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URL Shortener: .ly steht übrigens für Libyen

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Steffen Voß

Ver­schie­dene URL–Kür­zungs­dienste im Netz enden auf die Län­der­do­main .ly und bis­her hat sich wohl kaum jemand Gedan­ken dar­über gemacht, wofür das eigent­lich steht. .ly ist die Län­der­do­main von Libyen. Ver­wal­tet wird die vom liby­schen Fern­mel­de­amt, des­sen Vor­sit­zen­der Gad­da­fis ältes­ter Sohn Muham­mad al-Gaddafi per­sön­lich ist. Neben einem mora­li­schen Pro­blem, könnte das ein recht­li­ches Pro­blem sein, wenn man bedenkt, dass die Domains nach isla­mi­schem Recht ver­wal­tet werden.

Die Nut­zungs­be­din­gun­gen der Liby­schen Domain­ver­wal­tung sehen vor, dass die Domains zum Bei­spiel für sexu­elle und por­no­gra­fi­sche Inhalte nicht genutzt wer­den dür­fen. Der ShortURL-Service vb.ly musste erfah­ren, dass die Ver­wal­tung diese Regel auch durch­setzt: Im Sep­tem­ber 2010 wurde die Domain ohne War­nung abge­schal­tet. Nun ver­such mal jemand in Libyen dage­gen zu klagen…

Für schnell mal eben ver­linkte Sei­ten, ist das ver­mut­lich egal, wenn ein bestimm­ter Ser­vice plötz­lich nicht mehr geht. Wer die kur­zen URLs aber häu­fi­ger auch auf eige­nen Sei­ten nutzt, muss damit rech­nen, dass diese Links irgend­wann ein­fach tot sind und es auch unmög­lich ist, sie jemals wie­der auf­zu­lö­sen —  Das ist natür­lich immer ein Pro­blem, zum Bei­spiel auch, wenn so ein Anbie­ter mal pleite geht, sein Geschäfts­mo­dell ändert oder ähnliches.

is.gd als „ethi­sche“ Alternative

is.gd bezeich­net sich selbst als ethi­schen Short URL Ser­vice. Sie ver­spre­chen, dass sie den Ser­vice mit dem aktu­el­len Spon­so­ring durch einen Hos­ter finan­zie­ren, keine Wer­bung ein­blen­den wol­len, eine Top Level Domain aus einem  Land haben, in dem nicht isla­mi­sches Recht gilt (.gd = Gre­nada, ein Insel­staat in der Kari­bik mit par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie unter kon­sti­tu­tio­nel­ler Mon­ar­chie. Staats­ober­haupt Köni­gin Eli­sa­beth II) und der Ser­vice soll sogar CO²-neutral sein.

Man kann is.gd ein­fach über deren Home­page nut­zen. Es gibt aber auch eine API und PHP Schnip­sel, mit denen man schnell von einem ande­ren Ser­vice auf is.gd umstel­len kann. Meine Links auf kaffeeringe.de zu Twit­ter und Face­book habe ich bis­her mit tinyurl.com gekürzt. Die Umstel­lung des Plugins auf is.gd hat 3 Minu­ten gedauert.

In vie­len Pro­gram­men wird is.gd schon unter­stützt. Gwib­ber kann man auf is.gd umstel­len, das Firefox-Plugin url­bar­ext kann is.gd und auch für Chrome gibt es eine pas­sende Exten­sion. Bei Twitterfeed.com kann man is.dg nut­zen, wenn man als Shor­te­ner „custom“ aus­wählt und dann als End­point einträgt:

http://is.gd/create.php?format=simple&logstats=1&url=%@

Und is.gd ver­fügt zum Bei­spiel auch über eine Sta­tis­tik Funk­tion und einen QR-Code-Generator. Dazu muss man ein­fach einen Bin­de­strich an eine gekürzte Domain anhän­gen. Was braucht man mehr?

Die Num­mer sicher: Selbst kürzen

Wer ganz sicher sein möchte, was mit den gekürz­ten URLs pas­siert, kann auch ein­fach selbst einen Shor­te­ner betrei­ben. PHP Skripte gibt es dazu genü­gend. Man muss sich dann nur noch eine kurze Domain besor­gen. Wirk­lich kurze Domains gibt es im .de-Bereich nicht mehr. Aber es gibt ja noch mehr Rechts­staa­ten mit Top Level Domains.

Links

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Kommentare

  1. Swen Wacker:

    Ich halte es für wich­tig, in sol­chen Din­gen zunächst dar­auf hin­zu­wei­sen, dass URL–Shor­te­ner prin­zi­pi­ell böse sind und nur im wirk­lich not­wen­di­gen Umfang ein­ge­setzt wer­den soll­ten: Ich binde ohne Not eine Drit­ten Dienst­leis­ter ein. Das ist sys­te­ma­tisch pro­ble­ma­tisch, da der Dienst­leis­ter Pleite gehen kann (Nach­hal­tig­keit), böse wer­den kann (Daten­schutz, Hijacking, Anle­gen von Nut­zer­pro­fi­len), kos­ten­pflich­tig wer­den kann oder (spä­ter) Wer­bung zwi­schen­blen­det. Schließ­lich kann der Shor­te­ner selbst Opfer einer Atta­cke wer­den.
    Selbst wenn ich die Dienst­leis­tung selbst anbiete, gilt das obere, jeden­falls teil­weise. Es bleibt zudem der Umstand, dass URL–Aliase den Besu­cher in die Irre füh­ren kön­nen. Auch das sys­te­ma­tisch feh­ler­haft und aus Sicher­heits­grün­den pro­ble­ma­tisch.
    URL–Shor­te­ner soll­ten als nur dort ein­ge­bun­den wer­den, wo es aus Platz­grün­den (Twit­ter, SMS) zwin­gend ange­zeigt ist.

  2. Steffen:

    „Braucht“ ist ja auch so eine Sache. Da musste ich gerade schmun­zeln. :-D

    URL-​Shor­te­ner braucht man ja nur durch die künst­li­che Begren­zung der Nach­rich­ten­länge bei Twit­ter und SMS.

  3. Maik Hase:

    Bin auch gene­rell kein Fan von shor­ten­ern; man weiß halt nicht was wirk­lich kommt wenn auf den link geht. Solange es nicht expli­zit von einem Freund kommt nutze ich die Sachen auch nie.

  4. MichelRanAway:

    Also für ganz Moral– und Skrupelfreie:

    http://goo.gl ! :D

  5. Steffen Voß:

    bit.ly betreibt noch ein­mal den glei­chen Dienst unter http://j.mp

  6. Tobias:

    Eine kos­ten­lose Soft­ware namens Yourls, mit der die Ver­kür­zung von URLs funk­tio­niert, ist schnell instal­liert und ein­satz­be­reit. Gro­ßer Plus­punkt bei die­ser Vari­ante: Alle Daten lau­fen auf dem eige­nen Ser­ver und sind abso­lut privat.

    (gefun­den auf http://blog.marketingshop.de/aus-lang-mach-kurz-10-url-shortener/ )

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