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Musikindustrie: Doofes DRM

Foto: Some rights reserved by Elsie esq.
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Steffen Voß

In seinem aktuellen Blog-Post berichtet Tim von einem Come­dian, der eine Aufze­ich­nung seiner Show frei online gestellt hat, mit der Bitte um frei­willige Zahlun­gen. Nach 12 Tagen hatte er 1 Mil­lion Dol­lar ver­di­ent. Tims Schluss: “DRM braucht nie­mand.” Der Schluss stimmt. Die Prämisse nicht. Denn die Tat­sache, dass jemand Geld ohne DRM ver­di­ent, trifft das Prob­lem von DRM nicht im Kern.

DRM bestraft die Ehrlichen. Sie kaufen ein Pro­dukt mit einer Dis­funk­tion — ein Ele­ment des Pro­dukts ver­hin­dert (“Defec­tive by Design”), dass das Pro­dukt nicht so flex­i­bel ist, wie die ille­gale aber freie Ver­sion. DRM–Musik und DRM–Filme erfordern DRM–Betrieb­ssys­teme und DRM–Player. Wir sind da wieder in der Diskus­sion von Cory Doc­torow beim 28c3.

DRM kann nicht die Antwort auf die Frage sein, wie wir mit dem umge­hen, was Kün­stler machen. Die Frage, die das bish­erige Urhe­ber­recht auch nur eher schlecht als recht beant­wortet hat ist: Wie kön­nen wir sich­er­stellen, dass Leute von Musik, Film und Lit­er­atur so leben kön­nen, dass sie weit­er­hin Musik, Film oder Lit­er­atur machen kön­nen? Das Sys­tem garantiert natür­lich nie­man­dem finanziellen Erfolg und es haben neben­bei noch viele andere Men­schen viel Geld ver­di­ent. Und man muss dazu sagen, dass ger­ade Musik und Film als Genre noch nicht sehr alt sind. Aber ger­ade für viele Musiker waren die Ein­nah­men aus ihren Tonkon­ser­ven immer ein recht sicherer Einkommensanteil.

Es gab immer mal wieder solche Aktio­nen, bei denen Radio­head oder Nine Inch Nails ihre Musik frei hergegeben und trotz­dem damit Geld ver­di­ent haben. Die waren aber auch schon vorher durch die klas­sis­che Musikindustrie-Promotion-Mühle gegan­gen und super-bekannt. So schreibt auch der Econ­o­mist:

Now, of course, Mr C.K. has the advan­tage of mil­lions of fans from his live and tele­vi­sion per­for­mances. He receives praise from his fel­low come­di­ans and appears reg­u­larly on late-night tele­vi­sion. His approach would prob­a­bly not work for some­one appear­ing at open-mic night in Duluth once a month.”

Funk­tion­iert das nur immer mal wieder bei speziellen Aktio­nen, die dann eine gewisse Öffentlichkeit bekom­men, während der Markt rund­herum noch klas­sisch funk­tion­iert? Würde genau das selbe Konzept auch bei einem zweiten Stand-Up-Comedian funk­tion­ieren? Würde es in Zukunft dazu führen, dass min­destens genauso viele Come­di­ans ähn­liche gut oder schlecht von ihrer Arbeit leben kön­nen, wie vor dem Internet?

Es ist schön, dass auch beim Econ­o­mist inzwis­chen angekom­men ist, dass DRM gefährlicher Blödsinn ist. Die eigentliche Diskus­sion ist aber inzwis­chen weiter. Bzw. wie Cory Doc­torow in seinem 28c3-Vortrag klar macht: Die Urhe­ber­rechts­frage ist hin­ter vie­len anderen The­men nachrang­ing. Und offen­bar finden Kün­st­lerIn­nen und Indus­trie ihren Weg auch im beste­hen­den Sys­tem — so eine große musikalis­che Vielfalt hat es jeden­falls noch nie gegeben.

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