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ComputerspieleeSport im Allgemeinen und im TV

 

Donnerstag, 19. April 2007

eSport, elek­tro­ni­scher Sport also, fin­det immer dann statt, wenn min­des­tens 2 Men­schen gegen­ein­an­der ein Com­pu­ter­spiel spie­len. Das kann man dann im Inter­net machen oder man geht zu Gross­ver­an­stal­tun­gen mit meh­re­ren 100 Spie­lern. Doch nicht nur Chor­sin­gen macht Freu(n)de und Sport im Ver­ein am meis­ten Spass — auch die eSport­ler tun sich in Mann­schaf­ten zusam­men. Die Teams nennt man dann „Clans“ — Entsprechend mar­tia­lisch auch der Name für die Matches: „ClanWar“

Diese Nomen Kla­tura stammt noch aus den fins­te­ren Zei­ten der Szene, als vor allem in Spie­len wie „Doom“ und „Quake“ gegen­ein­an­der ange­tre­ten wurde. Die meis­ten Clans heis­sen ent­spre­chend auch nicht „SV Hin­ter­tupf­in­gen“ oder „SpVgg Mannstadt-​Werdelsbach“, son­dern „Ger­man Attack Force“ und „Sni­per Elite Squad“ — die meis­ten Namen sind echt pein­lich. Das erklärt sich aber oft durch das junge Alter der Grün­der. Mit 14 schmeisst man ein­fach die gefähr­lichs­ten 3 eng­li­schen Wör­ter zusam­men, die man kennt und fer­tig ist der Clan­name. Dass man bei der „Ger­man Attack Force“ dann nicht „Mar­vin Spit­zin­ski“ oder so heis­sen kann, erklärt die Ver­wen­dung der soge­nann­ten Nick­na­mes (Spitz­na­men), die sich jeder Spie­ler selbst aus­sucht. Beliebte Nick­na­mes müs­sen schon beim Lesen Ein­druck beim Geg­ner hin­ter­las­sen. Mar­vin könnte sich zum Bei­spiel gut „Psy­cho“ nen­nen oder “Dr. Death“. Bei Spie­lern von Stra­te­gie­spie­len, sind lei­der auf die Namen der Gene­räle aus dem zwei­ten Welt­krieg sehr beliebt: Platz 1. Rom­mel, Platz von Man­stein.

Sobald die Spie­ler ein gewis­ses Alter erreicht haben, wird diese Kon­ven­tion iro­nisch gebro­chen. Man siehe nur den Name, den mein Clan hat „Gott bin ich blöd-​Clan“ und den ich mir dort geben: „ArschMitOhren“ — Man nimmt die ganze Sache nicht so ernst, glaubt nicht an eine pro­fes­sio­nelle eSport-​Karriere (pro­Ga­mer) und zeigt das auch nach aus­sen. Für die Ger­man Attack Force wäre es bestimmt auch ziem­lich schlimm, wenn die von einem Hau­fen besiegt wer­den, der sich so offen zur eige­nen Blöd­heit bekennt. ;-)

Mitt­ler­weile hat die Szene viele tau­send Mit­glie­der in Deutsch­land und mit NBC-​Giga sogar einen eige­nen Halb­tags­fern­seh­sen­der, so dass sich viele Akti­vi­tä­ten aus dem Inter­net ins soge­nannte Real Life ver­le­gen: Die ESL (elec­tro­nic sports league) — eine der gröss­ten euro­päi­schen Ligen für Online-​Gamer — ver­an­stal­tet in ganz Deutsch­land regel­mäs­sig öffent­lich zugäng­li­che Finale mit durch­aus wach­sen­der Beliebt­heit beim Publi­kum. Dazu gibt es TShirt-​Internethändler, die spe­zi­ell für diese Ziel­gruppe eigene Kla­mot­ten anbie­tet, die vor allem mit den Insi­gnien der Onli­ne­welt spielt. Wenn Dr. Death dann Psy­cho auf dem Weg zur Schule trifft, kön­nen diese sich gegen­sei­tig schon zum Bei­spiel an dem Auf­druck „STFU“ auf der Brust als Gamer erken­nen. STFU ist eine gän­gige Abkür­zung, die vor allem in Chats und Foren benutzt wird und „Shut the Fuck up“ (Halt die Schnauze) bedeu­tet. Von die­sen Abkür­zun­gen gibt es jede Menge und man sollte ein paar davon ken­nen, wenn man sich ver­nünf­tig im Inter­net unter­hal­ten will.

Diese Ent­wick­lun­gen wur­den von den „nor­ma­len“ Medien eigent­lich über­haupt nur dann reflek­tiert, wenn man die Online­spiele als Sün­den­bock für Schü­ler­mas­sa­ker benut­zen konnte. Mein per­sön­li­ches Schlüs­sel­er­leb­nis mit die­ser Art Bericht­er­stat­tung hatte ich im Zusam­men­hang mit einem Arti­kel in der FAZ, wel­cher am Tag nach dem Mas­sa­ker in Erfurt erschien. Die Über­schrift: „Soft­ware fürs Mas­sa­ker“. (Die­ser Arti­kel ist lei­der der ein­zige zum Thema, der bei der FAZ nicht mehr online abruf­bar ist) In Bild­zei­tungs­grösse gehör­ten zu dem Text voll inhalt­li­cher Feh­ler ein paar Screen­shot aus dem Spiel Coun­ter­strike, wie sie in dem Spiel nie­mals erge­ben wür­den. Zum Bei­spiel stand der Spie­ler einer Gruppe von 5 oder 6 Geg­nern gegen­über. Nun scheint es so, als ob man hier mit der Waffe nur wahl­los in die Menge hal­ten muss, um mög­lichst viel Blut zu sehen. Fakt war aber, dass diese Szene gestellt war: Die 5 oder 6 Figu­ren waren aus dem eige­nen Team und so ein Bild kann man nur bekom­men, indem man mit dem Team zusam­men vom Start­punkt los­läuft und sich dann zu den hin­ter einem lau­fen­den Spie­lern umdreht. Ein Sturm der Ent­rüs­tung ging durch die Szene und die FAZ–Home­page war durch das hohe Auf­kom­men im Forum den gan­zen Tag prak­tisch nicht zu errei­chen. In einem direk­ten Gespräch, auf das sich FAZ–Her­aus­ge­ber Frank Schir­ma­cher mit aus­ge­wähl­ten Online­spie­lern ein­liess, wur­den keine Feh­ler zuge­ge­ben. Die Redak­tion einer Com­pu­ter­zeit­schrift, bei denen die FAZ–Redak­teure ihre Fotos bekom­men hat­ten, erklär­ten spä­ter sogar noch, dass sie immer wie­der ange­regt wur­den, gegen die Regeln des Spiels auf die Zivi­lis­ten zu schies­sen. Die Frage, die sich mir nun stellt ist: Wenn schon die FAZ mit der Recher­che für ein so ein­fa­ches Thema völ­lig über­for­dert ist — wel­chen Gehalt kön­nen dann die Arti­kel zu kom­ple­xe­ren The­men haben?

Mitt­ler­weile gibt es aber auch etwas neu­tra­lere Bei­spiele für Bericht­er­stat­tung über die Szene:

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