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uomo / photocase.com

WirtschaftWas das iPad mit den Römern zu tun hat

Montag, 05. April 2010

Clay Shirky zieht in “The Col­lapse of Com­plex Busi­ness Mod­els“ eine Par­al­lele zwis­chen Joseph Tain­ters The­o­rie zum Zusam­men­bruch kom­plexer Gesellschaften und dem Prob­lem, das heute Medi­enun­ternehmen durch das Inter­net haben. Sein Fazit: Wenn die Branche nicht flex­i­bler agiert, wird sie unterge­hen. Inter­es­san­ter­weise schlägt Cory Doc­torow mit „Why I won’t buy an iPad (and think you shouldn’t, either)“ in eine ähnliche Kerbe.

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Immer wieder sind in der Ver­gan­gen­heit Hochkul­turen zusam­menge­brochen: Die Mayas oder die Römer ver­fügten bere­its über kom­plexe Gesellschaften — sie kon­nten sich diese Kom­plex­ität leis­ten, weil sie über aus­re­ichend große Men­gen an Ressourcen ver­fügten. Anfänglich sorgt die stärkere Organ­i­sa­tion der Gesellschaft dafür, dass es einen zusät­zlichen gesellschaftlichen Gewinn gibt. Irgend­wann aber wird die Organ­i­sa­tion so kom­plex, dass es keinen Gewinn mehr gibt. Die Organ­i­sa­tion erhält sich nur noch selbst. Wenn es dann zu einem Prob­lem kommt, bricht das Sys­tem zusam­men und hin­ter­lässt Ruinen.

Medi­enun­ternehmen ste­hen jetzt an genau diesem Punkt: Ein hoch aus­ge­feiltes Sys­tem hat in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten Medien auf höch­stem Niveau gener­iert. Qual­ität­sjour­nal­is­mus, Block­buster Filme, Samstag-​Abend-​Shows… Doch dann kam das Inter­net und löste zum Beispiel das Prob­lem der Dis­tri­b­u­tion von Inhal­ten quasi zum Nulltarif.

Clay Shirky erin­nert an die Medien-​Leute, die heute vom klas­sis­chen Paid-​Content sprechen und para­phrasiert ihre Ausagen:

Web users will have to pay for what they watch and use, or else we will have to stop mak­ing con­tent in the costly and com­plex way we have grown accus­tomed to mak­ing it. And we don’t know how to do that.“

Cory Doc­torow sieht genau diese Hoff­nung der Branche, die sich ger­ade auf das iPad stürzt:

it really feels like the sec­ond com­ing of the CDROM „rev­o­lu­tion“ in which „con­tent“ peo­ple pro­claimed that they were going to remake media by pro­duc­ing expen­sive (to make and to buy) products.“

iPad — schön anzuschauen

Das iPad ist ein Gerät zum pas­siven Kon­sum von vorge­fer­tigten Inhal­ten. Es ver­fügt über keinen USB–Anschluss, über den man ein­fach auch eigene Inhalte teilen kön­nte. Man kann nicht ein­fach den MP3–Player eines Fre­un­des anschließen und sich etwas Inter­es­santes vor­spie­len. Es gibt nur zwei Wege: Den Weg durch den App-​Store, in dem Apple kon­trol­liert, was wer anbi­etet und wer wofür wie viel Geld bekommt. Und es gibt den Weg durch das Inter­net. Doch selbst hier ist nicht alles möglich: Kom­plexere Anwen­dun­gen, die im Netz oft per Flash ange­boten wer­den, sind nicht möglich, weil das iPad Flash nicht unter­stützt — ein ein­facher und durch­sichtiger Weg, sich eines Konkur­renten für den App-​Store zu entledigen.

Auf dem iPod ist dieses geschlossene Sys­tem noch nicht aufge­fallen: Ein Gerät zum Abspie­len von Musik — was will man mehr? Auf dem iPhone wurde es schon offen­sichtlicher: Dieses Gerät kann so Vieles, warum kann ich damit nicht machen, was ich will? Warum wird mir durch Apple vorgeschrieben, was ich instal­lieren kann und was nicht?

Jetzt, da das iPad in eine Nis­che zwis­chen Net­books, eBook-​Readern und Smart­phones will, ist es klar: Man hat einen voll­w­er­ti­gen Com­puter in der Hand, mit dem man nur machen kann, was ver­schiedene Fir­men zulassen. Do-​it-​Yourself ist nicht gefragt: Das iPad ver­fügt nicht ein­mal über eine Kam­era und dank des fehlen­den USB–Anschlusses über keine Möglichkeit, Bilder ins Inter­net (Face­book, Flickr) zu bekom­men — der wirk­lich ein­fach­sten Form des Mitmachens.

Das iPad ver­spricht eine Gnaden­frist

Wenn sich jetzt viele Medi­enun­ternehmen begeis­tert auf das iPad stürzen und eigene Apps pro­duzieren, liegt das nicht daran, dass das Gerät so tolle, neue Möglichkeiten bietet, son­dern daran, dass es die alten Geschäftsmod­elle unter­stützt. Als in den 1960er Jahren auf den Diesel­loks kein Heizer mehr gebraucht wurde, fuhr trotz­dem noch ein soge­nan­nter „Beimann“ als zweite Per­son mit — 1996 wurde dieser Job dann ganz abgeschafft.

