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Moblin Screenshot

MoblinLinux für Mobile Endgeräte

Sonntag, 28. Februar 2010

Für jeden Anwen­dungs­fall gibt es ein Linux und eine ganze Reihe habe ich schon aus­pro­biert. Von fli4l als Rou­ter über Puppy-​Linux für alte Rech­ner bis Kubuntu als Desk­to­p­sys­tem. Jetzt habe ich mit Mob­lin ein Linux spe­zi­ell für mobile End­ge­räte auf mei­nem Net­book ausprobiert.

Mobile Linuxe sind ein rela­tiv neues Phä­no­men, dass sich vor allem dar­aus speist, dass mobile Geräte wie Net­books und Mobil­te­le­fone inzwi­schen über erheb­li­che Rechen­leis­tung ver­fü­gen. Sie spie­len vor allem mit neuen Bedienkonzepten.

Bis­her haben sich Betriebs­sys­teme immer an Arbeits­platz­si­tua­tion ori­en­tiert: Der Anwen­der sitzt am Schreib­tisch, hat einen gro­ßen Moni­tor und eine Mouse und soll mög­lichst in der Lage sein, alles tun zu kön­nen: Vom Erstel­len eines Geschäfts­brie­fes bis zum Computerspiel.

Die neuen Sys­teme gehen davon nicht mehr aus. Statt­des­sen sind die neuen End­ge­räte klein und wer­den neben­her bedient. Dabei muss es dann gar nicht unbe­dingt ers­tes Ziel sein, dass alles ein­fach mach­bar ist — es geht vor allem um die Dinge, die unter­wegs benö­tigt werden.

Um die Bedie­nung mit Touch­screen oder Touch­pad ein­fa­cher zu machen, gibt es ein über­sicht­li­ches Lay­out mit gro­ßen, kon­trast­rei­chen Icons, über die die wich­tigs­ten Funk­tio­nen erreich­bar sind — so auch bei Moblin.

Zur Pra­xis…

Mein Net­book ist ein EeePC 1000H auf dem nor­ma­ler­weise ein Win­dows XP Home-​Edition läuft. Bis­her hatte ich dazu immer nor­ma­les Ubuntu drauf lau­fen, dass ich dann durch den Ubuntu Net­book Remix so ange­passt habe, dass der kleine Raum auf dem Bild­schirm voll aus­ge­nutzt wird.

Mob­lin wird instal­liert wie jedes andere Linux auch: Am ein­fachs­ten ist es, wenn man schon ein lau­fen­des Ubuntu hat. Dann kann man unter System/​Systemverwaltung ein USB–Start­me­dium erstel­len. Dazu lädt man sich ein­fach das ISO von Mob­lin run­ter und schreibt es mit dem Pro­gramm auf einen USB–Stick.

Steckt der Stick im EeePC, nun im BIOS ein­ge­stellt wer­den, mit wel­cher „Fest­platte“ geboo­tet wer­den soll. Das ist nicht „Removable Disk“ in der Boot­se­quenz. Statt­des­sen muss man im Boot­menü im zwei­ten Menü­punkt den Stick als Fest­platte aus­wäh­len. Danach star­tet der Rech­ner vom Stick.

Wie inzwi­schen bei Linux-​Distributionen üblich, instal­liert sich das Sys­tem nach nur weni­gen Nach­fra­gen (Spra­che, Zeit­zone) zügig selbst.

Bedie­nung

Nach einem Neu­start steht Mob­lin zur Ver­fü­gung: Auf der Start­seite sieht man nun aktu­elle Ter­mine und Auf­ga­ben, sowie die letz­ten besuch­ten Inter­net­sei­ten und Nach­rich­ten von LastFM– und Twitter-​Freunden.

Am obe­ren Rand des Bild­schirms erscheint bei Bedarf eine Bedien­leiste mit ver­schie­de­nen Ele­men­ten. Zum Einen gibt es dort einen Punkt für den „Sta­tus“, den man für Twit­ter und den Instant Mes­sen­ger set­zen kann. Unter „People“ fin­det man seine Kon­takte, die gerade online sind. Das ist ziem­lich prak­tisch, wenn man zum Bei­spiel den Mes­sen­ger mit Face­book ver­kup­pelt.

Mul­ti­me­dia

Es gibt dann noch einen Punkt „Mul­ti­me­dia“ unter dem man Musik, Bil­der und Videos abspie­len kann. Der ist einer­seits echt prak­tisch und ande­rer­seits nicht beson­ders intui­tiv: Prak­tisch ist, dass man Musik ein­fach lau­fen las­sen kann — wenn man dann ein Video abspielt, wird auto­ma­tisch die Musik ange­hal­ten, das Video im Voll­bild abge­spielt und wenn das Video durch ist, fängt die Musik wie­der an zu lau­fen. Unprak­tisch ist, dass man über den „Multimedia“-Punkt nicht zum eigent­li­chen Player kommt. Dort wird näm­lich nur ange­zeigt, was man als letz­tes gehört /​gese­hen hat. Der Player selbst wird auf der Start­seite gestartet.

So ähnlich ist das auch beim Punkt „Inter­net“: Dort gibt es eine Über­sicht der letz­ten ange­surf­ten Seiten.

Man kann sehr hübsch per Alt-​Tab zwi­schen den akti­ven Anwen­dun­gen hin und her wech­seln — wich­tig zu wis­sen, weil einem sonst der Brow­ser oder der Player ab und zu ein­fach abhan­den kommt.

Und sonst?

Natür­lich kann man mit Mob­lin auch nor­male Linux-​Anwendungen wie Thun­der­bird und Open­Of­fice star­ten — die spe­zi­ell vor­be­rei­te­ten Pro­gramme wie Empa­thy oder Evo­lu­tion pas­sen sich aber sehr schön in die Umge­bung. Es las­sen sich also auch Mails und Geschäfts­briefe schrei­ben — wenn auch Geschäfts­briefe nicht der erste Zweck sind.

Mob­lin und meamo wer­den MeeGo

Mitt­ler­weile hat sich Mob­lin (Intel) mit meamo (Nokia) zu MeeGo zusam­men­ge­schlos­sen. maemo ist das Debian-​basierte Betriebs­sys­tem für Mobil­te­le­fone, das zum Bei­spiel auf dem Nokia N900 läuft.

Diese Alli­anz gibt es erst seit Mitte Februar die­sen Jah­res, so dass noch nicht viel mehr als die Home­page ver­füg­bar ist. Da hin­ter dem Pro­jekt aber mit Intel und Nokia zwei große Fir­men ste­hen, die jeweils den Netbook-​Markt und den Mobilfunk-​Markt reprä­sen­tie­ren, bin ich gespannt dar­auf, wie sich das Sys­tem wei­ter­ent­wi­ckelt.

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