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Web-Hosting: Komm, wir gründen eine Kooperative!

Foto: Some rights reserved by tonyhall
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Steffen Voß

Eine Koope­ra­tive, die ver­schie­dene Web-Applikationen zur Ver­fü­gung stellt — das war Svens Idee auf dem gest­ri­gen Web­Mon­tag in Kiel. Jeder hat sei­nen eige­nen Webs­pace. Jeder betreibt ein Blog­sys­tem. Viele haben wei­tere Tools wie Web­Mai­ler, URL–Shor­te­ner, Wikis usw. Und jeder muss sich selbst um die Pflege küm­mern. Warum nicht ein­fach die glei­chen Tools gemein­sam nutzen?

Neben mei­nem Blog hier, betreibe ich noch

Viel­leicht hab ich noch etwas ver­ges­sen. Tat­sa­che ist aber, dass die meis­ten die­ser Tools auch von meh­re­ren genutzt wer­den könn­ten. Man könnte sich die Arbeit teilen.

Web­ser­vices per Genossenschaft

Mich hatte das schon vor zwei Jah­ren auf die Idee gebracht, so ein Ange­bot koope­ra­tiv zu erstel­len. Aller­dings eine Num­mer grö­ßer und kom­mer­zi­ell — als Genos­sen­schaft. Der Gedanke dahin­ter war: um das nötige Ver­trauen zu schaf­fen, müsste die Unter­neh­mung für die Kun­den so trans­pa­rent wie mög­lich sein. In einer Genos­sen­schaft sind die Kun­den am Unter­neh­men betei­ligt. So wären die Kun­den selbst Teil des Unter­neh­mens und sie könn­ten selbst Ein­blick in die Arbeits­weise nehmen.

Da durch­weg mit Open Source Soft­ware gear­bei­tet wer­den sollte, könn­ten inter­es­sierte Kunde jeder­zeit selbst die ver­wen­dete Soft­ware über­prü­fen. Bei der Benut­zung der ver­schie­de­nen Dienste sol­len nur die Daten erho­ben wer­den, die zur Auf­recht­er­hal­tung des Ser­vices nötig sind. Dar­über­hin­aus bie­ten sich natür­lich die übli­chen Zer­ti­fi­zie­run­gen für die Ein­hal­tung der Stan­dards zur Qua­li­täts­si­che­rung an oder Aus­zeich­nun­gen wie Datenschutzsiegeln.

Genos­sen­schaf­ten gel­ten als solide, seriös und boden­stän­dig. Die Zah­len unter­mau­ern das posi­tive Image: Die Insol­venz­quote liegt bei unter einem Pro­zent. Eine Genos­sen­schaft hat den Vor­teil, dass sie von den Mit­glie­dern zur Not auch unwirt­schaft­lich wei­ter betrie­ben wer­den kann: Sollte also nach eini­ger Zeit der wirt­schaft­li­che Erfolg aus­blei­ben, könn­ten die Mit­glie­der der Genos­sen­schaft die bereits ein­ge­rich­te­ten Dienste aus eige­ner Tasche wei­ter betrei­ben. Wer sich in die Genos­sen­schaft ein­bringt, müsste also nicht befürchte, mit einer Insol­venz des Dienst-Anbieters auch seine Soft­ware zu verlieren.

Es gibt auch schon im IT–Bereich ver­schie­dene Genos­sen­schaf­ten: Eine bekannte Genos­sen­schaft der IT–Bran­che ist die DATEV eG -  Dienst­leis­ter für 38.000 Steu­er­be­ra­ter, Wirt­schafts­prü­fer und Anwälte. Bei der Host­sha­ring eG kann man ein genos­sen­schaft­li­ches Hos­ting­an­ge­bot nut­zen. Und es genos­sen­schaft­li­che Zusam­men­schlüsse von IT–Exper­ten wie zum Bei­spiel Jariva.

Star­ten wir eine Num­mer kleiner

Wir soll­ten das Pferd aber nicht von hin­ten auf­zäu­men und ein paar Num­mern klei­ner anfan­gen. Das Schöne ist doch, dass man sich stu­fen­weise zusam­men­tun kann.

Zunächst kann man sich einen oder zwei Ser­ver tei­len, auf denen man ver­schie­dene Dienste lau­fen lässt. Die kann man noch ein­fach anmie­ten. Viel­leicht direkt bei Host­Sha­ring. Dann geht es schon in die rich­tige Rich­tung. Dazu kann man zum Bei­spiel ein­fach dem „Ver­ein für Neue Medien e.V.” bei­tre­ten oder dem „Top­point e.V.”, um eine solide und demo­kra­ti­sche Rechts­form zu haben.

