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BarCamp Kiel 2010

Fazit1. BarCamp in Kiel

Dienstag, 17. August 2010

Am 13.+14. August 2010 fand end­lich das erste Bar­Camp in Kiel statt. Seit Wochen und Mona­ten hat­ten wir geplant, gemailt, kon­fe­riert, tele­fo­niert, sor­tiert und gesam­melt, gestöp­selt und ver­ka­belt, ver­drah­tet und ver­netzt, so dass alles wie am Schnür­chen lief.

Ein Bar­Camp ist eine Kon­fe­renz, bei der die Orga­ni­sa­to­ren nur für den Rah­men sor­gen. Die Inhalte wer­den von den Teil­neh­mern vor Ort ein­ge­bracht. Dafür gibt es dann 30-​minütige Slots, in denen man sich einen Raum neh­men kann, um ande­ren Teil­neh­mer einen Vor­trag zu hal­ten, mit ihnen zu dis­ku­tie­ren oder einen Work­shop durchzuführen.

100 neue Bar­Cam­per!

Nor­ma­ler­weise haben Bar­Camps immer das Pro­blem, dass die Ken­ner schon Monate im Vor­aus wis­sen, wann sie sich anmel­den müs­sen, um die Ver­an­stal­tung dann in einem Tag aus­zu­bu­chen. Neu­linge haben da fast nie eine Chance. In Kiel war es genau umge­kehrt: Von den knapp 100 Teil­neh­mern der Eröff­nungs­runde am Frei­tag waren nur eine Hand voll schon auf ande­ren Camps. Ent­spre­chend zurück­hal­tend waren viele Teil­neh­mer am ers­ten Tag.

Dafür schöpf­ten am zwei­ten Tag umso mehr Leute Mut, selbst eine Ses­sion anzu­bie­ten. Am Ende war die Betei­li­gung so groß, dass wir noch einen fünf­ten Track in einem zusätz­li­chen Raum öffnen muss­ten — und selbst der war fast ausgebucht.

Große Reso­nanz

Als wir Anfang des Jah­res die ers­ten Male zusam­men saßen und über­legt haben, ob wir denn ein Bar­Camp machen soll­ten, haben wir ver­sucht abzu­schätze, wie viele Leute denn wohl kom­men könn­ten. 20 – 25 Teil­neh­mer sind immer beim Web­Mon­tag und für einen beson­de­ren Ter­min konn­ten wir uns auch 40 – 50 Leute vor­stel­len. Letzt­lich waren über die 2 Tagen über 100 Leute im Wis­sen­schafts­zen­trum. Auch wenn einige von ihnen nur einen der bei­den Tage teil­neh­men konn­ten und andere hat­ten wohl schon am Vor­mit­tag des Frei­tags fest­ge­stellt, dass ein Bar­Camp nichts für sie ist.

Ses­si­ons

Ich habe selbst wenig von den Ses­si­ons mit­be­kom­men. Ich war zufrie­den damit, dass die Ver­an­stal­tung lief. Ich fand aber trotz­dem die Mischung ganz gelun­gen: Für Ein­stei­ger, Auf­stei­ger und Pro­fis sollte etwas dabei gewe­sen sein.

Span­nend war das große Inter­esse am (Lokal-)Journalismus. Umso ent­täu­schen­der, dass sich die Kie­ler Nach­rich­ten nie auf die Ein­la­dung zur Teil­nahme gemel­det haben. So wurde halt viel über die Zei­tung gere­det statt mit ihr.