Foto: uomo /​pho​to​case​.com

Kommentare



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    Der Brüsseler

    06. Apr 2010

    Wird das iPad nicht grandios überbe­w­ertet? Let­ztlich ist es ein schickes Gerät zum ein­fachen kon­sum­ieren von medi­alen Inhal­ten, egal ob Inter­net, Musik, Text oder Film. Für ca. 50 % bis 75 % der Inter­net­nutzer ist das iPad (oder ein inter­net­fähiger Fernse­her) meiner Mei­n­ung nach völ­lig ausreichend.

    Zu und über Flash sag ich nur, dass dies let­ztlich kein Segen son­dern mehr eine Zugangs­bar­riere im Inter­net ist. Daher ist der fehlen­den flash­sup­port beim iPad und iPhone kein großes Manko, ins­beson­dere wenn dies hilft HTML5 als Stan­dard zu etablieren.

    Und was paid con­tent bet­rifft, so glaube ich eher das wir noch am Anfang der Entwick­lung sind. Ich gehe davon aus das sich inbeson­dere „content-​on-​demand“ im Bere­ich der Medien durch­set­zen wird.

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    Steffen Voß

    06. Apr 2010

    Darum geht es ja: Das iPad wird total überbe­w­ertet. Vor allem von der Content-​Industrie, die schon für das iPhone einen überdurch­schnit­tlich hohen Aufwand treibt. Das iPad wird nicht die Ret­tung sein.

    Ich denke aber nicht, dass eine so große Mehrheit der Inter­net­be­nutzer mit einem reinen Paid-​Content-​Betrachter zufrieden wäre. Es gibt doch diese Grafik aus „Groundswell“ (http://​bit​.ly/​b​Ptz8D) nach der ein großer Teil der Inter­net­nutzer irgend­wie aktiv wird und nicht nur kon­sum­iert. Aber mit dem iPad wäre es nicht ein­mal möglich für die „Joiner“ ein Foto von sich anzufer­ti­gen, um es ins Facebook-​Profil hochzu­laden.

    Es eignet sich nicht ein­mal dafür, dass Du Fotos auf das iPad lädtst (geht näm­lich durch den fehlen­den USB-​Anschluss nicht), um sie der Ver­wandtschaft zu zeigen…

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    Der Brüsseler

    06. Apr 2010

    Du kennst doch auch die Studie der Ini­tia­tive D21. 35 % sind „Dig­i­talen Außen­seiter“, weit­ere 30 % sind Gele­gen­heit­snutzer und für die reicht doch das iPad völ­lig aus. Die Trend­nutzer feiern sowieso alles was mit dem ange­bis­se­nen Apfel geschmückt ist und für die con­tent schaf­fende Dig­i­tale Avant­garde ist das iPad höch­stens ‚nen Gad­get für’s Sofa ;-)

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    Hendrik

    06. Apr 2010

    Ich habe am launch day eins in Min­neapo­lis abge­holt (im Auf­trag) und es mal angeguckt. Ohne App Store Account kann das Ding nicht viel. Klar, es ist schnell und das Dis­play gut, aber reicht das?
    Btw: Das Hin­ter­grund­bild ist eine gefakte Langzeitauf­nahme mit Ster­nen­him­mel … ich moechte mal wis­sen wie viele Leute die Streifen im ersten Moment fuer Kratzer gehal­ten haben ;-)

    Ein paar Gedanken zur Flash-​Diskussion: Flash ver­braucht mas­siv CPU. Auf einem PC kann man das schon gut sehen. HTML5 basierende Videos in Safari benoeti­gen deut­lich weniger CPU als deren Flash-​Counterpart (z.B. Youtube).
    Ein bedeutener Vorteil von HTML5 ist, dass man auf Client­seite sehr ein­fach sehen kann was gemacht wird, da der Browser (Safari) das ja selbst inter­pretieren muss.
    Einen Klumpen Flash — bei dem das Browser­modul von einem Drit­ther­steller kommt — zu kon­trol­lieren ist deut­lich schw­erer. Man stelle sich vor jemand baut eine Flash-​Sandbox in der „alles“ laeuft was man benoetigt, ohne bei Apple im Store vor­beizukom­men.

    Wer das Ding kauft sollte auf jeden Fall die $39 Huelle mitkaufen. Inter­es­sant ist auch, dass ich seit dem launch day nur 2 Stueck in freier Wild­bahn (10+ Fluege und Flughae­fen) gese­hen habe. Ama­zon ist mit dem Kin­dle noch deut­lich haeu­figer vertreten.

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    Steffen

    06. Apr 2010

    @Hendrik: Ich bin auch ein großer Fan der neuen Fea­tures in HTML5 — aber man sollte es den Benutzern und den Anbi­etern überlassen, ob sie Flash wollen.

    Hast Du eigentlich nen Kin­dle? Ich hab let­ztens im Flugzeug auch einen gese­hen, ich fands aber komisch. Vielle­icht ist es nur unge­wohnt. Ich finde aber, das schöne am Lesen in einem Buch ist doch, dass man mal kein Gerät angeschal­tet hat. Irgend­wie strahlen elek­trische Geräte immer eine gewis­sen Unruhe aus. Vielle­icht ist das aber im Flugzeug auch egal ;-)

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    Jörg

    08. Apr 2010

    Dazu passt der heutige Heise-​Artikel: http://​www​.heise​.de/​n​e​w​s​t​i​c​k​e​r​/​m​e​l​d​u​n​g​/​S​p​r​i​n​g​e​r​-​C​h​e​f​-​B​e​t​e​n​-​u​n​d​-​S​t​e​v​e​-​J​o​b​s​-​d​a​n​k​e​n​-​9​7​3​6​7​3​.html

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