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KommunikationEine erste Testfahrt mit Google Wave

Dienstag, 27. Oktober 2009

Als Ende Mai das Video mit der Präsen­ta­tion von Google Wave auf­tauchte, war die Szene elek­trisiert: Google Wave wollte die 40 Jahre alte E-​Mail erset­zen und vere­inte diese mit diversen typ­is­chen Web2.0 Fea­tures. Und vor allem, sollte das Sys­tem offen für eigene Entwick­lun­gen sein. Jetzt wur­den die ersten Testzugänge freigeschal­tet und Dank Axel habe ich auch einen bekommen.

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Natür­lich ist die Ober­fläche von Google Wave an das Ausse­hen von Mail– oder Chat-​Programmen angelehnt – Man soll sich ja zurecht finden. Also gibt es eine Kon­tak­tliste, einen Postein­gang mit Ord­nern und dann die Ansicht der einzel­nen „Waves“.

Das erste Prob­lem: Die Kon­tak­tliste ist natür­lich leer. Kom­mu­nika­tion alleine ist lang­weilig. Beim Web­Mon­tag hatte Ste­fan Google Wave vorgestellt. Dessen Wave-​Adresse habe ich mir damals in weiser Voraus­sicht gemerkt. Und Ste­fan wurde dann auch mein erster Wavepartner. 

Wie man wavet

Die Kom­mu­nika­tion per Wave funk­tion­iert entweder syn­chron, wenn der oder die Gesprächspart­ner ger­ade online und wil­lens zu waven sind. Sonst bleiben die eige­nen Waves unge­le­sen im Post­fach der Empfänger liegen und warten auf Bearbeitung.

Bei Skype ist das so ähnlich – Dort kann man auch Leute anchat­ten, die nicht online sind. Allerd­ings wer­den dort die Nachrichten erst übertra­gen, wenn beide gle­ichzeitig online sind. Da Wave wie Mail mit einem zen­tralen Server arbeitet, liegen die Waves im Ein­gang, auch wenn der Sender offline ist.

Kein Ping-​Pong

Im Gegen­satz aber zum klas­sis­chen Chat­ten, kann man bei Wave auch nachträglich eigene und fremde Ein­träge verän­dern – dann wer­den dem Empfänger die Änderun­gen angezeigt.

Man ist also nicht drauf angewiesen, immer wieder hin und her zu disku­tieren: Man kann direkt am Ergeb­nis arbeiten. Man stelle sich vor, 2 Per­so­nen wollen eine Ver­anstal­tung vor­bere­iten und statt zu schreiben: „Wer macht was? Ich mach dies, Du machst das. Und dann passiert X und danach Y. Ach ne, lieber doch ander­srum…“ kann man zusam­men an dem Plan schreiben: Der erste Gespräch­steil­nehmer eröffnet eine neue Wave und schreibt einen groben Ablauf und schreibt auch auf, was noch fehlt. Der zweite kann das direkt ergänzen in dem Plan. Das ist dann eher so, wie man ein Wiki nutzen würde.

Plu­g­ins

Das Sys­tem ist aber nicht auf Text beschränkt. Es lassen sich auch ein­fach Bilder, Videos und andere Medien hinzufü­gen. Dazu gibt es Plu­g­ins für Abstim­mungen, mit den man ein­fach Umfra­gen erstellen kann. Wer aus der Firma kennt, wie da manch­mal per Mail die Mit­tagspause geplant wird, kann sich vorstellen, wie ein­fach und schnell es gehen kann, wenn es stattdessen eine Wave gibt: „13.00 Uhr beim Ital­iener? Ja /​Nein /​Vielleicht“ – Und dann wird nur noch angekreuzt.

Zukunft

Zum Einen hat Wave im Moment noch das Prob­lem, dass es fast nie­mand nutzt. Man muss die ganze Zeit dieses Browser­fen­ster offen hal­ten, damit man mit­bekommt, dass jemand wavet. Da fehlen auch noch die Clients – Ein Firefox-​Plugin hilft immer­hin Waves nicht zu verpassen.

Dazu kommt, dass Wave noch nicht wirk­lich veröf­fentlicht ist – Googles Wave-​Service ist der einzige bisher. Zukün­ftig soll es auch möglich sein, die Server selbst zu instal­lieren. Wer nicht seine gesamte Kom­munka­tion durch Googles Daten­banken führen will, muss also noch warten – Viele „Early Adopter“ hal­ten sich sicher auch deswe­gen zurück.

Ich denke, man muss die Möglichkeiten des Sys­tems noch aus­loten und es muss sich – wie bei der E-​Mail oder beim Chat damals – eine anerkan­nte Nutzungsweise entwick­eln, denn Wave bietet auch die Möglichkeit zum totalen Kom­mu­nika­tion­schaos: Wenn jede überall edi­tiert oder end­los lange Chat-​artige Sitzun­gen entste­hen, fällt die Nachver­fol­gung schwer.

Auf jeden Fall ist Wave ein mutiger Ver­such, die Inter­netkom­mu­nika­tion nach 40 Jahren Mail neu auf die Füße zu stellen. Der offene Ansatz ist dabei erfol­gver­sprechend. Zur Zeit fehlt mir aber noch die Anwen­dung dafür.

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Foto: © taretz | pho​to​case​.com

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