Inter­es­sant war auch, dass zum Einen Viele sag­ten, dass sie sich für Netz­po­li­tik inter­es­sier­ten, dass aber nie­mand eine Ses­sion ange­bo­ten hat. Es gab nur eine Dis­kus­sion all­ge­mein unter der Über­schrift „Netz­po­li­tik“. Die hätte, wie Sebas­tian schrieb, leicht zum Politiker-​Bashing wer­den kön­nen. Durch den CDU–Kom­mu­nal­po­li­ti­ker Malte Steck­meis­ter, die Spit­zen­kan­di­da­tin der Pira­ten­par­tei zur Land­tags­wahl in Schleswig-​Holstein, Anika Tanck, mich als Mit­ar­bei­ter der SPD, und einige andere Teil­neh­mer mit Par­tei­er­fah­rung konn­ten ein paar gän­gige Vor­ur­teile aus­ge­räumt werden:

  • Par­teien funk­tio­nie­ren nicht nach dem Füh­rer­prin­zip mit Befehl und Gehorsam. 
  • Eine Bun­des­tags­wahl ist in keins­ter Weise mit der US–ame­ri­ka­ni­schen Prä­si­dent­schafts­wahl zu ver­glei­chen — und das ist auch den Par­teien klar.
  • Orts­ver­eine, Ortver­bände oder Orts­grup­pen sind vor allem kleine Dorfvereine.
  • Die Mit­glie­der tre­ten in der Regel nicht in die Par­tei ein, um die Home­pages zu betreiben.
  • Selbst die Pira­tin kann nicht immer alle Mails selbst beant­wor­ten. Und das ist auch nicht schlimm, weil sich Anfra­gen oft wie­der­ho­len und schlaue Mit­ar­bei­ter das nach kur­zer Ein­ar­bei­tung selbst im Sinne der Che­fin oder des Chefs beant­wor­ten können.
  • Die meis­ten Poli­ti­ker sind Menschen.
  • Men­schen machen Feh­ler und kor­ri­gie­ren sie bei Gelegenheit.
  • usw.
Dabei kam natür­lich ein wenig zu kurz, dass wir eigent­lich ein neues Urhe­ber­recht erfin­den woll­ten oder die Netz­neu­tra­li­tät neu defi­nie­ren.

Netz­wer­ken

Ein Bar­Camp ist mit der Tak­tung „Halbe Stunde Ses­sion /​Halbe Stunde Pause“ extra so ange­legt, dass viel Zeit für klei­nere Grüpp­chen ist. Die Ses­si­ons sol­len dabei hel­fen, dass die Teil­neh­mer ins Gespräch kom­men und viel­leicht auch Akti­vi­tä­ten für die Zeit nach dem Bar­Camp pla­nen. Ich habe da sehr inter­es­sante Gesprä­che gehabt und viele nette Leute ken­nen­ge­lernt. 

Jour Fitz

Ziem­lich von Anfang an hat­ten wir die Idee eines Kul­tur­an­ge­bots für die Bar­Cam­per. Miriam hat dann das Jour Fitz ange­schleppt und das hat sich als wun­der­bare Ver­an­stal­tung her­aus­ge­stellt: Eine Blogle­sung in mil­der Abend­stim­mung. Von brül­lend komisch, hin­ter­sin­nig zum Schmu­zeln bis zum fort­schei­ten­den Wahn­sinn.

Dank an die Sponsoren

Ich möchte wirk­lich herz­lich und nicht aus Ver­pflich­tung allen Spon­so­ren danken:

