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Memento Mori: Tod und Trauer im Internet

"Memento Mori" | Bestimmte Rechte vorbehalten von jcbwalsh
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Steffen Voß

Es bedarf keiner wis­senschaftlicher Stu­dien für die Erken­nt­nis, dass wir alle alle ein­mal ster­ben wer­den. Wenn alle Bere­iche des gesellschaftlichen Lebens durch das Inter­net verän­dert wer­den, sollte sich auch das Ableben dadurch verän­dern. Jörg Eisfeld-Reschke und Bir­git Aure­lia Janet­zky rufen zu einer Blog­pa­rade zum Thema “Tod und Trauer im Inter­net” auf. So richtig sortierte Gedanken habe ich mir dazu noch nicht gemacht und ich bitte das fol­gende Gedankenkon­vo­lut zu entschuldigen. Wenn Dich das Thema inter­essiert, blog doch selbst etwas. Ich glaube, es ist gut darüber zu diskutieren.

Das Inter­net ist ein Raum beschle­u­nigter Kom­mu­nika­tion. Ein­er­seits kann sich die Nachricht vom Tod einer Per­son sehr schnell ver­bre­iten. Ander­er­seits gibt es so viel zu erleben, dass es manch­mal gar nicht auf­fällt, wenn plöt­zlich jemand nicht mehr da ist. Erst vor ein paar Tagen sprach mich ein Fre­und an, ob ich etwas von einem Bekan­nte gehört habe, der sich seit Wochen bei Twit­ter nicht mehr gemeldet hat. Wenn nie­mand da ist, der zwis­chen dem realen Tod einer Per­son uns seinem virtuellen Fre­un­deskreis ver­mit­telt, kann man ein­fach so verschwinden.

Man sagt, das Inter­net vergesse nicht. Lei­der ist diese Regel nicht zuver­läs­sig. Das Inter­net behält, was man nicht will und ver­gisst die Dinge, die wichtig für uns sind. Mit dem Tod enden viele Ver­tragsver­hält­nisse. Und wenn mein Web­space nicht weiter bezahlt wird, schal­tet mein Hosting-Provider mein Blog ab. Das ist dann weg und existiert nur noch in einer entstel­len­den Archivver­sion bei archive.org. Ähn­liches wird allen bezahlten Dien­sten wider­fahren. Erhal­ten bleiben die kosten­losen Pro­file — auch wenn hier eigentlich die Ver­trags­ba­sis mit dem Tod erlöschen müsste. (Da würde mich schon mal inter­essieren, wie das rechtlich ist, wenn jemand AGB–Änderun­gen nicht mehr zus­tim­men kann. Allerd­ings kann er dann ja auch nicht mehr kla­gen…) Pro­file bei Face­book zum Beispiel bleiben. Und das ist eine schöne Sache: Kurz nach dem Bar­Camp Kiel 2010 ist einer der Organ­isatoren ver­stor­ben und sein Pro­fil existiert immer noch. Und immer wenn ich zum Beispiel zum Web­Mon­tag ein­lade, wird auch er mir von Face­book vorgeschla­gen und jedes mal denke ich kurz an ihn und lade ihn dann ein. Die Frage ist allerd­ings, wie lange das skaliert und wie lange es eine schöne Erin­nerung ist. Ich weiß nicht, ob ich mit 80 eine Kon­tak­tliste haben möchte in der 300 Leute tot sind.

Ich halte nichts von speziellen Dien­sten, die nach meinem Ableben Mails ver­schicken. Ich halte nichts von virtuellen Grab­steinen und diesem ganzen Kram. Ich traue ihnen auch nicht. Im Gegen­satz zu einem richti­gen Grab mit einem richti­gen Stein, von dem ich weiß, dass es zumin­d­est 25 Jahre da sein wird, kann man bei diesen Ange­boten froh sein, wenn sie ein paar Jahre durch­hal­ten. Und nach meinem Ableben ist es mir auch nicht wichtig, dass sich jeder, jed­erzeit an mich erin­nert. Ich hoffe, dass ich bei ein paar Men­schen, die mir wichtig sind, so viel guten Ein­druck hin­ter­lassen habe, dass die auch so hin und wieder mal an mich denken.

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Kommentare

  1. Dirks:

    Du hast vergessen zu erwäh­nen, dass es dem Bekan­nten zum Glück gut geht ;-) .

    Inter­net” und “Trauer” scheinen sich jeden­falls auf den ersten Blick nicht gut miteinan­der zu ver­tra­gen, das hast du ja auch schon angedeutet. Auf der einen Seite wegen des Gegen­satzes von beschle­u­nigter Kom­mu­nika­tion und Trauer als etwas, das ja ger­ade Zeit braucht. auf der anderen Seite: Dig­i­tale Vergänglichkeit hier und “bleiben­der” Grab­stein dort. Dass ein Grab­stein eben aus Stein ist und nicht aus Holz oder sonst einem Vergänglichen Mate­r­ial, ist ja kein Zufall…

    Als erste Idee fällt mir dazu eigentlich ein, dass auch der Tod als solches gar nicht auf das Web über­trag­bar ist. er ist eigentlich nur eine biographis­che Infor­ma­tion. “Kann” man, genau wie die Hochzeit oder den Geburt­stag, in ein “blogger.com” Pro­fil ein­tra­gen, “muss” man aber nicht. Denn die Inhalte zur Per­son bleiben ja die gleichen.

    Inter­es­sant finde ich die andere Rich­tung. In den USA finden es leute heute schon nor­mal, sich QR-Codes auf Grab­steine meißeln zu lassen. Auch wenn ich im Grund­satz diesel­ben Bedenken habe wie Du (“Wie lange ist die Seite dahin­ter erre­ich­bar”), sind die eher organ­isatorischer Natur. Ich meine: Was spricht dage­gen, eine “Virtuelle Grab­stelle” eben auch 25 Jahre im Voraus zu bezahlen? Fehlt nur noch das entsprechende Ange­bot…
    Das Web kön­nte mE also eine sin­nvolle Ergänzung für die Trauer um die echte Per­son sein. Einen eige­nen Cyber-Tod brauchts aber nicht, finde ich.

  2. Tod und Sterben im Internet – ein paar Gedanken aus rechtlicher Sicht | dirks.it:

    […] auf einen Text meines guten Fre­un­des Stef­fen Voss auf kaffeeringe.de  gestoßen, der sich mit „Tod und Trauer im Inter­net“ befasst. Anlass ist  der Aufruf zu einer „Blog­pa­rade“ zum Thema von Jörg […]

  3. Clemens P.:

    Ich habe mir auch schon darüber Gedanken gemacht. Oft bekommt man vom Ableben nichts mit, weil, wie du schon sagtest, die Zwis­chen­per­son ein­fach nicht da ist. Aber beim Inter­net ist es mir auch egal. Auf die richti­gen Per­so­nen kommt es an, die an einen denken.

  4. Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Zwischenstand zur Blogparade “Tod und Trauer im Internet”:

    […] Stef­fen Voß: Tod und Trauer im Internet […]

  5. Institut für Kommunikation in sozialen Medien » Überblick – Beiträge zur Blogparade “Tod und Trauer im Internet”:

    […] Stef­fen Voß: Tod und Trauer im Internet […]

  6. Überblick – Beiträge zur Blogparade “Tod und Trauer im Internet” - Duthel Press Release® Europe:

    […] Stef­fen Voß: Tod und Trauer im Internet […]

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