Und dann kann man das Ange­bot nach und nach aus­wei­ten — so wie sich Teil­neh­mer fin­den. Man kann spä­ter eigene Hard­ware kau­fen und unter­stel­len. Und ganz zum Schluss ein eige­nes Rechen­zen­trum ein­rich­ten und reich und berühmt werden.

Und man könnte auch schauen, ob die Host­sha­ring eG viel­leicht Inter­esse an neuen Mit­glie­der und so einem Ser­vice­an­ge­bot hat.

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Update 29.1.2012

Hier ist das Pla­nungs­pad: https://pad.tumelum.de/p/internetkooperative

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Kommentare

  1. Thilo:

    Hallo, Koope­ra­ti­ven klingt gut. Lei­der sind Genos­sen­schaft in Deutsch­land höchstre­strik­tiv und teuer. Die ein­fachste Mög­lich­keit ist der n.e.V. (also nicht-eingetragener Verein)

    Oder man kann Koope­ra­ti­ven auch gewerb­lich als GbR betrei­ben (was wir bei Bio­Gaar­den machen als Bio-Mitgliederladen wollen).

  2. Swen Wacker:

    Ich finde das prin­zi­pi­ell gut, stelle mir aber die Frage, ob es wirk­lich eine eigene Ser­ver­farm sein sollte.

    Zum einen hätte das sehr viel mit Kapi­tal­ein­satz zu tun. Das muss man erst mal haben, refi­nan­zie­ren und wert­er­hal­tend nutzen.

    Des­halb käme für mich dann auch nur eine Rechts­form in Frage, die die Haf­tung der Mit­glie­der begrenzt.
    – Der e.V. hat kein wirt­schaft­li­che Ver­ein zu sein (§ 21 BGB), fällt also weg.
    – Die GbR haf­tet gesamt­schuld­ne­risch — da kann es dann auch gleich eine OHG sein — fällt also aus.
    – Eine eG ist nicht bil­lig (Thilo wies schon auf die Kos­ten hin), da sie geprüft wer­den muss (durch einen Prü­fungs­ver­band oder so was ähn­li­ches, so genau kenne ich mich da nicht aus).

    Dann wäre da die tech­ni­sche Geschichte. So ein Ser­ver will ja auch stets sicher admi­nis­triert sein, muss also per­ma­nent aktu­ell gehal­ten wer­den. Das kos­tet immens viel Zeit, die m.E. bes­ser auf der Appli­ka­ti­ons­ebene genutzt wer­den könnte.

    Über­haupt wäre es m.E. aus Sicht der Publi­kums­ori­en­tie­rung ziel­füh­ren­der, die Tech­nik im Hin­ter­grund lau­fen zu haben. Denn Ver­eine, Ver­bände, Initia­ti­ven. Men­schen locken wir schwer­lich mit hüb­schen Ser­ver­racks son­dern eher mit einem “out-of-the-box“, das die von uns poli­tisch gewoll­ten open-source-Lösungen oder selbst­ver­wal­te­ten dezen­tra­len Anwen­dun­gen feil hält.

    Ein Ein­kau­fen in die von Stef­fen genannte eG könnte diese Pro­bleme lösen.

  3. Sebastian Schack:

    Finde ich sehr spannend.

    Was das Juris­ti­sche angeht, da bin ich ziem­lich unbe­leckt und keine große Hilfe, lasse mich auf die The­ma­tik also auch lie­ber gar nicht erst ein.

    Auf tech­ni­scher Seite kann ich ein RZ in Kiel anbie­ten, des­sen Betrei­ber ich (als des­sen Ange­stell­ter) nahezu bedin­gungs­los ver­traue.
    Auch habe ich selbst Erfah­rung mit dem Aufsetzen/Betreiben von Webservern.

    Außer­dem bin ich schon län­ger auf der Suche nach einem sinn­vol­len „IT–Hobby”, also einer Sache, die ich nicht nur für mich zusam­men­schus­tere und die dann nie­man­den inter­es­siert. :)

    Also, Stef­fen, wenn du Ernst machen willst, sag gerne Bescheid.

