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London in Schwarz/Weiß

OpenStreetMapFreie Karten für freie Bürger

Mittwoch, 19. September 2007

Wiki­pe­dia ist das große Vor­bild: Ein Online-​Lexikon für das tau­sende von Benut­zern Mil­lio­nen von Arti­keln geschrie­ben haben, die zumin­dest nach Ein­schät­zung eini­ger Exper­ten zum Teil die Qua­li­tät von gedruck­ten Wer­ken erreicht. Das Open­Street­Map Pro­jekt hat vor, die­sen Erfolg auf digi­tale Kar­ten zu übertragen.

Geo­in­for­ma­tion gilt als die Zukunfts­techo­lo­gie neben der Bio­tech­no­lo­gie. 80% aller Daten, mit denen wir täg­lich zu tun haben, ver­fü­gen über Raum­be­zug. Und sei es nur die gute alte Postadresse.

GI-​Markt in Bewe­gung
Seit Google mit sei­nem Kar­ten­an­ge­bot im Inter­net auf­ge­tre­ten ist, hat sich eini­ges getan: Zum Einen kann dank der Google Maps API inzwi­schen jeder kos­ten­los eigene Kar­ten­an­wen­dun­gen erstel­len, zum Ande­ren sind mit Yahoo und Micro­soft Googles Mit­be­wer­ber nach­ge­zo­gen und bie­ten ähnli­che Dienste mit immer neuen Funk­tio­nen an. Ein Ange­bot über­trumpft das ande­ren.

Für den Benut­zer bleibt aber die bange Frage: Was pas­siert, wenn der Dienst plötz­lich in einer Art geän­dert wird, der nicht mehr zu mei­nem Ange­bot passt? Google behält sich zum Bei­spiel vor, in Zukunft Wer­bung in den Kar­ten ein­zu­blen­den.

Außer­dem gibt es keine Mög­lich­keit, Feh­ler in den Kar­ten zu kor­ri­gie­ren. Das Geo­gra­phi­sche Insti­tut der Uni Kiel befin­det sich zum Bei­spiel in der Ludewig-​Meyn Straße — bei Google Maps heisst die Straße aber Lutewig-​Mey Weg. Für Weg­wei­sun­gen ist das ein wenig pein­lich. Sol­che Feh­ler wer­den von den Kar­ten­her­stel­lern oft absicht­lich ein­ge­baut, um so Pla­giate auf­flie­gen las­sen zu kön­nen.

Open Source Kar­ten
Das OpenStreetMap-​Projekt will mit geball­ter Kraft der Online-​Community Abhilfe schaf­fen und zum ers­ten Mal eine digi­tale Kar­ten­grund­lage erstel­len, die jeder völ­lig frei und kos­ten­los benut­zen kann — egal ob für den Anfahrt­plan zur Party oder für die Her­aus­gabe eines Atlas­ses.

Die Daten dafür erstel­len Men­schen wie Du und Ich: Geeig­nete GPS–Geräte kann man mitt­ler­weile ab 100.- EUR erwer­ben. Dann muss man es nur auf den nächs­ten Spa­zier­gang mit­neh­men und schon hat man die nöti­gen Koor­di­na­ten. Über einen sehr ein­fach gehal­te­nes Pro­gramm, das auf jedem Rech­ner lau­fen sollte, kann man nun aus den Stre­cken Stra­ßen, Wege, Flüsse, Seen und vie­les mehr digi­ta­li­sie­ren.

Neben der Methode, mit dem GPS–Gerät durch die Gegend zu mar­schie­ren, gibt es auch die Mög­lich­keit von Luft­bil­dern zu digi­ta­li­sie­ren — Dazu sollte man aller­dings nur sol­che Fotos neh­men, zu denen man die vol­len Nut­zungs­rechte hat. Yahoo hat sich zum Bei­spiel bereit­er­klärt, dass deren Luft­bild­ma­te­rial für OSM genutzt wer­den kann. Dar­aus sind zum Bei­spiel die ers­ten, öffent­lich ver­füg­ba­ren digi­ta­len Kar­ten von Bag­dad ent­stan­den. Zur Regie­rungs­zeit Sad­dam Husseins war die nicht-​staatliche Erstel­lung von Kar­ten nicht erlaubt.

Ange­rei­cherte Daten
Neben den puren Stra­ßen­da­ten kön­nen vie­ler­lei zusätz­li­cher Infor­ma­tio­nen gespei­chert und zur Ver­fü­gung gestellt wer­den: Post­käs­ten, Super­märkte, Knei­pen sind gar kein Pro­blem — es ist aber auch mög­lich den Stra­ßen Attri­bute zuzu­wei­sen — zum Bei­spiel die Fahrt­rich­tung bei Ein­bahn­stra­ßen, Geschin­dig­keits­be­schrän­kun­gen oder Ampeln.

Und dann?
Alle Daten kön­nen als XML–Datei her­un­ter­ge­la­den wer­den. Ent­we­der kom­plett oder als Teil­aus­schnitt für einen bestimm­ten Bereich. Für Deutsch­land sind das gepackt etwa 40MB Daten, die alle unter Crea­tive Com­mons Attribution-​ShareAlike 2.0 Lizenz ste­hen. Das heisst, jeder kann die Daten kopie­ren, bear­bei­ten und wei­ter­ge­ben — aber nur unter der Bedin­gung, dass auf die Quelle hin­ge­wie­sen wird und dass geän­derte Daten unter den glei­chen Bedin­gun­gen wei­ter­ge­ge­ben wer­den.

Links:
open​street​map​.org
OSM Wiki, mehr Infos
Yahoo Luft­bil­der
Inter­view mit Jochen Topf zu Open­Street­Map (Video)
Crea­tive Com­mons Attribution-​ShareAlike 2.0

Kommentare

  • omdb.org

    gravatar
    steffi

    29. Sep 2007

    und für alle cine­as­ten und film­freaks: www​.omdb​.org macht das ganze für filme :)

    liebe grüße aus ber­lin
    steffi

    ornament
  • gravatar
    KBreker

    25. Feb 2010

    Lus­tig, bin gerade sel­ber über die Dis­kre­pan­zen bei der Ludewig‐​Meyn Straße gestolpert.

    Ich sollte mich beim Anle­gen von Akten eher auf den amt­li­chen Stadt­plan verlassen. ;-)

    ornament

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