  • Das Sponsoring-​Angebot von Otto war der eine große Start­hilfe — ein klei­nes Bar­Camp hätte man im Not­fall davon auch so ver­an­stal­ten kön­nen. Dadurch hat­ten wir eigent­lich nie Pro­bleme mit dem Geld.
  • Das Wis­sen­schafts­zen­trum war so groß­zü­gig, uns die Räume zur Ver­fü­gung zu stel­len. Als das sicher war, hat­ten wir schon unser Basis-​BarCamp: Ein Datum und Räume. Alles andere hätte sich schon gefun­den. Und wenn wir Piz­zaf­lyer aus­ge­legt hätten.
  • Enter­ak­tiv, die sofort die Rei­ni­gungs­kos­ten über­nom­men haben. Da muss­ten wir gar nicht lange drum herum reden.
  • Kiel­Net und Addix sind sehr schnell in die Orga mit ein­ge­stie­gen und haben Inter­net­zu­gang und WLAN besorgt. Wenn die nicht auf uns zuge­kom­men wären — ich weiß gar nicht, wen wir dann ange­ru­fen hät­ten, um das zu regeln.
  • Die Zusam­men­ar­beit mit der Koope­ra­tiva hat toll funk­tio­niert und her­vor­ra­gend gepasst. Sel­ten hat man so guten Kaf­fee auf Kon­fe­ren­zen. Und dann ist der noch fair gehandelt.
  • Ich war ja erst skep­tisch, wie sich wohl ein Spon­sor wie T-​Mobile ein­bringt. Bis­lang habe ich aber nur begeis­terte Reak­tio­nen auf die Mis­ter X-​Session mitbekommen.
  • Wenn Nitor nicht einen Las­ter voll Moder­ta­ti­ons­ma­te­rial geschickt hätte, hät­ten wir den gan­zen Kram ein­zelnd kau­fen oder irgendwo lei­hen müssen.
  • Wich­tig sind aber auch die vie­len ande­ren Unter­neh­men, die mit ihren Bei­trä­gen das Bar­Camp in sei­ner Form mög­lich gemacht haben: New Com­mu­ni­ca­tion und seal Media wie auch die Kie­ler Linux­tage, Kiel Mar­ke­ting, die Förde Spar­kasse, get​Di​gi​tal​.de, Con­sist und net­Im­pact.

Fazit

Die Gemeinde der Bar­Cam­per ist seit dem Wochen­ende 100 Per­so­nen grö­ßer gewor­den. Unse­ren Bil­dungs­auf­trag (abge­lei­tet aus unse­rem Sen­dungs­be­wusst­sein) haben wir somit voll erfüllt. Wir haben dafür gesort, dass Schleswig-​Holstein kein wei­ßer Fleck mehr auf der Web2.0-Karte ist und wir haben gezeigt, dass es hier eine Szene gibt.

Ich per­sön­lich hoffe, dass das Bar­Camp zur Ver­net­zung der Szene beige­tra­gen hat und dass ein paar Leute mehr Kiel mögen.

Da das Wis­sen­schafts­zen­trum, Kiel­Net und Addix schon Unter­stüt­zung auch im nächs­ten Jahr zuge­sagt haben und die Koope­ra­tiva auch gerne das Cate­ring wie­der machen möchte, sollte es auf jeden Fall 2011 eine Fort­set­zung geben.

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Kommentare

  • gravatar
    Dieter Bethke

    17. Aug 2010

    Ich möchte an die­ser Stelle noch­mal mei­nen Dank an Stef­fen und all die ande­ren Orga­ni­sa­to­ren aus­spre­chen. Und an die Spon­so­ren, die das Bar­Camp mög­lich gemacht haben. Es hat alles wun­der­bar funk­tio­niert und Spaß gemacht. Beson­ders freut mich, dass es also defi­ni­tiv eine Fort­set­zung in 2011 geben wird. Bis dahin haben wir sicher­lich auch das »Cowor­king in Kiel« deut­lich voran gebracht, wel­ches ja beim Bar­Camp Kiel 2010 sein spon­ta­nes Kick Off hatte.

    Herz­li­che Grüße,
    Dieter

    ornament
  • gravatar
    Stecki

    17. Aug 2010

    Auch von mir an die­ser Stelle noch ein­mal ganz herz­li­chen Dank an Dich und die ganze Orga-​Truppe und die Spon­so­ren, ohne die das alles nicht mög­lich gewe­sen wäre: Das Bar­Camp war wirk­lich klasse!

    Zur Politik-​Session: Wirk­lich schade, daß nach­her dann doch die Zeit fehlte, eine kleine tour d’horizon zur Lage der Netz­po­li­tik machen zu kön­nen. Aber das holen wir dann hof­fent­lich auf dem Bar­Camp 2011 nach.

    ornament

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