  4. Jörg:

    Wir sind gerade am Grün­den einer Genos­sen­schaft (keine für die hier ange­spro­che­nen Dienste, son­dern was ganz ande­res). Grün­dungs­kos­ten über 1.500 EUR.

    Ich glaube, dass für die ange­spro­che­nen Ziele das ne Haus­num­mer zu hoch ist. Ver­ein (egal ob ein­ge­tra­gen oder nicht — ein e.V. hat mehr Rechte) klingt hier sinnvoller.

  5. Steffen:

    Es gibt mitt­ler­weile ein Planungs-Pad: https://pad.tumelum.de/p/internetkooperative

  6. Jörn:

    Bin ich der ein­zige, bei dem der Link nicht funktioniert?

  7. Swen Wacker:

    Die­ser Link funk­tio­niert bei mir https://pad.tumelum.de/p/internetkooperative

    Alter­na­tive: Folge oben im Arti­kel dem ver­link­ten Wort Sven. Er ver­weist in dem Arti­kel, den Du dann fin­dest, zum Schluß auf das Dokument.

  8. Thilo Pfennig:

    Da ich jetzt erst wei­tere Kom­men­tare lese: Swen schrieb: „Die GbR haf­tet gesamtschuld­ner­isch — da kann es dann auch gle­ich eine OHG sein — fällt also aus.„Irgendeine Haf­tung brauchst Du ja. Die Alter­na­tive zu gesamt­schuld­ne­risch ist: 1. Einer haf­tet für alle ande­ren 2. Die Gesell­schaft haf­tet (GmbH, UG)Möglich ist auch ein nicht-eingetragener Ver­ein. Der braucht nur 3 Mit­glie­der, Sat­zung kann aber muss man nicht haben. Denke aber auch ein e.V. geht. e.V. heisst ja nicht, dass der kein Geld ein­neh­men und aus­ge­ben darf. Es geht ja nur drum Res­sour­cen zu tei­len. Wie weit ist denn die Idee? Eingeschlafen?

  9. Steffen Voß:

    Ohne Haf­tung kommt man nie aus. Zur Recht. ;-)

    Ja, die Sache ist zur Zeit ein wenig ein­ge­schla­fen. Ich würde vor­schla­gen, dass wir mal jeman­den von https://www.hostsharing.net/ zum Web­Mon­tag einladen.

  10. Georg:

    Eine coole Idee, wobei ich einen Ver­ein dafür sinn­vol­ler finde.
    Ich habe mir auch schon mal über­legt, meine Own­cloud (mit Limits), mein Tiny Tiny RSS etc. ein­fach öffent­lich für alle zugäng­lich zu machen. Lei­der macht mir da das Recht große Sor­gen. Was, wenn jemand über meine Seite Feeds von ille­ga­lem Zeugs abon­niert? Oder WArez (oder noch schlim­me­res?) über meine OwnCloud-Instanz ver­tei­len will? Sol­che Pro­bleme hätte auch ein Ver­ein oder eine eG.

    Lebt die Idee eigent­lich noch? :)

  11. Steffen Voß:

    Ideen ster­ben nicht. Sie lan­den nur in der Schub­lade. :-D

    Wenn sich jemand fin­det, der da mehr Zeit inves­tie­ren will: Bin dann dabei.

    Aber wie gesagt: https://www.hostsharing.net/ gibt es schon.

  12. Jan-Peter:

    Hallo alle zusam­men,
    Ich bereite für meine Fir­men­home­page gerade mei­nen Umzug von Strato zu Host­sha­ring vor, da ich selbst­ver­wal­tete IT–Struk­tu­ren unter­stüt­zen und nut­zen will.
    Was ich bei Host­sha­ring (noch) ver­misse, sind Ange­bote (für Nicht IT–ler) Webap­pli­ka­tion mög­lichst ein­fach zu instal­lie­ren und zu nut­zen.
    Im Grunde genom­men genau dass, was hier im Block dis­ku­tiert wird. Statt über die Grün­dung einer eige­nen Orga­ni­sa­tion (Genos­sen­schaft, Ver­ein, GbR…) zu dis­ku­tie­ren, gäbe es die Mög­lich­keit ein­fach Genosse bei Host­sha­ring zu wer­den, und die vor­han­dene Infra­struk­tur (Ser­ver, Genos­sen­schaft, Buch­hal­tung etc.) zu nut­zen um die hier skiz­zier­ten Ideen umzusetzen.

    Gruß
    Jan-Peter

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