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Social Bookmarking: Delicious mit Scuttle nachbauen

Foto: Steffen Voß
Foto: Steffen Voß
Steffen Voß

Vor einiger Zeit schon hatte ich mich mit dem Umzug von Deli­cious beschäftigt. Damals hatte Yahoo angekündigt, Deli­cious abzus­toßen. Ich bin dann bei Diigo gelandet. Aber irgend­wie ist das nur der halbe Schritt gewe­sen: Jetzt bin ich unab­hängig mit meinem eige­nen Bookmark-Verzeichnis.

Der Dienst basiert auf der freien Soft­ware Scut­tle. Und Scut­tle bietet schon eine Menge Fea­tures, an die ich mich bei Deli­cious und Diigo gewöhnt habe:

  1. Ich will meine Book­marks nicht mehr im Browser spe­ich­ern. Durch die zen­trale Spe­icherung im Netz kann ich von über­all darauf zugreifen.
  2. Neue Book­marks lassen sich über ein Book­marklet anle­gen, das man in jeden Browser ein­binden kann. Es gibt aber auch ein Web­for­mu­lar — wenn man mal an einem frem­den Browser ohne Book­marklet sitzt.
  3. Alle Links kön­nen dank RSS automa­tisch auch an identi.ca bzw. Twit­ter und Face­book weit­ergegeben werden.

Instal­la­tion

Die Instal­la­tion ist ein­fach: Nach dem Hochladen der Dateien, muss man ein vorge­fer­tigtes SQL–State­ment zum Beispiel per php­MyAd­min ein­spie­len und die Datenbank-Infos in der Con­fig ein­tra­gen. Das ist ein wenig altertüm­lich, aber Scut­tle komm auch sonst ohne Admin­is­tra­tionsober­fläche aus. Die Soft­ware umfasst nur das Nötig­ste — Das finde ich sympathisch.

Nach der Instal­la­tion muss ich mich als Benutzer reg­istri­eren und kann loslegen.

Wer keine Book­marks importieren will, kann den Export/Import-Teil überspringen.

Diigo Export

Ich habe aber in den let­zten Monaten Diigo ziem­lich inten­siv genutzt, deswe­gen war ich froh, dass Diigo ver­schiedene Arten des Exports anbi­etet: RSS, IE–Book­marks, Netscape-Bookmarks, Deli­cious, und CSV — Ich war mir sicher, dass ich das schon irgend­wie in meine Daten­bank bekomme.

Scut­tle Import

Scut­tle kann IE- und Netscape-Bookmarks sowie Delicious-Exports importieren. Theoretisch.

Prob­lem 1: Die Netscape-Bookmarks kamen ohne Beschrei­bung und kor­rek­tem Datum in der Daten­bank an.

Prob­lem 2: Der Delicious-Import brach mit XML–Fehler ab.

Ich hab dann fest­gestellt, dass sich Deli­cious– und Netscape-Dateien kaum unter­schei­den und mir den Netscape-Import vorgeknüpft, um ihm den kor­rek­ten Import der Delicious-Daten beizupulen. Das Ergeb­nis ist ganz ordentlich und ich habs als braver Open-Sourcer im Patch-Tracker hochgeladen.

Bevor man das aber erfol­gre­ich importieren kann, muss man noch in /services/tagservice.php in der Zeile 45 str­tolower mit utf8_strtolower erset­zen. Sonst gehen die Umlaute der Tags kaputt.

Wie gesagt: Wer nichts importieren will, kann sich diesen Heck­meck sparen…

Nach­bere­itung

Scut­tle ist funk­tion­iert nor­maler­weise so, dass sich beliebig viele Benutzer reg­istri­eren kön­nen. Das wollte ich nicht. Zumal es Berichte von Spam-Registrierungen und –Ein­trä­gen gibt. Man kann das ver­hin­dern, indem man ein­fach die register.php löscht oder umbenennt.

Nachteile

Ein eigenes Scut­tle ist natür­lich kein echtes Social Book­mark­ing. Der Vorteil von Deli­cious und Diigo ist ja ger­ade, dass ich vom Tag­ging und den Links Andere prof­i­tiere und Links leicht an Kon­takte weit­er­leiten kann. Das habe ich aber sel­ten genutzt, muss ich zugeben.

Lei­der scheint Scut­tle nicht ger­ade eines der aktivsten Pro­jekte im Netz zu sein. Es stecken noch einige Bugs drin und einige gute Feature-Patches im Patch-Tracker Im let­zten Jahr kamen aber immer­hin zwei Updates und das eine davon Ende Dezem­ber… Lebendig genug.

Vorteile

Bisher bin ich sehr zufrieden mit meinem Scuttle:

  1. Ich muss nicht mehr befürchten, dass jemand Deli­cious dicht macht und ich nicht mehr an meine Book­marks komme.
  2. Ich kann die Sachen aber selbst löschen, wie und wann ich will.
  3. Selbst über den Code zu ver­fü­gen ist schon klasse: Ich habe mich immer ein wenig geärg­ert, dass ich bei der automa­tis­chen Ein­bindung per RSS und Twit­ter­feed nicht auch die Tags nutzen kon­nte. Ich habe mir jetzt ein­fach einen zweiten RSS–Feed gebaut, der im Titel der Links die Tags kor­rekt mit # anhängt. Ich kann den nor­malen Link dann zum Beispiel mit Face­book oder Tum­blr benutzen und den gepimpten mit Twitter.
  4. Ich finde die Seite echt schnell.
  5. Ich kann sie noch weiter so anpassen, dass sie zu meinem Lay­out passt.

