kaffeeringe.de - Internet und Kreativität

startseite | archiv | bilder | abonnieren

Foto: MilkaMilchschaum | photocase.com

GenerationengerechtigkeitWir sparen uns alle gegenseitig ein

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Das Jahr 2009 endet mit lauter guten Nachrichten: Endlich bekom­men Fam­i­lien 20,- € mehr, endlich haben ent­fer­nte Ver­wandte mehr von ihrem Erbe und endlich müssen Hote­liers weniger Mehrw­ert­s­teuer zahlen. Gle­ichzeitig wird angekündigt, dass im näch­sten Jahr auch die Arbeit­slosen den Bun­de­shaushalt weniger belas­ten sollen. Das Ziel: Ein aus­geglich­ener Haushalt. Aber wer soll das bezahlen? Max Löf­fler, Sprecher der Grü­nen Jugend, macht sich in der Frank­furter Rund­schau Gedanken zur Gen­er­a­tio­nen­gerechtigkeit.

ornament

Auf dem let­zten Web­Mon­tag gab es einen inter­es­san­ten Gedanken: Ein paar Prozent der Welt­bevolkerung genü­gen heute, um alle Men­schen zu ver­sor­gen. Im Primären Sek­tor in Deutsch­land arbeiten zur Zeit 2,2 Prozent. „Wir Anderen machen irgend­was Anderes. Da kann man mal überlegen, was wir eigentlich machen sollen.“ 

Das, was man heute gerne als „überbor­de­nen Staat“ beze­ich­net, war in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten sicherer Arbeit­ge­ber für Mil­lio­nen. Wer so einen Job hatte, kon­nte sich drauf ver­lassen, dass er nicht alle 2 Jahre umziehen muss, dass er sich eine Fam­i­lie leis­ten kann und dass er auch sein Häuschen abbezahlen kann.

Max Löf­fler schreibt:

Die skan­di­navis­chen Län­der machen seit Jahrzehn­ten vor, wie gut hohe Steuern, soziale Gerechtigkeit und steigen­der Wohl­stand zusam­men­passen. Doch in Deutsch­land ist dieser Weg zum Tabu geworden.“

Steuern wer­den hierzu­lande nur als Last betra­chtet. Man schaut auf seinen Lohnzettel, sieht was man „eigentlich“ bekom­men sollte (Brutto) und was davon übrig bleibt (Netto). Parteien, die ver­sprechen, dass man mehr von dem behal­ten darf, was einem eigentlich zusteht, wer­den gerne gewählt („Mehr Netto vom Brutto“).

Dabei ist der Steuer­an­teil der Anteil, mit dem wir einen wichti­gen Teil unseres angenehmen Lebens bezahlen: Die Polizei sorgt dafür, dass wir sicher über die Straßen laufen kön­nen, der Sozial­staat sorgt dafür, dass nicht die Bar­rikaden bren­nen und das Bil­dungssys­tem sorgt dafür, dass es auch in Zukunft noch schlaue Men­schen gibt, die für uns Steuern zahlen, wenn wir mal nicht mehr können.

Effizien­zwahn 

Steuern kaufen uns das, was wir uns pri­vat nicht kaufen kön­nen: Soziale Sta­bil­ität. Je weniger wir dafür aus­geben, desto weniger bekom­men wir. Im Zusam­men­leben der Men­schen gibt es keinen Effizien­z­fak­tor, den man steigern kann.

Auch die Art und Weise, wie immer wieder an den Priv­i­legien der Poli­tik­erin­nen und Poli­tiker herumkri­tisiert wird, schießt über das Ziel hinaus. Aber selbst der Chefkom­men­ta­tor fast aller schleswig-​holsteinischen Zeitun­gen stellt nicht die Arbeit, son­dern nur die Kosten der Frak­tion­sar­beit im Kieler Land­tag in Frage. Sicher kann und muss man Aus­gaben auch hin­ter­fra­gen — Demokratie hat aber nicht Effizienz als Ziel, son­dern gesellschaftlichen Aus­gle­ich. Und der braucht Zeit und der kostet Geld. Wenn wir uns das nicht mehr leis­ten wollen, regiert wieder der Stärkere.

Wir sparen uns zur Zeit alle gegen­seitig ein. Was aber bleibt am Ende übrig? 

Links

Foto: Milka­Milch­schaum | pho​to​case​.com

Kommentare



  •  
    Gast

    04. Jan 2010

    nur als Randbe­merkung: die Hote­liers haben von der Mehrwertsteuer-​Senkung her­zlich wenig, denn sie führen diesen Prozentsatz ja auch nur an den Staat ab, egal wie hoch die Poli­tiker diesen ansetzt. Und Geschäft­skun­den (ca. 50 Prozent aller Hotel­gäste) wer­den von der Senkung wohl auch wenig prof­i­tieren, son­dern im Zweifels­fall mehr bezahlen müssen. Denn wenn die Hotels ihre Brut­to­preise nicht nach unten kor­rigieren, wird der Net­to­preis für diese um 12 Prozent teuerer.
    Aber was soll´s — Haupt­sache die Poli­tiker tun so, als ob sie etwas tun wür­den und es sieht auf den ersten Blick so aus, als würde irgen­det­was bil­liger wer­den … Bezahlen tut´s ja sowieso irgend­je­mand anders. Später. (siehe die Ressourcen ver­nich­t­ende Umweltver­schmutzung namens „Abwrack­prämie“ etc. pp.)

    ornament
  •  
    gravatar
    Steffen Voß

    04. Jan 2010

    Der Anfang war auch nicht ernst gemeint… ;-)

    ornament

Einen Kommentar hinzufügen





 

Werbefreies Blog

Steffen Voß | Steinstraße 5 | 24118 Kiel
Tel.: +49 431 88 88 683
E-Mail: kontakt@kaffeeringe.de
Skype: steffenvoss
Jabber: kaffeeringe@jabber.ccc.de
ICQ: 447639251