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pixelputze / photocase.com

Jugend & GesellschaftNazis find ich persönlich ja doch eher uncool

Donnerstag, 08. April 2010

Schon ein paar Jahre alt ist die Aus­wer­tung einer Stu­die, in der das deutsch-​österreichische Trend­for­schungs­un­ter­neh­men tfac­tory, jugend­li­che „Opi­nion Lea­der“ zu ihren Wer­ten befragte. Her­aus­ge­kom­men ist dabei das Bild von einer Gene­ra­tion, die seit Jahr­zehn­ten zu einem Des­in­ter­esse an gesell­schaft­li­chen Zusam­men­hän­gen erzo­gen wurde. Die­ser Befund spie­gelt sich in einem ero­die­ren­den Ver­trauen in Orga­ni­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen und einem geleb­ten Prag­ma­tis­mus. Fatal ist das für eine Gesell­schaft, wenn der Nach­wuchs in Par­teien und Orga­ni­sa­tio­nen wegbleibt.

Seit den 1980er Jah­ren wach­sen Jugend­li­che mit drei Grund­re­geln auf, beschreibt Bern­hard Heinzl­maier von tfac­tory in „Jugend unter Druck“:

Ers­tens: Nütze deine Jugend, um dich für den Kon­kur­renz­kampf in der Leis­tungs­ge­sell­schaft ‚hochzurüsten‘.

Zwei­tens: Es geht dir umso bes­ser im Leben, je mehr mate­ri­elle Güter du kon­su­mie­ren und je mehr inten­sive Erleb­nisse du dadurch haben kannst.

Und drit­tens: Werte sind eine per­sön­li­che Ange­le­gen­heit, jeder hat seine eige­nen, jeder hat andere.“

Dar­aus ergäbe sich ein „als Libe­ra­lis­mus getarn­ter Prag­ma­tis­mus“, den man über­all wie­der­fin­den könnte und der sich paart mit einem Indi­vi­dua­lis­mus, der keine Anschluss­mög­lich­kei­ten an gesell­schaft­li­che Insti­tu­tio­nen zulasse:

Enga­ge­ment in der Poli­tik kommt [für Jugend­li­che] nicht in Frage, weil ihr Anse­hen stark dis­kre­di­tiert ist, sie damit wenig Sta­tus­wert besitzt und weil sie, obwohl ihre eigene Pra­xis dem wider­spricht, noch immer mit dem öffent­li­chen Ein­tre­ten für eine Idee, eine Welt­an­schau­ung ver­bun­den wird. Dem Enga­ge­ment in der Poli­tik oder ande­ren Ein­rich­tun­gen des gesell­schaft­li­chen Lebens steht das starke Bedürf­nis nach ideo­lo­gi­scher Bin­dungs­lo­sig­keit, nach demons­tra­ti­ver Indif­fe­renz, nach öffent­li­cher Neu­tra­li­tät, der soge­nannte Prag­ma­tis­mus ent­ge­gen. Vor­bil­der wer­den zurück­ge­wie­sen, da sie dazu zwin­gen könn­ten, über die eigene Posi­tion in der Welt, über den eige­nen Lebens­ent­wurf ver­glei­chend zu reflek­tie­ren. Eine sol­che Refle­xion kommt aber für einen Men­schen­ty­pus, dem man beige­bracht hat, die Sinn­fra­gen zu scheuen wie der Teu­fel das Weih­was­ser, der einem prag­ma­ti­schen Mate­ria­lis­mus ohne dem Über­bau einer Welt­an­schau­ung hul­digt, nicht in Frage.“ — „Jugend unter Druck

Wer etwas aus sich machen will, geht in die Wirt­schaft — denn dort wer­den nach Mei­nung der Befrag­ten in der Stu­die die wah­ren Ent­schei­dun­gen getrof­fen. Gesell­schaft­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten durch Poli­tik haben Jugend­li­che und junge Erwach­sene nicht erfah­ren und die Poli­tik gilt als Mario­nette der Wirt­schaft. Das hilf­lose Agie­ren in der Wirt­schafts­krise gegen­über den Ver­ur­sa­chern wird da sicher nicht gerade hilf­reich sein.

Die Dis­tanz von gro­ßen Tei­len der Jugend zum poli­ti­schen Sys­tem ist viel grö­ßer und tief­ge­hen­der, als dies ver­mu­tet wird. Denn die poli­tik­fer­nen Jugend­li­chen haben sich viel­fach nicht bewusst auf­grund eines nega­ti­ven Poli­tik– und Politiker-​Bildes vom poli­ti­schen Sys­tem dis­tan­ziert. Viele von ihnen muss­ten sich auch nicht dis­tan­zie­ren, da sie nie einen Zugang zum Wert der demo­kra­ti­schen Teil­nahme am Gemein­we­sen und einer der diver­sen Mög­lich­kei­ten der poli­ti­schen Par­ti­zi­pa­tion gefun­den hat­ten. Weder im Eltern­haus noch in den gesell­schaft­li­chen und den media­len Dis­kur­sen wurde ihnen die Not­wen­dig­keit und Sinn­haf­tig­keit einer Betei­li­gung am gesell­schaft­li­chen Gan­zen ver­mit­telt, nie­mand hat sie an die Par­ti­zi­pa­ti­ons­schnitt­stel­len des poli­ti­schen Sys­tems her­an­ge­führt.“ — „Jugend unter Druck

Eine Gesell­schaft besteht aus Men­schen, die über ver­schie­denste Ver­bin­dun­gen zusam­men­ge­hal­ten wer­den. Rei­ßen die alten Ver­bin­dun­gen, ohne dass neue ent­ste­hen, zer­fällt die Gesell­schaft. Und das Para­do­xon ist, dass gerade die offene Gesell­schaft auch den Zusam­men­halt braucht. Sie muss zusam­men­hal­ten, um sich selbst zu orga­ni­sie­ren. Sie muss sich auf die Werte der offe­nen Gesell­schaft eini­gen, um das Feld nicht Ande­ren zu über­las­sen. Zusam­men­halt ent­steht zum Einen dadurch, dass man zusam­men für eine Sache steht, aber auch gemein­sam gegen die Sache der Ande­ren: Jede Gruppe defi­niert sich auch durch die Per­so­nen, die sie aus­schließt. Nur wie macht man das, wenn schon heute nie­mand mehr für etwas steht und sich auch nie­mand darum küm­mert, dass Aus­bil­dung und Ehren­amt genauso ver­ein­bar wer­den wie Fami­lie und Beruf?

Nach­klapp

Der Stern beklagte vor ein paar Tagen die Gene­ra­tion Golf im Bun­des­tag, die stil­voll und „ultra-​pragmatisch“ Poli­tik bril­lant manage und die dar­aus fol­gende Beliebigkeit:

Jeder achte Deut­sche — genau: 13 Pro­zent der Bun­des­bür­ger — kann sich vor­stel­len, dass Angela Mer­kel auch Che­fin der Sozi­al­de­mo­kra­ten sein könnte. Kras­ser lässt sich das Ende aller Ideo­lo­gien nicht belegen.“

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Foto: pixel­putze /​pho​to​case​.com

Kommentare

  • gravatar
    esfecrot

    17. Mai 2012

    Big­gest DJs in the World. http://​www​.asta​teofs​un​days​.net/ Trance, house, pro­gres­sive music with the big­gest DJs in the world.

    ornament

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