Links

Foto: Stef­fen Voß

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Kommentare

  1. Tim Schlotfeldt:

    Moin, Scut­tle benutze ich auch schon einige Jahre. Da das Pro­jekt zeitweilig tot war, bin ich irgend wann mal auf Seman­tic Scut­tle umgestiegen. Das gefällt mir noch einen Tick besser als das alte Scut­tle, da man mehr Meta­daten eingeben kann und, sehr schön, Syn­onyme für Tags definieren kann.

    http://sourceforge.net/projects/semanticscuttle/

  2. Steffen:

    Ich hatte bei Seman­tic­S­cut­tle nur gese­hen, dass die Demo offline war und dass da stattdessen so eine Domain-Parking-Seite geschal­tet war. Dadurch wirkte das Pro­jekt irgend­wie beson­ders tot.

    Aber das let­zte Update ist ja aus dem Feb­ruar. Ich werde es mir also noch mal anschauen. Der Umstieg sollte ja ein­facher zu machen sein als der Umstieg von Deli­cious auf Scut­tle ;-)

  3. Steffen:

    Ich hab auf Seman­tic­S­cut­tle umgestellt. Das funk­tion­iert tat­säch­lich wesentlich besser. Die ganzen kleinen Bugs, über die ich bei Scut­tle noch gestolpert bin, sind weg.

    Dazu kommt, dass Scut­tle zum Beispiel nicht varchar(255) son­dern text als Feld­typ für die Beschrei­bun­gen benutzt. Das hatte ich mir bei Scut­tle selbst umgestellt, weil meine Beschrei­bun­gen manch­mal ein­fach länger waren…

    Also: Danke für den Tipp, Tim! ;-)

  4. Gast:

    Habe seman­tic­s­cut­tle ger­ade wegen der ‘unüblichen’ Han­thabung des Rootverze­ich­nisses (=www) wieder gen­ervt ver­wor­fen. So drin­gend muss ich dann doch noch nicht weg von mrwong. Wie unprak­tisch ist das denn?

  5. Steffen:

    Sicher­heit­stech­nisch ist es dur­chaus von Vorteil, wenn man nur im Web­root liegen hat, was man unbe­d­ingt benötigt. Wenn das auf Deinem Web­Space nicht geht und Du deswe­gen auch nicht wech­seln willst, müsste es gehen, wenn Du die Inhalte aus dem www-Verzeichnis ins Hauptverze­ich­nis packst und den require_once-Pfad in der www-header.php anpasst, dass er kor­rekt ist. (Siehe README.txt am Ende)

  6. Igorette:

    bei scut­tle hat sich in den let­zten monaten wieder ein biss­chen was
    getan. mar­cus camp­bell hat eine neue ver­sion mit kleinen bug­fixes
    raus­ge­bracht (s. https://github.com/scronide/scuttle ). er hat
    wohl wenig zeit, sich um weit­er­en­twick­lung zu küm­mern, schien aber
    neulich ganz ange­tan über sein altes pro­jekt.
    ich hatte über die zeit ein paar feature-patches gesam­melt und unter
    https://github.com/igorette/scuttle/branches veröf­fentlicht.
    ich finde aber, social book­marks soll­ten mit folk­sonomies (freie tag-vergabe)
    arbeiten und nicht mit hier­ar­chis­chen tags wie “seman­tic” scut­tle, das ist
    etwas überkandidelt.

    einen anderen ansatz zeigt http://freelish.us/ — das ist eigentlich status.net
    mit einem bookmark-plugin. das bietet fast die gle­ichen fea­tures wie scut­tle,
    es fehlen allerd­ings die pri­vaten book­marks und ausser­dem das halbpri­vate
    sharen im fre­un­deskreis, dafür bekommt man aber OStatus-Funktionalität.
    Und das rockt!

    lg,i

  7. Tim Schlotfeldt:

    @Igorette Hier­ar­chis­che Tags finde ich auch blöd. Seman­tic­S­cut­tle hat das zwar einge­baut, aber es funk­tion­iert auch ohne ganz wunderbar.

    Freelish.us werde ich mir gle­ich mal ansehen.

    –Tim

  8. Gast:

    Hallo,

    bin auch ger­ade dabei Scut­tle in meine HP einzubauen — nur für mich und nicht für die Allgemeinheit.

    Gibt es eine Möglichkeit die gespe­icherten Links zu exportieren?

    mit …api/posts_all.php habe ich lei­der keinen Erfolg. Er will immer ein Pass­wort und Benutzer — und dann geht nichts mehr.

    Kennst du dich da aus?

    Viele Grüße
    W.Z.

  9. Echt Einfach TV:

    Tausend Dank für diesen hil­fre­ichen Post und den darg­ere­ichten PHP patch!

    Für alle anderen, die auch den “XML error: > required at line 9″ Fehler bekom­men, ein­fach die importDelicious.php von Stef­fen herun­ter­laden, umbe­nen­nen in “import.php” und ins scuttle-Verzeichnis legen, dabei die alte import.php über­schreiben. Dann klappt auch der Import, genial!

    Einziges Prob­lem:
    Das jew­eilige Datum der importierten Book­marks wird nicht über­nom­men, son­dern mit aktuellem Datum gesetzt. Hat jemand eine Lösung hierfür?

  10. Nachtrag:

    Das Datum wird richtig über­nom­men. Es liegt ganz ein­fach an Deli­cious, das beim Export das heutige Datum schreibt und nicht das richtige Datum…

    PS: Offen­sichtlich übern­immt die importDelicious.php jedoch nicht die Descrip­tion des jew­eili­gen Bookmarks!

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