Unter­neh­men für sich: Was heute „Vira­les Mar­ke­ting“ heißt, war frü­her Mund­pro­pa­ganda und viele Unter­neh­men ver­wech­seln das Her­um­schi­cken von lus­ti­gen Wer­be­clips mit vira­lem Mar­ke­ting oder gar mit Kundenkommunkation.

Wäh­rend frü­her der Bäcker an der Ecke aus per­sön­li­chen Gesprä­chen mit sei­nen Kun­den eine ganze Menge über sie wußte und sei­nen Ser­vice dann dar­auf aus­rich­ten konnte, haben heute viele – gerade große – Unter­neh­men das Pro­blem, dass sie nicht mit ihren Kun­den reden: Sie spre­chen zu ihnen. Und das funk­tio­niert genauso wenig, wie man auch nicht „zu“ jeman­dem Fuß­ball spie­len kann, son­dern nur „mit“ ihm. Ein­drucks­voll bewie­sen wurde diese These in der Ses­sion von T-​Mobile: Hier hat das Unter­neh­men zuge­las­sen, dass ein­zelne Kunde mit ihm spricht. Und hat dort mal den ehr­li­chen Sound der Straße auf die Ohren bekommen.

Micro­blog­ging im Unternehmen

Hier gab es inter­es­sante Ein­bli­cke in den Umgang mit Micro­blog­ging zum Bei­spiel be Core­me­dia – 60% weni­ger E-​Mails durch ein inter­nes Micro­blog­ging (Trillr) und Blog­ging zei­gen IMHO deut­lich das Poten­zial, dass die Nut­zung ver­schie­de­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­näle für unter­schied­li­che Arten von Infor­ma­tion hat: Wer ein­mal twit­tert: „Liebe Kol­le­gen gedul­det euch – meine Prä­sen­ta­tion ist fast fer­tig.“ Wird nicht stän­dig ange­ru­fen oder ange­mailt und kann ent­spre­chend unge­stör­ter arbei­ten, wäh­rend die Kol­le­gen beru­higt sind und wis­sen, dass es voran geht.

Blog­ging Evolution

Bei die­ser Ses­sion, ging es im wesent­lich klei­ne­ren Kreis darum, wie man das Blog­ging wei­ter­ent­wi­ckeln könnte. Ben­ja­min Bir­ken­hake stellte seine Ideen dazu zur Dis­kus­sion. Das war ein inter­es­san­tes Brain­stor­ming, dass nicht auf Blog­ging, son­dern auf dass Ver­öf­fent­li­chen von Con­tent all­ge­mein genauso gut passte. Es ist ein wenig schwer, all die Ideen hier kurz zusam­men­zu­fas­sen. Es waren dann auch mehr Ideen-​Rümpfe, denen viel­leicht noch Hand und Fuß fehlte. Aber es ist immer gut ein wenig vor­aus zu spin­nen, um auf gute Ideen zu kom­men. Mir hat es sehr gut gefallen.

Tja – und dann kam die unsäg­li­che G1-​Session. Die Jungs tun mir immer noch leid.

Fazit

Her­vor­ra­gende Orga­ni­sia­tion – es fehlte an nichts. Eher im Gegen­teil: das viele unglaub­lich leckere Essen zwi­schen den Ses­si­ons hat mich fast überfordert.

Tolle Ses­si­ons: Groß­ar­tig zu sehen, wie sich so viele Leute aktiv in die Gestal­tung des Wochen­en­des ein­brin­gen. Da es für mich das erste Bar­Camp war, habe ich mich noch etwas zurück­ge­hal­ten und mich mehr in Dis­kus­sio­nen ein­ge­bracht. Beim nächs­ten Ter­min über­lege ich mich mal ein Thema für eine kleine Runde.

Nette Leute: Ich habe einige sehr nette Leute ken­nen­ge­lernt, die ich vor­her gar nicht, oder nur vom Blog-​lesen kannte. Außer­dem habe ich unge­fähr 20 neue Fol­lo­wer bei Twit­ter und 3 neue Kon­takte bei Xing.

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Kommentare

  • Danke

    gravatar
    ben_

    24. Nov 2008

    Vie­len Dank für das nette Lob, die ehr­li­che Kri­tik und v.a. die inspi­rie­rende Mit­ar­beit in der Session.

    Neben­bei: Habe seit fast zwei Jah­ren Kaf­fee­ringe als Desk­to­phin­ter­grund und hatte sogar mal ein Word­press­theme mit Kaff­e­fle­cken. Macht mehr Kaff­e­fle­cke ins Netz!

    ornament
  • Danke

    gravatar
    Sven

    25. Nov 2008

    Sehr schö­nes Feed­back — freut mich, dass die Ses­sion gefal­len hat.

    ornament

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