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Braucht es ein Blognetzwerk?

 
Zeitungen

Dienstag, 06. Februar 2007

Blogs müs­sen zur Zeit mit dem Ruf leben, so eine Art Tage­buch im Inter­net zu sein. Für einen gro­ßen Teil vor allem der ame­ri­ka­ni­schen Blogs mag das auch stim­men. Es gibt mitt­ler­weile aber durch­aus respek­ta­ble Blogs, in denen jour­na­lis­tisch geübte Auto­ren zu bestimm­ten Fach­the­men ver­öf­fent­li­chen. Das Pro­blem ist nur: Auf den ers­ten Blick sind schlechte von guten Blogs kaum zu unter­schei­den. Abhilfe und typi­sche Inter­net­lö­sung könnte hier ein Netz­werk sein, das sich in gewis­ser Weise gegen­sei­tig für die Qua­li­tät der Arti­kel ver­bürgt. Unter dem Titel “Braucht es ein Blo­gnetz­werk?“ stellt Chris­tian Schen­kel die Arbeit eines sol­chen Netz­werks in der Schweiz vor.

„Swiss­blog­press ist ein Netz­werk von eta­blier­ten und unab­hän­gi­gen Blogs, die regel­mäs­sig zu bestimm­ten The­men­ge­bie­ten publi­zie­ren. Das Netz­werk unter­stützt die betei­lig­ten Blogs in tech­ni­schen Belan­gen, Rechts­fra­gen, Vermarktung, etc. Swiss­blog­press för­dert die publi­zis­ti­sche Qua­li­tät und damit auch die Glaub­wür­dig­keit von Blogs. Ein wich­ti­ges Ziel von sbp ist die Stei­ge­rung der öffent­li­chen Auf­merk­sam­keit für Blogs. Dazu wirkt sbp als Anlauf­stelle für alle Belange rund ums Blog­gen in der Schweiz.“

So stellt sich das Schwei­zer Netz­werk auf der eige­nen Home­page vor. Es han­delt sich also nicht um ein wei­te­res Blog­ver­zeich­nis, das vor allem auf Voll­stän­dig­keit setzt. Es geht darum, dem Leser eine gewisse Sicher­heit zu geben, dass die Arti­kel in einem Blog von bestimm­ter Qua­li­tät sind.

Die ver­link­ten Blogs schrei­ben zu ganz ver­schie­de­nen The­men: Musik, Medien, Recht, Poli­tik usw. — Jeder Leser wird sich in dem einen oder ande­ren Bereich aus­ken­nen und ein­schät­zen kön­nen, wie gut die Arti­kel sind. Die Arti­kel der ande­ren Blog­ger soll­ten folg­lich ähnlich ver­läss­lich sein.

Und mal ganz ehr­lich: Es mag ihn ja noch geben, den hoch­wer­ti­gen Jour­na­lis­mus, der hin und wie­der den einen oder ande­ren Skan­dal auf­deckt. Wer sich aber zum Bei­spiel die Bericht­er­stat­tung zu Com­pu­ter­spie­len nach dem Amok­lauf in Erfurt ange­guckt hat, musste fest­stel­len, dass der Ruf von jour­na­lis­ti­scher Arbeit offen­bar bes­ser als die Wirk­lich­keit ist. Und wenn selbst in so ein­fa­chen Berei­chen so schlecht gear­bei­tet wird, fragt man sich als Leser, wie schlecht wohl kom­pli­zier­tere The­men bear­bei­tet wer­den.

Die Chance des Inter­nets und der Blog ist die bes­sere Über­wach­bar­keit der Ver­öf­fent­li­chun­gen. Jeder Arti­kel kann kom­men­tiert wer­den. Und wenn unter einem Arti­kel ein Dut­zend Wider­sprü­che ste­hen, wird der Arti­kel wohl nicht sooo gut gewe­sen sein. Auf jeden Fall kann sich der Leser aus der Dis­kus­sion um einen Arti­kel ein wesent­lich bes­se­res Bild machen als bei einem klas­si­schen Zei­tungs­ar­ti­kel.

Ein schö­nes Bei­spiel ist das Bild­blog — hier wer­den jeden Tag all die Feh­ler gesam­melt, die in der Bild­zei­tung ste­hen. Eine gedruckte „Gegen­bild“ wäre wohl kaum denk­bar.

Ich würde mich freuen, wenn es ein ähnli­ches Qua­li­täts­sie­gel wie das der Swiss­blog­press auch in Deutsch­land für mehr Sicher­heit beim Lesen sor­gen würde.

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