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InternetDas Wesen des Internets ist die Kopie

Dienstag, 17. November 2009

In seinem Blog­post „Das ‚dig­i­tale Lebens­ge­fühl‘ und die neue Rolle sozialdemokratis­cher Net­zpoli­tik“ erk­lärt Björn Böh­n­ing „Das Wesen des Inter­nets ist die Kopie“ und stößt damit auf Unver­ständ­nis. Ich gebe ihm Recht, sehe aber die Idee einer Kul­tur­fla­trate kri­tisch. Zu bürokratisch mit zu wenig Effekt für die Masse der Künstler.

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Das Inter­net ist eine tech­nis­che Infra­struk­tur, die auf dem Prinzip der Kopie beruht. Man schickt nie irgen­det­was irgendwo hin. Man erstellt immer nur eine Kopie auf anderen Rech­n­ern. Wenn ich jeman­dem etwas per Inter­net schicke, habe ich nichts weniger und der Empfänger hat das 100% gle­iche wie ich. Dass auf diesem Prinzip auf­bauend dann eine Kul­tur der Kom­mu­nika­tion, Bil­dung, Unter­hal­tung, Zusam­me­nar­beit ent­standen ist, stellt nie­mand in Abrede.

Warum die Kul­tur­fla­trate nicht funk­tion­ieren wird

Vor Inter­net und CD–Bren­ner musste ich ein Stück Plas­tik kaufen, um die Musik hören zu kön­nen, die darauf kon­serviert war. Das Stück Plas­tik musste hergestellt und um die ganze Welt verteilt wer­den. Und da war es ganz ein­fach: Ich habe diesen Gegen­stand gekauft, den ich haben musste, um die Musik zu hören und der Verkäufer hat einen Betrag X draufgeschla­gen, den er dann dem Musiker gegeben hat. Das Mod­ell hat dann einige Jahrzehnte für viele Leute ganz gut funktioniert.

Die Musik­plas­tikher­steller und –verteiler benötige ich aber nicht mehr, wenn jeder Musiker selbst sein „Orig­i­nal“ zur Ver­fü­gung stellt, von dem dann jeder seine Kopie ziehen kann. Die Kosten für den Aufwand verteilen sich irgendwo zwis­chen dem anteili­gen Preis, den der Kün­stler für seine Arbeit­szeit für das Hochladen anset­zen würde (5 Minuten?), den entsprechen­den anteili­gen Kosten für seinen Inter­net­zu­gang, den er ohne­hin hat und seine Hard­ware, die er ohne­hin braucht und den gle­ichen Kosten auf der Seite der Hörer. Das ist so wenig, das kann man nicht ein­mal ausrechnen.

It makes increas­ingly less sense to talk about a pub­lish­ing indus­try, because the core prob­lem pub­lish­ing solves — the incred­i­ble dif­fi­culty, com­plex­ity, and expense of mak­ing some­thing avail­able to the pub­lic — has stopped being a prob­lem.“ — Clay Shirky

Es ist überhaupt nicht sin­nvoll — im Sinne der Hörer — sich die Fest­platte voller Songs zu kopieren, nur weil man den einen oder anderen ab und zu mal hören möchte. In Zukunft läuft doch ohne­hin alles „in the cloud“. Wenn ich mir jetzt schon einen Song für 1,- EUR kaufen kann — wie hoch soll dann der Preis pro Hören sein. Und schon jetzt kann ich kosten­los *legal* fast jeden Song hören, der mir ger­ade einfällt.

Free! Why $0.00 Is the Future of Business 

Chris Ander­son hat in „Free“ erk­lärt, warum 0 Cent ein vol­lkom­men anderer Preis als 1 Cent ist:

This dif­fer­ence between cheap and free is what ven­ture cap­i­tal­ist Josh Kopel­man calls the „penny gap.“ Peo­ple think demand is elas­tic and that vol­ume falls in a straight line as price rises, but the truth is that zero is one mar­ket and any other price is another. In many cases, that’s the dif­fer­ence between a great mar­ket and none at all.“ — Chris Ander­son

Dazu kommt: Sobald Du einen Preis hast, musst Du abrech­nen. Und wenn Du nicht willst, dass sich Deine Kun­den es ständig überlegen, ob sie das Geld (und sei es auch noch so wenig) aus­geben oder nicht, bietest Du eine Fla­trate an: Ein­mal bezahlen und alles ist abgedeckt. Daher kommt die Idee der Kul­tur­fla­trate, die dann alle aus jeder Quelle umfasst: Der Staat rech­net da ab, wo es zu kom­pliziert wäre lauter eigene Fla­trates abzurechnen.

Ich glaube nicht, dass das funk­tion­iert, weil der Over­head teurer ist, als das, was für Kün­stler tat­säch­lich rum kommt. Für 5 EUR für den durch­schnit­tlichen Musiker im Jahr muss man keine neue Behörde schaffen.

Der Musiker als Unternehmer

Es bleibt also die Alter­na­tive: Die Kün­stler pfeifen auf das Klein­geld und verkaufen stattdessen etwas, was man nicht für lau kopieren kann: Mer­chan­dis­ing und Events. Auch ein bei Youtube veröf­fentlichter Mitschnitt eines Konz­ertes reicht bei weitem nicht an einen echten Konz­ertbe­such heran und exk­lu­sive, lim­i­tierte T-​Shirts wer­den sicher auch ihre Abnehmer finden.

Du darfst auch nicht vergessen: Musiker sind nicht nur Musiker, weil sie damit Geld ver­di­enen. Musiker sind auch Kün­stler. Und Kün­stler müsste es prinzip­iell freuen, wenn sie möglichst viele Men­schen mit ihrer Kunst erre­ichen. Und das Inter­net bietet die ein­ma­lige Chance, dass man Deine Songs auch noch hört, wenn die kleine Split-​EP-​Edition, die Du selbst finanziert hättest, längst ausverkauft wäre. Und in 20 Jahren wird das Ding dann plöt­zlich der Sommerhit.

Wenn die Poli­tik Musiker unter­stützen will, sollte zum Beispiel Live-​Auftritte fördern – Da heißt nicht, dass die Bun­desregierung Konz­erte ver­anstal­ten soll, son­dern alles, was Konz­erte erschw­ert, abge­baut wer­den sollte. 

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