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Joe Sacco - Palästina

ComicJoe Sacco - Palästina

Samstag, 03. April 2010

Paläs­tina gibt es nicht. Es gibt das israe­lisch besetzte West­jor­dan­land und den Gaza Strei­fen. Seit 1967 gehö­ren diese zwei Gebiete zu kei­ner Nation mehr. Im 6-​Tage-​Krieg wur­den sie von Israel erobert — annek­tiert, also zu einem Teil Isra­els wurde aber nur Ost-​Jerusalem. Der Rest wird nur von Israel ver­wal­tet, denn eine Annek­tie­rung würde die Paläs­ti­nen­ser zu Israe­li­schen Staats­bür­gern machen. Seit­her schwelt der Kon­flikt zwi­schen der ara­bi­schen Bevöl­ke­rung und den israe­li­schen Besat­zern und immer wie­der flammt er auf. Joe Sacco beschreibt in sei­nem Comic „Paläs­tina“, wie die Paläs­ti­nen­ser die Besat­zung erleben.

Zur Zeit der ers­ten Inti­fada — dem Auf­stand der Paläs­ti­nen­ser gegen Israel — reiste der Jour­na­list Joe Sacco in das West­jor­dan­land und den Gaza Strei­fen, um mit den dort leben­den Ara­bern über ihre Lebens­um­stände zu spre­chen. Immer wie­der erzäh­len sie von Will­kür und Gewalt gegen Män­ner, Frauen und Kin­der. Will­kür­li­che Ver­haf­tun­gen und bru­ta­ler Umgang mit den Gefan­ge­nen. Noch im Kran­ken­haus wer­den Ver­wun­dete von israe­li­schen Sol­da­ten zusam­men­ge­schla­gen. Dazu kommt die sys­te­ma­ti­sche Benach­tei­li­gung der Paläs­ti­nen­ser: Sie sind vor allem bil­lige Arbei­ter in Israel, denen selbst diese Arbeit durch aller­lei Hemm­nisse schwer gemacht wird.

Eine unglaub­li­che Geschichte reiht sich an die nächste. Am Ende fragt sich nicht nur der Autor, wie Paläs­ti­nen­ser und Israe­lis jemals fried­lich zusam­men­le­ben sol­len — sei es in einem gemein­sa­men oder zwei getrenn­ten Staa­ten.

Ein wenig zu kurz kommt lei­der die israe­li­sche Sicht — die kommt nur in Form zweier ver­mut­lich rela­tiv durch­schnitt­li­cher Israe­li­scher Frauen zu Wort. „Paläs­tina“ ist aber den­noch ein groß­ar­ti­ges Bei­spiel für die Macht des Comics und sei­ner Ver­bin­dung von Wort und Bild. Es gibt den in Deutsch­land nur als Stei­ne­schmei­ßers bekann­ten Paläs­ti­nen­sern ein mensch­li­ches Ant­litz. Es zeigt ihre Hilf­lo­sig­keit und Ver­zweif­lung. Trotz­dem ist „Paläs­tina“ nicht ein­sei­tig. Sacco hin­ter­fragt auch die Gewalt gegen die Israe­lis und der Paläs­ti­nen­ser unter­ein­an­der. Wer einen Ein­blick in die Lage in Paläs­tina in den 1990ern bekom­men will, sollte „Paläs­tina“ lesen.

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