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The Long Tail

Basiswissen Web 2.0The Long Tail

Donnerstag, 31. Juli 2008

„Ein Anti-​Quietsch-​Mittel für ein Olds­mo­bile 98 Regency Bau­jahr ‚75? Da haben Sie Glück – ich hab davon noch ein ganz klein Döschen da.“ So ein Glück muss man erst ein­mal haben, wenn man an eine Tank­stelle mit­ten im Spes­sart danach fragt. Wer sol­che Nischen­pro­dukte anbie­tet, zielt auf die Kund­schaft abseits des Main­streams – den „Long Tail“.

In der Theo­rie des „Long Tail“ beschrieb der Jour­na­list Chris Ander­son im Jahr 2004, dass ein Anbie­ter im Inter­net durch eine große Anzahl an Nischen­pro­duk­ten Gewinn machen kann:

Die­ser Effekt trifft ins­be­son­dere für den Musik– und Bücher­ver­kauf zu, wo sel­ten ver­kaufte Titel in einem kon­ven­tio­nel­lem Ver­kaufs­ge­schäft zu hohe Kos­ten ver­ur­sa­chen wür­den. – The Long Tail, Wiki­pe­dia

Im Gegen­satz zu einem nor­ma­len Geschäft ist im Inter­net­han­del die Lager­flä­che oft wesent­lich bil­li­ger, weil er keine Rück­sicht auf die güns­tige Lage zum Kun­den (Fuß­gän­ger­zone, Ein­kaufs­zen­trum o.ä.) neh­men müs­sen. Dadurch kön­nen in grö­ße­ren Lagern mehr Waren lie­gen und auf ihre Käu­fer war­ten. Gleich­zei­tig sind diese Pro­dukte über Such­ma­schi­nen ein­fa­cher zu fin­den als in einem nor­ma­len Geschäft.

Nach der Theo­rie sind die Kun­den außer­halb des Inter­nets oft gezwun­gen, das zu kau­fen, was man ihnen anbie­tet, wäh­rend sie sich im Inter­net ihr pas­sen­des Pro­dukt selbst suchen können.

Das klingt ein­leuch­tend und neben Buch– und Musik­händ­lern tum­meln sich immer mehr Anbie­ter im Bereich des „Long Tail“: Anders las­sen sich Ange­bote für indi­vi­dua­li­sier­ten Tee oder Kaf­fee, bzw. Müsli nicht erklären.

Alles gar nicht wahr?

Eine aktu­elle Stu­die des Har­vard Busi­ness Review hat nun her­aus­ge­fun­den, dass kein Abwan­dern der Kund­schaft vom Main­stream zu Nischen­pro­duk­ten zu beob­ach­ten ist. Die „Nischen“ im Inter­net seien dem­nach nicht grö­ßer als offline.

Zukunfts­mu­sik

Sicher ist es ein­fach, im Inter­net einen Shop zu eröff­nen und „geplos­terte Uni­ver­sal­per­fon­s­a­to­ren“ anzu­bie­ten. Und sicher ist die­ses Ange­bot auf die glei­che Weise auf­find­bar wie der neue Harry Pot­ter. Aber zum Einen gibt es immer noch ein gro­ßes Mis­trauen gegen­über dem Online-​Einkauf, das gerade bei klei­nen, unbe­kann­ten Shops natür­lich auch ange­bracht ist. Zum Ande­ren müs­sen sich die Kun­den erst ein­mal daran gewöh­nen, dass sie tat­säch­lich jeden noch so abwe­gi­gen Wunsch vom Inter­net erfüllt bekom­men können.

Die meis­ten Men­schen nut­zen schon die kos­ten­lo­sen Ange­bote im Inter­net nur wenig – warum sollte das bei kos­ten­pflich­ti­gen Ange­bo­ten anders sein?

Illus­tra­tion: Hay Kra­nen /​PD. „Der „Long Tail“, in der Gra­fik gelb ein­ge­färbt, ähnelt einem lan­gen Schwanz. Auf der Y-​Achse ist die Anzahl der Ver­käufe und auf der X-​Achse sind die Pro­dukte nach Rei­hen­folge ihrer Ver­kaufs­sta­tis­tik auf­ge­lis­tet.

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Kommentare

  • Anders lassen sich Angebote...erklären

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    Dennis Erdmann

    31. Jul 2008

    Und wie las­sen sich All­my­tea und Co. dann erklären?

    Ist die Theo­rie denn nur aufs Netz anzu­wen­den? Im Real Life würde ich soet­was Fach­ge­schäft nen­nen, aber dann wäre Long Tail ja ein alter Hut.

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  • Fachgeschäfte

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    Steffen Voß

    31. Jul 2008

    Natür­lich gab es vor­her auch schon Geschäfte für Nischen­pro­dukte — die aber gab es nicht über­all. Und wenn bei Dir in der Stadt kein Spezial-​Müsli-​Laden war, dann muss­test Du das Müsli essen, das Aldi für Dich aus­ge­sucht hat. Die Inter­net­an­bie­ter aber haben damit die Chance eine viel grö­ßere Kund­schaft anzu­spre­chen und nicht nur die paar Müs­li­fres­ser in einer Stadt.

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  • Anders lassen sich Angebote...erklären

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    Dennis Erdmann

    31. Jul 2008

    Viel­leicht hat dem Satz auch ein­fach nur ein „nicht erklä­ren“ gefehlt. Also sind Mymu­esli und Co. doch Anbie­ter im Bereich des „Long Tail“.

    Aber geht man mal weg von die­sen „auf die Wün­sche des Kun­den aus­ge­rich­te­ten Pro­dukte“, dann ist doch die Theo­rie des schlechts­or­tier­ten Musik– und Buch­han­dels längst Geschichte.
    Ich kaufe meine Musik und Bücher online, weil ich nicht in den Han­del gehen will. Bei Nischen­pro­duk­ten macht der Han­del nichts ande­res, als ich. Er bestellt online.

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  • Tippfehler

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    Steffen Voß

    31. Jul 2008

    Ein ver­ges­se­nes Wort ist schon ärger­lich, wenn das Wort den Satz dann aber auch noch logisch ent­stellt, isses rich­tig blöd. Klar, fehlte das „nicht“. ;-)

    Wenn „Bücher Schmidt“ ohne­hin bestel­len muss, kann ich das auch gleich selbst machen. Ich stö­ber aber gerne ich Läden. Wenn ich mal irgend­was Neues zu lesen suche, habe ich noch nie bei Ama­zon „gestö­bert“. Das geht online ein­fach nicht.

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  • Noch mehr Long-Tail

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    Steffen

    02. Aug 2008

    http://​www​.etsy​.com/ Kaufe und Ver­kaufe Handgemachtes.

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