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Foto: Steffen Voß Lizenz: CC-by.2.0

TrendsXMPP statt HTTP

Montag, 09. November 2009

XMPP hat bis vor eini­ger Zeit ein Nischen­da­sein als Chat-​Netzwerk „Jab­ber” für Open-​Source Fana­ti­ker gefris­tet: Wäh­rend die coo­len Kids ICQ und Skype benutz­ten, haben die Stu­ben­ho­cker „Jab­ber” benutzt. Mitt­ler­weile aber gibt es immer mehr span­nende Anwen­dun­gen, die auch bis­her nur andeu­ten, was damit alles mög­lich ist. Könnte es viel­leicht am Ende sogar HTTP den Rang ablaufen?

Natür­lich klingt das zunächst komisch: Warum sollte ein Chat Web­sei­ten erset­zen. Aber schauen wir uns an, was in letz­ter Zeit mit XMPP gemacht wurde:

  1. Seit 1999 gibt es XMPP.
  2. Seit 2004 ist XMPP von der IETF standardisiert.
  3. 2005 hat Google XMPP für sei­nen Instant Mes­sa­ging Ser­vice Google Talk auf­ge­rif­fen. Google Talk konnte neben Chats auch schon VoIP.
  4. 2008 star­tet mit identi​.ca ein Open-​Source Twitter-​Clone auf XMPP-​Basis.
  5. 2009 kün­digt Google eine kom­mu­ni­ka­tive Revo­lu­tion an: Google Wave soll E-​Mail mit heu­ti­gen Mit­teln neu erfin­den. Das zugrun­de­lie­gende Google Wave Fede­ra­tion Pro­to­col ist eine Erwei­te­rung von XMPP
  6. Vor eini­gen Tagen heißt es dann auch Face­book stehe kurz davor aus XMPP zu set­zen. Bereits seit 2008 arbeite man an einer Imple­men­tie­rung. Mick­aël Rémond:
    Face­book is pre­pa­ring the launch of their XMPP con­nec­tion inter­face. It means that users will be able to use Face­book with any type of XMPP cli­ents, ran­ging from desk­top to mobile cli­ents.” — process|one

Zwei der momen­tan trei­bende Kräfte in der Internet-​Innovation set­zen mit ihren Pro­duk­ten auf XMPP. Aber warum?

XMPP ist ein XML–basier­tes Pro­to­koll – das bedeu­tet, dass man es sehr ein­fach erwei­tern kann (X = exten­si­ble). Es kön­nen also leicht Erwei­te­run­gen für eigene Anwen­dun­gen ent­wi­ckelt wer­den. Dazu ist es für die Kom­mu­ni­ka­tion im Inter­net ent­wi­ckelt wor­den, wäh­rend HTTP zur Aus­lie­fe­rung von Hyper­tex­ten (Inter­net­sei­ten samt Gra­fi­ken, CSS usw.) ent­wi­ckelt wurde. Natür­lich kann man mitt­ler­weile mit Ajax eine Menge her­aus­ho­len aus HTTP, aber es bleibt letzt­lich immer ein Pro­to­koll zur Aus­lie­fe­rung von Hypertexten.

Bei­spiel „Wave“ mal wie­der

An Google Wave kann man erah­nen, in wel­che Rich­tung es gehen kann. Bis­her hat noch kei­ner her­aus­ge­fun­den, wie man am Bes­ten mit Waves kom­mu­ni­ziert: Es geht irgend­wie als Chat oder Dienst für Kurz­nach­rich­ten. Man kann ein Wave aber auch als gemein­sa­mes Instant-​Wiki benut­zen: Man lädt sich 3 Leute ein. Diese 3 Leute kön­nen nun gemein­sam an einem Text arbei­ten, Bil­der her­ein­zie­hen, Kar­ten anle­gen, par­al­lel dis­ku­tie­ren, eine vierte Per­son hin­zu­ho­len und weiterarbeiten.

Für diese Kol­la­bo­ra­tion benö­tigt man nichts wei­ter als einen Wave-​Account. Das mag zwar im Moment noch eine Hürde sein. Aber stel­len wir uns vor: Jeder, der heute eine E-​Mailadresse hat, habe einen Wave-​Account. Nie­mand musste ein Wiki instal­lie­ren. Nie­mand musste sich um Log­ins und Zugriffs­rechte kümmern.

Facebook-​Freunde als Bud­dies?

In eine ähnli­che Rich­tung könnte auch das gehen, was Face­book jetzt star­ten will: Selbst wenn Face­book nur die eigene Chat-​Funktion über XMPP nach außen öffnen wollte, müsste es mög­lich sein, das eigene Facebook-​Adressbuch im Cli­ent zu nutzen. 

Dann hätte ich die direkte Chat– oder Voice-​Chat Mög­lich­keit nicht nur, weil ich mir die Skype-​Adresse von jeman­dem aus einer Daten­bank kopiert habe oder ihn um den Kon­takt gebe­ten habe – Ich hätte diese Mög­lich­keit allein durch den Kon­takt bei Facebook.

Fazit

In XMPP steckt ein unge­heu­res Poten­tial und es wird eher jeman­den geben, der Web­si­ten per XMPP ver­schickt, als dass die Funk­tio­na­li­tä­ten von XMPP durch HTTP geschleift werden.

Letzt­lich geht es immer wei­ter weg vom„Seiten-Paradigma“ und dahin, Daten abzu­ru­fen: Per Com­pu­ter, per Fern­se­her, Per Mobil­te­le­fon: Viele ver­schie­dene End­ge­räte, die über ver­schie­denste Arten von Soft­ware Daten ver­ar­bei­ten. XMPP könnte dafür das geeig­ne­tere Pro­to­koll sein.

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